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DISCO ENSEMBLE – DEATH LETTERS

Ort: Osnabrück – Kleine Freiheit

Datum: 01.11.2012

Man sollte sich vom Namen dieser Kapelle nicht täuschen lassen; mit austauschbaren Disco-Beats hat die Mucke der Skandinavier nämlich gar nichts zu tun. Vielmehr steht bei diesem Quartett seit zwölf Jahren Post-Hardcore mit einer guten Portion Punk und Indie auf dem Programm. Als das DISCO ENSEMBLE zuletzt vor gut zwei Jahren zu einem Clubkonzert in meiner Nähe weilte, war ich leider verhindert; ein Umstand den es dieses Mal zu verhindert galt und tatsächlich klappte das Heimspiel heuer problemlos. Im Gepäck hatten die vier Finnen nicht nur ihr aktuelles fünftes Album „Warriors“, sondern auch jede Menge Bühnendeko und zu guter Letzt auch eine zweiköpfige Support-Band, die auf den Namen DEATH LETTERS hörte.

Zuhause sind Duende Ariza Lora (Gitarre/Vocals) und Victor Brandt (Drums) im beschaulichen Holland, mit Beschaulichkeit hatte ihre Mucke allerdings wenig gemein. Pünktlich um 21.00 Uhr legte das Duo mit „Temporary Frame“ vom 2011er „Post Historic“ gleich einmal krachend und mit allerlei „Post“-Attitüde los. Wildes Geschwurbel mit viel Drive stand bei den DEATH LETTERS ganz oben auf dem Zutatenzettel; nur selten nahmen die Käsehäppchen wie bei „I Wish I Could Steal A Sunset“ mal Tempo raus und wenn, dann auch nur für einen kurzen Moment, um dann gleich wieder in heftiges Gebretter zu verfallen. Mit „Your Heart Upside Down“ gab’s deshalb auch vom Start weg ordentlich was auf die Mütze, ehe „Death of The Sincere“ den halbstündigen Vortrag mit einer Kombi aus feinem Geschrei, ruhigen Passagen und jeder Menge Gefrickel mit dem Effektgerät daher kam, während der Kollege Schlagzeuger ausgiebig die Felle bearbeitete. Ein schweißtreibender Auftakt des Abends, der Lust auf mehr machte.

Setlist DEATH LETTERS
Temporary Frame
Fear’s Face
Control
I Wish I Could Steal A Sunset
In Fear Fools Search
Your Heart Upside Down
Death of The Sincere

In den folgenden 30 Minuten konnten Flüssigkeitsverluste ausgeglichen und der Nikotinsucht gefrönt werden, bis schließlich um 22.00 Uhr das druckvolle Intro von der Ankunft des DISCO ENSEMBLEs auf der kleinen Stage in der ehemaligen Bahn-Kantine kündete. Wie es sich für die Jungs mit Wohnort Helsinki gehört, ging’s umgehend von Null auf 100 und auch das überwiegend männliche Publikum zeigte sich wenig scheu und in bester Feierlaune. Für „Bad Luck Charm“ betätigte Sänger Mikka Koivisto das Tasteninstrument, während die Herren an den Langäxten und hinter der Schießbude nichts anbrennen ließen und die Osnabrücker sich im Klatschen übten. Nach diesem krachenden Aufgalopp präsentierte sich „Second Soul“ melodiös und nicht gar so brachial, um mit „I’ve Seen The Future“ wieder in die Vollen zu gehen. Bei der Gelegenheit nahm der Fronter gleich einmal ein Bad in der Menge, wo bereits wild gepogt wurde. „Too Much Feeling“ schaltete noch einmal einen Gang runter und bot so kurz Gelegenheit zum Durchatmen, bevor mit „Drop Dead, Casanova“ der nächste Kracher folgte. Stakkatosounds eröffneten das wunderbare „So Cold“ mit seiner ganz besonderen Variation von „Don’t cry for me Argentina“, zu der sich wahre Lichtkaskaden im Hintergrund der Bühne ergossen. Dass es bisweilen wie bei „Eartha Kitt“ leichte Probleme mit der Keyboard-Technik gab, sei großzügig verziehen, schließlich schloss sich dank „Threat Letter Typewriter“ unter Lichtgewittern auch schon das nächste Highlight an. Damit nicht genug, brachte die DISCO-ENSEMBLE-Hymne „White Flag For Peace“ die Kleine Freiheit zum Kochen, um mit „Your Shadow“ am Ende ein wenig Druck rauszunehmen. Geschwächelt wurde aber keineswegs, auch wenn der hochenergetische Vierer sich nach diesem Song für einen kurzen Moment verabschiedete. Nach einer knappen Stunde endete an dieser Stelle nämlich das reguläre Set, das jedoch mit dem sphärisch beginnenden „Bay of Biscay“ unter Nebelschwaden seine Fortsetzung fand. Mit dem abwechslungsreichen „Stun Gun“ war dann allerdings wirklich vergleichsweise früh Schluss.

Es waren absolut kurzweilige 65 Minuten, welche die Nordlichter ihren Fans an Allerheiligen bereiteten. Ein bisschen mehr Zeit hätte ich mit dem DISCO ENSEMBLE gern noch verbracht, aber die gab’s vielleicht für die ausdauernden Fans nach der Show noch an der Bar. Da war ich allerdings nicht mehr mit von der Partie, denn für einen Niedersachsen wie mich gab es weder einen freien Donnerstag noch einen Brückentag am Freitag. Das Leben kann so hart sein, wie gut, wenn unter solchen Umständen wenigstens gute Musik im Spiel ist…

Setlist DISCO ENSEMBLE
Intro
Bad Luck Charm
We Might Fall Apart
Second Soul
I’ve Seen The Future
Too Much Feeling
Drop Dead, Casanova
Spade Is The Anti-Heart
So Cold
Eartha Kitt
Threat Letter Typewriter
White Flag For Peace
Your Shadow

Bay of Biscay
Stun Gun

Copyright Fotos: Holger Ebert

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