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DIVINE HERESY – BLOOD RED THRONE – HACRIDE

Ort: Hamburg - Logo

Datum: 21.12.2007

Kurz vor Weihnachten sollte der altehrwürdige Hamburger Schuhkarton namens “Logo” also noch einmal Schauplatz eines eher unchristlichen Konzertabends werden. Die Mannen um die Fast-All-Star-Band DIVINE HERESY, die mit „Bleed the Fifth“ eine durchaus beachtliche Abrissbirne eingezimmert haben, fangen also wieder ganz unten an. Wer hätte zur Glanzzeit FEAR FACTORYs geglaubt, Gitarrengott Dino Cazares jemals wieder aus solch einer Nähe begutachten zu dürfen? So richtig viele Menschen schienen dann doch nicht auf diesen Moment gewartet zu haben, denn das „Logo“ war sehr überschaubar gefüllt. Ca. 80 zahlende Zuschauer lautet meine positive Einschätzung nach Überblicken des Tanzflures mit eingebauter Theke. Die Anwesenden sollten jedoch nicht enttäuscht nach hause gehen, soviel sei schon einmal verraten…

HACRIDE

Den Anfang machten aber HACRIDE, die leider schon vor Konzertbeginn ihren Auftritt starteten, sodass ich nur die Hälfte des Sets sehen konnte. Sehr ungewöhnlich für das „Logo“ und obendrein ärgerlich für mich, da ich sehr angetan war, von dem was ich bisher von der Band hören durfte. Die Franzosen, deren neuestes Werk „Amoeba“ auf dem Qualitätslabel Listenable Records erschienen ist, machten deutlich, dass sie durchaus in der Lage sind, ihren anspruchsvollen Sound auch live zu reproduzieren. Vom Sound her erinnern sie mehr als einmal an ihre Labelmates von TEXTURES, sind aber noch ein wenig progressiver veranlagt. Nichtsdestotrotz bieten sie ebenfalls diese ureigene verschrobene MESHUGGAH Rhythmik und paaren sie mit sphärischen Zwischenstücken. Sänger Samuel Bourreau trägt seine Texte mit Inbrunst und manischem Blick vor und ignoriert geflissentlich, dass vor der Bühne keinerlei Aktivität herrscht. Es wird zwar ein wenig mit genickt, jedoch wird deutlich, dass heute Abend mal wieder drei Bands miteinander auftreten, die jeweils doch sehr unterschiedlich den Metal-Acker bearbeiten und die Zuschauer keinesfalls Freunde all dieser verschiedenen Sounds sind. Der Rest der Band stört sich auch nicht weiter an der fehlenden Resonanz, es scheint als wäre es nicht das erste Mal, dass sie ein wenig aus dem Rahmen fallen. Gitarrist Adrien Grousset, der nicht größer als 1,50m zu sein scheint, wirbelt jedenfalls unaufhörlich mit seinen Haaren und entlockt seiner Gitarre die unterschiedlichsten Töne. Mir hat es selbst während der wenigen Songs, die ich sehen durfte, sehr gut gefallen und hoffe die Jungs bald mal in ganzer Länge begutachten zu dürfen. Sollte man sich unbedingt einmal anhören, wenn man auf oben genannte Bands steht. In Frankreich sind sie auf jeden Fall schon ganz weit oben!

BLOOD RED THRONE

Den nächsten Punkt auf der metallischen Landkarte des Abends setzten die Norweger Deather BLOOD RED THRONE. Man brauchte nur einen Blick auf Shouter Vald zu werfen und man wusste sofort, was einem in den folgenden Minuten erwartete. Nietenarmbänder Marke Augenausstecher und „blutbesudeltes“ Unterhemd Marke Feinripp „Opas Liebster“ ließen darauf schließen, dass hier keine Emo-Band auf der Bühne steht, sondern eine der skandinavischen Blutwurst-Gangs. Musikalisch durchaus nicht zu verachten, wenn auch zum Schluss ein wenig eintönig, muss der Schwachpunkt der Band leider eben beim Sänger der Truppe ausgemacht werden. Das Geröhre konnte leider live nicht überzeugen, da zu uninspiriert und obendrein zu drucklos. Die Schwächen beim Gesang wurden aber durch permanentes Haareschütteln kompensiert. Dies wurde natürlich auch vom Rest der Combo praktiziert, selbst wenn es wie beim Gitarristen Dod gar keine Haare mehr zum bangen gab. Dieser wusste aber durch ein verdammt schnelles und tightes Gitarrenspiel zu begeistern, vom Aussehen würde er aber besser zu einer Band Marke SUICIDAL TENDENCIES passen. Die Riffs versprühten manchmal einen schönen old-schooligen Charme und erinnerten an die großen Namen aus Florida. Auch einige der Anwesenden ließen sich zum ausgedehnten Propeller-Wettbewerb bitten und so hatte zeitweise jeder Musiker ein Spiegelbild beim bangen vor der Bühne. Das erspart eine Lüftungsanlage und sorgt für eine frische Brise. Ganz nett, aber live nicht unbedingt mein Cup of tea.

DIVINE HERESY

Als nächstes wollten also DIVINE HERESY beweisen, dass sie wirklich eine mittlerweile tighte Live-Band sind, wie der Herr der Saiten Dino Cazares im vorher statt gefundenen Interview anklingen ließ. Seine Mitstreiter Tim Yeung (World´s Fastest Drummer 2004) und Bassist Joe Payne (Ex-NILE) sorgen auf dem Papier ja schon einmal für einen mehr als günstigen Ausgangspunkt. Und was soll man sagen, live macht die Band einen wirklichen eindrucksvollen Alarm. Aber komischerweise liegt das nicht unbedingt an der Rhythmus-Sektion, sondern an dem Wirbelwind Tommy Vext, der selbst auf der kleinen Bühne des Logos einige Kilometer zurücklegte und wie ein Flummi durch die Gegend sprang. Anfangs hatte er zwar Probleme, die ganz hohen Melody-Lines zu treffen, was sich im Laufe des Abends aber merklich besserte. Am Ende einer Tour seien solche Ausfallerscheinungen aber verziehen. Zweiter Pluspunkt der Band ist Joe Payne, der höchst sympathisch am Bass sein Ding durchzog und immer gut gelaunt durch die Gegend stakste. Selbst einige „Ich greife die Akkorde und du schlägst die Saiten an“ – Spielchen wurden von Dino und Joe praktiziert. Dino selbst guckte die meiste Zeit nicht immer enthusiastisch, aber selbst zur besten FEAR FACTORY Zeit war seine Mine auch nicht viel aufgehellter. Zwischendurch wurde dann aber auch gelächelt und jeder der wollte durfte sich einen Handschlag abholen. Gespielt wurde die meiste Zeit auf seiner Siebensaitigen Ibanez, zwischendrin stieg er dann auch mal auf die Achtsaitige um. Und ein Blick auf die Verstärkeranlage zeigte mehr einen Hochleistungs-PC, als ein schnödes Top-Teil. Tim ackerte natürlich wie blöde an den Drums, viel auszumachen war in dem Soundgewusel vor der Bühne aber nicht, doch das Publikum, welches aus seinem Winterschlaf schlagartig erwacht war, hatte dennoch seine helle Freude. Songs wie „This Threat is real“ und mein Favorit „Closure“ haben das Zeug, auf Festivals zu Hymnen zu werden. Jeder, der sich an diesem Abend vielleicht noch nicht verausgabte bekam, zum Ende des Konzertes hin, noch die Möglichkeit zu den FEAR FACTORY Über-Tracks „Self-Bias-Resistor“ und „Replica“ abzugehen. Welch Freude, diese Tracks nach einer langen Zeit wieder zu hören! Und das Gute ist: Tommy klang wesentlich besser als Burton und hat die Songs richtig gut herüber gebracht. Solange DIVINE HERESY nur eine Platte auf dem Markt haben, werden diese Stücke sicherlich weiterhin Bestand im Set haben. In Zukunft sollte man darauf aber sicherlich verzichten, denn sonst bekommt das Ganze einen Touch von „auf alten Lorbeeren ausruhen“. Spaß macht es natürlich trotzdem.

Alles in allem ein schöner, sympathischer Auftritt, der gezeigt hat, dass sich die Band auch vor nicht allzu vielen Zuschauern gehörig den Arsch aufreißt. Warten wir mal ab, was die Zukunft bringt und welch langen Atem Dino dieser Inkarnation seiner musikalischen Herumtreiberei entgegen bringt.

Copyright Fotos: Michael Päben

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