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DISTURBED – PAPA ROACH – BUCKCHERRY – HALESTORM

Ort: Hamburg – Alsterdorfer Sporthalle

Datum: 29.11.2010

Rockstar Taste of Chaos Tour

Hamburg zum Dritten: Meine 1.750 Konzertkilometern im Monat November resultieren im Wesentlichen aus meinen Besuchen in der wunderbaren Hanseaten-Metropole, wo die Rockstar Taste of Chaos Tour an diesem Montag Station machte. Passenderweise begann ausgerechnet heute in Norddeutschland die Schneesaison, doch auf der A1 waren die Straßen frei – sogar Staus blieben mir erspart, so dass ich pünktlich und entspannt die Alsterdorfer Sporthalle erreichte, wo sich um 18.00 Uhr schon ein ansehnlicher Pulk Fans der eher härterer Klänge versammelt hatte und bei niedrigen Außentemperaturen um Einlass bat. Dem wurde umgehend entsprochen, schließlich sollte es um 18.40 Uhr auch schon mit der ersten Kapelle losgehen…

Den Anfang machten HALESTORM, die wie ihre Mitstreiter BUCKCHERRY, PAPA ROACH und DISTURBED über den großen Teich zu uns gekommen waren. Im Gepäck hatten die Geschwister Lzzy (voc.) und Arejay (dr.) Hale neben den Kollegen Joe Hottinger (git.) und Josh Smith (bass) auch ihren selbstbetitelten Debüt-Silberling, der hierzulande in diesem Jahr erschienen ist. Dabei gibt es HALESTORM bereits seit 13 Jahren, ebenso viele Lenze zählte auch die die gute Lzzy als sie ihre ersten Songs schrieb, ehe sie ihren Dad überredete, in ihrer Band den Stahlsaiter zu zupfen und der kleine zehnjährige Bruder an die Schießbude verfrachtet wurde. Seither sind ein paar Jahre vergangen, Papa Hale wurde aufs Altenteil geschickt und in Hamburg ein krachender Start hingelegt. Die energiegeladene Fronterin startete mit „It’s Not You“ zunächst allein, bevor schließlich auch die werte Männlichkeit eintrudelte, die sich in der Gestalt des Schlagzeugers zunächst maskiert präsentierte. Es wurde in bester Oldschool-Manier nach vorn gerockt, ehe „Familiar Taste of Poison“ offenbarte, dass unter der rauen Schale durchaus auch ein weicher Kern steckte. Mit viel Schmackes ging’s bald wieder in die Vollen und auch das Publikum in der Alsterdorfer Sporthalle ließ sich schnell von dem Quartett aus Red Lion/Pennsylvania anstecken. Für sein Schlagzeug-Solo hatte Arejay sich übergroße Drumsticks besorgt, mit denen der Rotschopf auf seine Batterie eindrosch, während für den Rest der Truppe in Front ein Percussion-Set aufgebaut wurde, auf dem den Anwesenden ebenfalls ordentlich eingeheizt wurde. Die bekamen auch mit „Nothing To Do With Love noch mal amtlich was auf die Mütze, ehe „I Get Off“ in blaues Licht getaucht einen ruhigen Start hinlegte, bevor HALESTORM noch ein letztes Mal losknüppelten. Zweifellos ein gelungenes Opening, bei dem von der etwas zu glattpolierten Produktion der Konservenkost, die ich in meiner Rezension der Platte zu bemängeln hatte, nichts mehr zu spüren war. Und die Person, welche die CD gefangen hat, die Lzzy zum Schluss noch in die Menge warf, wird sich über den Tonträger bestimmt freuen.

Setlist HALESTORM
It’s Not You
What Were You Expecting
Dirty Work
Familiar Taste of Poison
Drum Solo
Nothing To Do With Love
I Get Off

Nach einer extrem kurzen Umbaupause von nur 15 Minuten kam ein Act auf die Stage, dessen Anfänge im Jahr 1995 liegen. Nach zwei Alben lösten sich BUCKCHERRY jedoch 2002 auf, ehe es drei Jahre später unter der Leitung von Sänger Josh Todd und Gitarrist Keith Nelson mit neuer Besetzung und altem Namen weiterging. Im Sommer erschien der fünfte Longplayer „All Night Long“ der fünf Jungs aus Jamestown/New York, die in ihrer Heimat eine ziemlich große Nummer sind und bereits als Nachfolger von AEROSMITH und den GUNNERS gehandelt werden. BUCKCHERRY-Platten erlangen in den USA regelmäßig Platin, hierzulande haben die gestandenen Herren eher noch Newcomer-Status, was sich mit dem neuesten Output „All Night Long“ natürlich ändern soll, vom dem auch vier Songs stammten, die an diesem Abend zum Vortrag gebracht wurden. Eine gewisse Nähe zu AEROSMITH war dabei nicht nur musikalisch zu erkennen, auch optisch ist beim reich bebilderte Josh ein wenig Ähnlichkeit mit Steven Tyler vorhanden, wobei der Herr mich durchaus auch an Dave Navarro (Ex-RED HOT CHILI PEPPERS, JANE’S ADDICTION) erinnerte, dessen Augen-Make Up jedoch eher als Inspiration für den zweiten Gitarrenmann Stevie D diente. Auch BUCKCHERRY fackelten nicht lange, nachdem das „Sexy“-Intro verklungen war, und rockten mit zwei Songs ihres vorletzten Longplayers „Black Butterfly“ aus 2008 gleich richtig los. Auch „All Night Long“ vom aktuellen Werk gefiel mit viel Wumms und da es Mister Todd wohl zu warm geworden war, hatte auch die holde Weiblichkeit inzwischen ne Menge zu gucken. Der Herr bot eine bunte Bilderschau, die auf einen gut durchtrainierten Oberkörper präsentiert wurde, wozu das laszive „Oh My Lord“ selbstverständlich bestens passte. Mit „Lit Up“ gab’s alsbald wieder dreckigen Rock auf die Ohren, zu dem Todd seinen Schellenkranz schlug, während Bassist Jimmy Ashhurst seine Stahlsaiten bearbeitete und Xavier Muriel an der Batterie ins Schwitzen geriet. „It’s A Party“ war stadiontaugliches Programm, passte jedoch auch in die mit ca. 2.500 bis 3.000 Leuten gefüllte Sporthalle und ging umgehend ins Bein, ehe es mit „Dead“ noch mal so richtig im Karton rappelte. Die Lichttechniker zeigten hier auch noch einmal ihr ganzes Können, ehe „Crazy Bitch“ vom 2006er „15“ nach 35 Minuten den knackigen Abschluss bildete.

Setlist BUCKCHERRY
Tired of You
Rescue Me
All Night Long
Oh My Lord
Lit Up
It’s A Party
Dead
Crazy Bitch

Inzwischen war es 20.20 Uhr, nach einem weiteren schlanken Change-Over prangte nicht mehr der große BUCKCHERRY-Totenschädel auf dem riesigen Backdrop im Hintergrund, sondern ein großer PAPA-ROACH-Schriftzug kündigte nebst eines Intros an, dass in Kürze die vier Kalifornier Einzug halten würden. Offensichtlich wurden die Alternative Rocker auch schon dringend erwartete, denn die Rufe nach ihnen wurden immer lauter, so dass „Kick In The Teeth“ vom diesjährigen „Time For Annihilation … On The Record & On The Road“ gleich abgefeiert wurde. Als Sänger und Gründungsmitglied Jacoby Shaddix (Coby Dick) dann zu „One Track Mind“ von der gleichen Langrille mit den Fans auf Tuchfühlung ging, gab’s kein Halten mehr für die Hanseaten, denen allerdings auch allerfeinste Kost geboten wurde. PAPA ROACH spielten sich sozusagen im Schnelldurchlauf einmal durch die Highlights ihrer umfangreichen Diskografie – immerhin haben die Westküstenbewohner auch schon wieder 17 Bandjahre auf dem Buckel. Ihre Mucke ist glücklicherweise energiegeladen wie eh und je und so konnten Songs wie „Scars“ (2004 auf „Getting Away With Murder“ verewigt) ebenso zelebriert werden wie beispielsweise „…To Be Loved“, das 2006 auf „The Paramour Session“ veröffentlicht wurde. Auf dieser Platte war auch „Forever“ vertreten, bei dem Coby Dick zunächst im Off verschwand und die Kollegen Jerry Horton (Gitarre), Tobin Esperance (Bass) und Tony Palermo (Drums) allein unter Lichtgewittern wüteten. Der Fronter sorgte dann im weiteren Verlauf für die eher ruhigen Passagen, ehe es mit Stakkatosounds weiterging. Passend zu „Burn“ waren auf den Videowalls züngelnde Flammen zu sehen, bevor die Stage bei „Hollywood Whore“ („Metamorphosis – 2009) in blaues Licht getaucht wurde. Hier startete der Vierer zunächst mit angezogener Handbremse, doch schon bald ging’s wieder ans Eingemachte. Höhepunkt waren natürlich die beiden Überhits der Kapelle, die auf gar keinen Fall fehlen durften und mit denen es ganz weit zurück in der Bandgeschichte ging. Bereits vor zehn Jahren ist die zweite Platte „Infest“ rausgekommen, auf der zwei Songs enthalten waren, ohne die ein PAPA-ROACH-Gig wohl nicht denkbar wäre: „Between Angels And Insects“ und „Last Resort“. Die beiden Nummern bildeten dann auch den würdigen Abschluss der knapp einstündigen Show, die sehr viel Spaß gemacht hat und wohl die beste Stimmung des Abends lieferte. Es wurde auf und vor der Bühne noch mal alles gegeben, ehe in einer halbstündigen Pause die Kraftreserven aufgetankt werden konnten.

Setlist PAPA ROACH
Intro
Kick In The Teeth
Lifeline
One Track Mind
Scars
The Enemy
Getting Away With Murder
…To Be Loved
Forever
Burn
Hollywood Whore
Between Angels And Insects
Last Resort

Denn für den Headliner DISTURBED waren etwas umfangreichere Umbauten nötig, die ganz geheimnisvoll hinter einem schwarzen Vorhang vonstatten gingen. Um 21.50 Uhr war es dann soweit: Der Vorhang fiel und das mediale Großereignis konnte beginnen! Neben den kleinen Videowalls, die bereits bei PAPA ROACH im Einsatz waren und auch schon das Bühnenbild bei BUCKCHERRY zierten, ohne dort jedoch weitere Verwendung zu finden, gab es jetzt auch noch eine riesige Leinwand, auf der gleich einmal eine fette Videoshow geboten wurde, während langsam auch die Herren Musiker den Weg zu ihren Arbeitsplätzen fanden. David Draiman erinnerte mich in seinem ärmellosen Arbeitsoverall einmal mehr an Hella von Sinnen, wobei die beiden vermutlich nicht nur stimmlich einiges unterscheidet. Der Herr mit dem auffälligen metallischen Gesichtsschmuck und der markigen Stimme war wieder sehr, sehr böse und ließ es gemeinsam mit der Instrumentalfraktion bestehend aus Dan Donegan am Sechssaiter, John Moyer am Tieftöner und Mike Wengren hinter der Schießbude gewohnt solide krachen. Auch das Quartett aus Chicago war fleißig und hat im Sommer seine fünfte Langrille in die Plattenläden gebracht. Musikalisch bleiben sich die Amis mit diesem Silberling treu, weshalb auch eine Nummer wie der Titeltrack „Asylum“ schnell ins Blut ging. Das GENESIS-Cover „Land of Confusion“, das 2005 auf „Ten Thousand Fists“ gebrannt wurde, zählt hingegen längst zu den Trademarks der Band, die gern mal eher poppige Vorlagen verwurstet, und wurde entsprechend lauthals mitgesungen. Zu „Inside The Fire“ („Indestructible“) stand die Stage schließlich virtuell in Flammen, während es für die Anwesenden schön was auf die Glocke gab, ehe das aktuelle„Another Way To Die“ zunächst harmlos anfing, um sclussendlich richtig loszubrechen. Die Klassiker wie „Stricken“, „Stupify“ (2000 auf dem Debüt „The Sickness“ erschienen) oder „Ten Thousand Fists“ wurden natürlich nach allen Regeln der Kunst abgefeiert, wobei beim letztgenannten Song zunächst Dan Donegan allein agierte, während Dave vermittels Videokamera das Auditorium filmte, das sich so auf der Leinwand wiederfand. Natürlich konnte es für die Fans nur einen einzigen Auftrag geben: Nämlich die Fäuste in die Luft zu recken, was die Meute auch ausdauernd und mit viel Enthusiasmus tat. Zwischenzeitlich war auch der Rest der Kapelle zurückgekehrt und es konnte endgültig in die Vollen gehen. Sirenengeheul eröffnete wenig später das Titelstück der 2008er Scheibe „Indestructible“, mit dem sich DISTURBED zunächst von der Bühne verabschiedeten. Aber auch hier gibt es ein ehernes Gesetz: Kein Konzert ohne „Down With The Sickness“! Es könnte allerdings sein, dass Dave Draiman auf den Song keinen Bock mehr hat. Zumindest hörte sich sein Gesang ausgerechnet bei meinen DISTURBED-Favoriten sehr lustlos an. Entweder war bei dem Glatzkopf nach einer Stunde die Kraft futsch oder er hatte einfach keine Lust mehr. Immerhin reichte es aber noch für ein gemeinsames Geburtstagsständchen für John Moyer, der am nächsten Tag 37 Jahre alt werden sollte und die obligatorischen „We are DISTURBED“-Rufe, ehe das Metal-Volk wieder in die kalte Nacht geschickt wurde.

Setlist DISTURBED (ohne Gewähr)
Remnants
Asylum
The Game
Prayer
Liberate
Land of Confusion (GENESIS-Cover)
The Animal
Inside The Fire
Stricken
Another Way To Die
Stupify
Ten Thousand Fists
Indestrucible

Down With The Sickness

Dank des frühen Starts war es noch nicht ganz 23.00 Uhr, doch vor mir standen noch 250 km Rückfahrt mit tendenziell glatten Straßen, weshalb ich mich zügig auf den Heimweg machte. Im Ohr immer noch einen knackigen Metal-Mix, der in Form der Rockstar Taste of Chaos Tour von vier Bands präsentiert wurde, die durchweg gutes Handwerk ablieferten und sicher nicht nur mir einen gelungenen Abend bescherten.

Copyright Fotos: Ulrike Meyer Potthoff

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