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DONG OPEN AIR 2008

Ort: Neukirchen-Vluyn

Datum: 18.07.2008 - 19.07.2008

Das Dong Open Air ist ein kleines, aber feines Festival mitten im Nirgendwo von Nordrhein- Westfalen in der Nähe der von Duisburg unweit der niederländischen Grenze. Vor allem der lokalen Metalszene ist das Dong wegen seiner besonderen Atmosphäre bestens bekannt, denn es findet nicht auf einer Wiese sondern auf dem Gipfel eines künstlich errichteten Berges statt. Von dort hat man einen wunderschönen Ausblick auf die nahe liegenden Städte und mit ein bisschen Glück bekommt man einen brennenden Himmel zu sehen, wenn in Duisburg mal wieder der Hochofen für ein paar Minuten geöffnet wird. Dieses Jahr wollte das Wetter nur leider nicht so ganz mitspielen, so dass es immer wieder Schauer und am Samstag sogar kleinere Sturmböen gab, die eine Vielzahl der Pavillons umwarf. Dank der Zeltbühne tat dies der Qualität der Auftritte jedoch keinen Abbruch.

FREITAG

Aufgrund einer letzten Prüfung an der Uni und einer doch eher umständlichen Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln (dem kann man wirklich nur abraten) begann das Dong Open Air mit den Norddeutschen MODER. Der Name beschwört schon ein gewisses Augenzwinkern herauf, aber alt und modrig ging es hier gar nicht zu, eher knüppelhart und düster. So muss ein Auftakt sein.

CIVILIZATION ONE zeigten, dass Metal verbindet, denn so eine multikulturelle Band hat man in der Metalszene sicher selten gesehen. Mit Italien, Frankreich, Sri Lanka und Brasilien sind noch nicht mal die Metalländer schlechthin vertreten, aber dies tat der musikalischen Qualität keinen Abbruch. Leider bot man aber auch nichts weiter als soliden Power/ Heavy Metal der Marke „Tausendmal gehört“, wobei sich Sänger Chity mit großen Posen und viel Elan allerdings alle Mühe gab, das Publikum mitzureißen. Bei so vielen kulturellen Einflüssen könnte man sich aber trotzdem wünschen, diese auch in der Musik wieder zu finden.

Knüppelmetal schien aber doch besser anzukommen, denn während zuvor das Zelt grad mal halb gefüllt gewesen war, drängte sich bei GRIND INC. nun eine headbangende und moshende Menge. Ob „jede Hirschkuh feucht wird, wenn Chris losröhrt“ (O-Ton Dong Open Air Bandbeschreibung) blieb hier zwar unbeantwortet, aber der werte Herr ließ einem doch in der Tat das ein oder andere Nackenhaar senkrecht stehen mit seinem markerschütternden Organ. Auch ansonsten gab’s technisch versierten Death Metal zu hören, so gehört sich das, um für die Headliner aufgewärmt zu werden.

SUIDAKRA bekommt man hier in der Gegend mehr als genug zu sehen, nicht nur, weil die Mannen in und um Düsseldorf beheimatet sind, sondern auch, weil sie immer wieder gern auf Festivals einspringen, wie auch im Fall des Dongs, wo sie die erneut abgesprungen PRIMORDIAL ersetzen durften. Ihrer Rolle als Ersatz wurde das Quartett auch allemal gerecht und auch bei den Fans schien sich keine Übersättigung einzustellen, im Gegenteil, es wurde mächtig gefeiert. Als besondere Überraschung hatte man Dudelsackspieler Axel dabei, der die Band tatkräftig bei „Forth Clyde“ und „Dead Man’s Reel“ unterstützte. Einen ganz besonderen Scherz ließ man sich auch vor letztgenanntem Song einfallen: In Anlehnung an ihr unfreiwilliges Akustikset (Stromausfall wegen Sturm) bei ihrem letzten Auftritt 2004 ließ man diesmal mit voller Absicht den Strom ausschalten – an den verdutzten Gesichtern einiger Fans konnte man schon die erste Verzweiflung sehen – nur um dann mit einem großen Grinsen ihren besagten Dudelsackspieler auf die Bühne zu holen und freiwillig akustisch weiterzumachen. Gag gelungen!

Letztes Jahr hatte ich noch mit einem Bekannten eine angeregte Diskussion darüber, ob die Fans das Zelt einrennen würden, wenn DARK TRANQUILITY hier auf der Bühne ständen. Und was für ein Zufall (!), dieses Jahr hatten wir tatsächlich die Möglichkeit, unsere These zu überprüfen. Ganz so tumultartig wie erwartet ging es nicht zu (ausverkauft ist ausverkauft, die Kapazitäten werden ja auch nicht größer), aber das Stimmungsbarometer erreichte hier ohne Zweifel seinen Höhepunkt. Auch das Quintett um den charismatischen Frontmann Mikael Stanne zeigte sich in bester Laune und mit viel Elan und Spielfreude, doch vor allem Mikael stach immer wieder heraus, indem er etliche Fanhände schüttelte und Mal um Mal ein Bad in der Menge nahm. Einmal sah es sogar so aus, als wolle er stagediven, doch schien ihn Bandkollege Martin, welcher zwischen den Songs immer wieder tiefe Schlucke aus der Bierflasche nahm, dann doch in letzter Sekunde davon abzuhalten. Songmäßig gab es keine großen Überraschungen, die üblichen Verdächtigen wie „Terminus“, „The Treason Wall“, „Wonders At Your Feet“ und „Punish My Heaven“ zu hören. Ein paar ältere Stücke hätte ich mir gewünscht („The Sun-Fired Blanks“), aber bei dem Hammerauftritt blieben eigentlich keine Wünsche übrig, die Schweden stampften wirklich alles mit ihrer super Stimmung in Grund und Boden. Da frag ich mich doch immer wieder, warum In FLAMES die größere der beiden Bands geworden sind!

Samstag

GRAILKNIGHTS, das ist keine normale Band. Denn bei den Gralrittern stehen keine normalen Musiker auf der Bühne, sondern Superhelden in Spandex und Gummistiefeln, mit Umhängen und Kriegsbemalung. Auch spielen diese Superhelden mit Namen wie MacDeath oder Lord Lightbringer nicht einfach einen Gig, nein, sie veranstalten eine komplette Geschichte, bei denen sie – wie könnte es auch anders sein – ihren Gral zurückerobern müssen. Dabei müssen sie z.B. Urks den Drachen, Dr. Skull und Morph The Swarf bekämpfen, die als lebende Requisite immer wieder die Bühne betreten. Dazu gibt es als musikalische Untermalung eingängigen Death bis Power Metal mit meist hymnenartigen Refrains, die den Battle Choir (so werden die Fans genannt) nur allzu sehr zum Mitsingen anregte. Das macht Laune am frühen Morgen!

Wieder einmal zeigt sich, dass beim Dong nicht nur auf der Bühne die Musik spielt, sondern auch ganz besonders auf dem Zeltplatz, denn COMMANDER mußten sich mit einem doch recht überschaubarem Publikum zufrieden geben. Das schien den Vierer aber nicht von einer beherzten Show abzuhalten, während derer man sich mehr als einmal glücklich zeigte, „auf der geilsten Location“ (O-Ton Sänger) spielen zu dürfen. Ihr knüppelharter Death mit Thrash- Schlagseite kam auch bei den Anwesenden gut an, da wird sich die weite Anreise aus Bayern doch gelohnt haben.

Neben den gängigen Metalgenres holt man sich jedes Jahr auch immer eine Band, die über den Tellerrand des üblichen Death/ Thrash/ Folk/ Power Metal Eintopfs schaut. Diesmal ging die Ehre an ROCKETCHIEF, die sich ihren Bandnamen allzu wörtlich nahmen und in der Tat abgingen wie Schmitz Katze. Rock ’n’ Roll ist bei Metallern nicht verpönt und so füllte sich das Zelt zusehends mehr. Sänger Freddy kommentierte natürlich, dass man sonst eher selten vor Metallern spiele, und forderte die Menge auf, doch „mal richtig Metal“ zu sein. Klar, dass dies nur mit einem Meer aus Pommesgabeln beantwortet wurde!

Seit ihrem Gewinn des Wacken Metalbattle haben sich DRONE in Vorprogramm von NORTHER und OVERKILL munter durch Europa gespielt und machten nun auch auf dem Dongberg halt. Zwar mögen Mutz’ prollige Sprüche nicht jedermanns Sache sein, doch auf den Putz hauen kann der Vierer allemal. Man ging sogar soweit, „SABATON an Prollfaktor überbieten zu wollen (MANOWAR auch)“ und da befand man sich auf dem besten Weg. Immerhin gab es aber musikalisch fetten Thrash, der begeisterte, auch wenn ein Großteil des Publikums diese Meinung nicht so ganz zu teilen schien.

Mit Spannung hatte ich NOHELLIA, die einzige schwarz angehauchte Formation des Billings, erwartet. Optisch wie auch musikalisch schienen die Franzosen CRADLE OF FILTH nacheifern zu wollen, doch vor allem auf der musikalischen Seite präsentierte man hier viel Lärm um nichts: Viel Geschredder, viel Gekreische, dicke Keyboards, doch irgendwie passte hier nichts recht zusammen (was z.T. auch am schlechten Sound gelegen haben wird). Die gruselig aussehende Backgroundsängerin, die ähnlich wie bei den britischen Vorbildern „sopranähnlichen“ Gesang beisteuert, schien vor lauter Anstrengung fast umzukippen, wohingegen Sänger Valestro mittels Nachahmung Dani Filth seine Ehre erweisen zu wollen schien. Ganz nett, aber das geht sicher besser!

Nach den doch recht folklastigen Bands der Vergangenheit stammten dieses Jahr lediglich HOLLENTHON aus dieser Ecke. Ein bisschen mehr hätte ich mir von den Österreichern, die nach siebenjähriger Flaute dieses Jahr nun wieder ein neues Album am Start haben, schon erhofft, doch irgendwie verlief der Auftritt musikalisch recht trocken. Immerhin gab’s eine super Performance mit reichlich Spielfreude und Mattenschütteln zu sehen, um die Band aber komplett schätzen zu können, muss man wohl besser mit deren Material vertraut sein.

SADIST legten laut Bekanntenaussagen noch einen Hammergig hin und SABATON sind ja sowieso Geschmackssache, doch für mich endete das Dong 2008 hier bereits, da ich nach einer schlaflosen Nacht (dank Stadionhupe – den Idioten hätte ich gern in die Finger gekriegt) und der schlechten Verkehrsanbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln doch lieber die Möglichkeit ergriff, per Auto mitgenommen zu werden. Im Vergleich zu 2007 konnte die Bandauswahl dieses Jahr nicht einmal annähernd mithalten, doch DARK TRANQUILITY entschädigten sowohl dafür als auch für das stellenweise ziemlich schmuddelige Wetter. Doch Billing hin oder her, auch 2009 werden sicher wieder 1500 treue Fans den Dongberg erklimmen, denn nicht nur die Bandauswahl macht dieses Festival so liebenswert, sondern die einzigartige Atmosphäre.

Copyright Fotos: Juliane John

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