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DOG EAT DOG – ITCHY POOPZKID – ULTIMO RATIO REGIS

Ort: Bielefeld - Kamp

Datum: 22.10.2006

Mit DOG EAT DOG ist es wie mit der allerersten Freundin: Egal, wie oft man sie sieht, es wird nie langweilig, obwohl man genau weiß, was man bekommt. Und so war es klar, dass sich gleich 4 Terrorverleger auf ins Kamp machten, um die Amis mit zweiter Heimat Ostwestfalen bei ihrem Treiben zu begleiten. Der Anfahrtsweg in Richtung JZ ist mittlerweile fast komplett gesperrt und immer noch verlaufen die riesigen Abwasserkanäle oberirdisch, was zu einer „netten“ Geruchsmischung vor dem Laden führte. Ansonsten sah es dort noch relativ leer aus, als wir kurz nach 20 30 Uhr eintrafen. Im Kamp dasselbe Bild, einige sitzende Halbwüchsige sollten doch wohl nicht den Rahmen des Abends bieten? Eine Bionade später waren solche Gedanken allerdings schon verflogen, da der Opener mit seiner Darbietung begann.

Und dieser Opener hatte es wahrlich in sich, nicht unbedingt auf musikalischer Ebene allerdings. Es war im Vorfeld fast unmöglich, handfeste Infos über ULTIMO RATIO REGIS zu bekommen. Allein dieser Bandname! Der bezieht sich im Übrigen auf den gleichnamigen Aufdruck preußischer Kanonen, der soviel bedeutet wie: „Der König hat das letzte Wort“. Na ja, allzu gesprächig sind viele nach so einem Kanoneneinschlag auch nicht mehr. Gesprächig war aber der Fronter des Sextetts und das war kein Geringerer als… Ben Tewaag, Sohn von Deutschlands Vorzeige Darling Uschi Glas! Das dürften allerdings an diesem Abend nur die wenigsten gewusst haben, zumindest waren die beiden Mädels von der Ben Tewaag-Fanpage anwesend und vollauf begeistert. Der gute Ben hat ja in seinem Leben schon so allerhand versucht: Schlägereien, eine Fußballserie auf RTL (abgebrochen mangels Interesse), eine Chaos-Show auf MTV (abgebrochen wegen Bayerns Zensur) und nun also Shouter einer Metalband, komplett mit aktuellem SLAYER-Shirt. Leider interessierte sich kaum jemand wirklich für das Treiben auf der Bühne, die allermeisten verblieben an der anderen Seite des Raumes und konnten auch nicht nach vorne animiert werden. Musikalisch ging es eine halbe Stunde lang überraschend hart zur Sache, die Gitarrenfraktion haute einige deftige Riffs raus, der Keyboarder versuchte sich an apokalyptischen Klängen und Herr Tewaag… ja der krächzte, brüllte und rappte sich durch recht eigenartige deutsche Lyrics. Schon nach dem ersten Titel erklärte er, dass man nichts mit rechtslastigem Gedankengut am Hut habe, aber gerne ein wenig rumprolle. Kann man nur unterstreichen, der Kerl lebt den Rock wirklich und hatte nachher nicht nur ein Bierchen in der Hand. Den Sound würde ich als Hardcore meets BODY COUNT meets Aggro Berlin bezeichnen, durchaus einzigartig, aber qualitativ noch ausbaufähig. Als letzten Titel präsentierte man „Russisch Roulette“, wonach man sich in Richtung Merchandise begab, wo es immerhin schon ein Shirt aber noch keine Tonträger der Truppe zu erwerben gab.

Die nun folgenden ITCHY POOPZKID sind trotz ihres immer noch albernen Namens musikalisch schon ein ganz anderes Kaliber. Mit ihrem Album „Heart to believe“ hat sich der Dreier aus dem Süden Deutschlands einen guten Namen in der Pop Punk Szene gemacht, die spielfreudigen Live Auftritte taten ein Übriges hinzu, so dass nun plötzlich vor der Stage reger Betrieb herrschte. Nicht gerade Massen an Leuten, aber doch so an die 150 meist sehr junge Gitarrenfreaks. Immerhin verleitete das die Poopzkids zu der Aussage, dieser Abend wäre besser als die letzten 3 davor zusammen. Sibbi, Dani und Tobi entfachen zu dritt ein präzises und heftiges Klanggewitter, was insbesondere bei dem Bewegungsdrang beachtlich zu nennen ist. Man erinnert teilweise deutlich an GREEN DAY, während Dani wie Bela B.s Sohn daherkommt. Mit witzigen Sprüchen hatte man die Fanschar schnell im Griff, sogar ein erster kleiner Pogo Pit wurde gestartet. Wir hatten das Trio schon als Support der EMIL BULLS vor einem Jahr kennen gelernt und wurden auch dieses Mal nicht enttäuscht von Stücken der Marke „Say No“ oder dem geilen „Final Breakdown“. Auch neues Material der im Frühjahr 2007 erscheinenden nächsten Scheibe wurde präsentiert. Nach knapp 40 Minuten wurden die ITCHY POOPZKIDs sichtlich zufrieden mit standesgemäßem Beifall verabschiedet.

Die nun folgende Umbaupause zum Headliner währte etwas länger, jetzt kam auch das große Drumkit im Hintergrund zum Zuge. Ich habe DOG EAT DOG nun schon einige Male in all den Jahren gesehen, zuletzt beim Serengeti, und immer hat sich die Spielfreude der Truppe auf die Fans übertragen, die mittlerweile einer ganz anderen Generation angehören. Das neue Album „Walk with me“ knüpft nahtlos an die alten Zeiten an und war auch wirtschaftlich einigermaßen erfolgreich. Dennoch war das Kamp heute mit gut 150 Leuten doch vergleichsweise schwach besucht, wenn ich an Gigs in der Weberei oder dem Triebwerk denke. Macht nichts, die Anwesenden waren wild auf Party, Pogen und Herumspringen. Das musikalische Futter sollten der ewig lausbübische John Connor und seine 3 Mitmusiker (Basser Dave mit Godzilla Shirt, dazu der noch recht neue Klampfer rechts und das Drumtier Brandon) legen. Mit einer guten Mischung aus alten Knallern vom Schlage „Who’s the King“, „Expect the Unexpected“ oder dem Cover „More Beer“ (mit entsprechend feucht-fröhlicher Einlage) sowie neuen Titeln à la „Cannonball“ und dem fetten „Milf“ sorgte man für allerbeste Partystimmung. Unverkrampft sympathische Ansagen setzten dem Treiben noch die Krone auf, man hat wirklich das Gefühl, dass DOG EAT DOG ihren Musikstil lieben wie am allerersten Tag. Da durften natürlich auch einige Zugaben nicht fehlen: DER Überhit „No Fronts“, „Pull my Finger“ sowie die uralte Bandhymne (eben „Dog Eat Dog“) ließen den gelungenen Abend gegen Mitternacht perfekt ausklingen. Lediglich ein Stage Diver stürzte gegen Ende schmerzlich ab, was zu einer Unterbrechung des Songs und einem spaßigen Kommentar führte. Bis demnächst in OWL, ihr wilden Hunde…

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