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DONOTS – FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS – ITCHY POOPZKID

Ort: Münster – Halle Münsterland

Datum: 15.12.2012

Zum dritten Mal hatten die DONOTS zum Grand Münster Slam in die Halle Münsterland geladen und rund 2.000 überwiegend jüngere Fans waren gekommen, um mit den Jungs zu feiern, die aus der nahen Bergbaustadt Ibbenbüren „Rockcity Ibbtown“ gemacht haben. Natürlich hatten sich Ingo und Guido Knollmann, Alex Siedenbiedel, Eike Herwig und Jan-Dirk Poggemann auch in diesem Jahr wieder Gäste eingeladen und so durfte sich das Partyvolk zusätzlich zu den DONOTS noch auch den wunderbaren FRANK TURNER und seine SLEEPING SOULS sowie die drei Herrschaften von ITCHY POOPZKID freuen.

Wie das große Backdrop im Hintergrund der Stage bereits ankündigte, hatten die drei Punkrocker aus Eislingen an der Fils die Aufgabe, den Abend zur vergleichsweise frühen Stunde zu eröffnen, denn bereits um 19.00 Uhr begrüßte Ingo Donot das Auditorium und ließ die Anwesenden wissen, dass ITCHY POOPZKID Ende Januar ihr fünftes Studioalbum „Ports & Chords“ veröffentlichen würden, bevor ein Intro das Trio auch musikalisch ankündigte. Mit „Why Still Bother“ vom letztjährigen „Lights Out London“ legten die Opener einen schwungvollen Start hin und durften sich über ein Publikum freuen, das vom ersten Moment an ordentlich mitging und sich am Ende des Songs sogar textsicher und lautstark zeigte. Von westfälischer Zurückhaltung war auch bei „Lyrically Happy“ nichts zu spüren. Stattdessen wurden kollektiv Arme gereckt und kräftig mitgeklatscht – Münster war ganz offensichtlich in bester Partylaune. Da ließ sich auch Sänger Sibbi nicht lumpen und nahm auf einem Gitarrenkoffer stehend ein Bad in der Menge, trotzdem er durch eine Magen-Darm-Grippe gesundheitlich nicht eben auf der Höhe war. Davon war jedoch weder bei der Vollgas-Nummer „The Living“ (2009 auf „Dead Serious“ erschienen) noch beim rhythmusbetonten, druckvollen „Say No“ etwas zu spüren. Nach eigenem Bekunden haben ITCHY POOPZKID das in Bein und Ohr gehende „Down Down Down“ bereits in jeder deutschen Stadt gespielt und verbanden den Münsteraner Vortrag mit der Aufforderung an die Zuschauer, mitzupfeifen. Es kam wie es kommen musste: es hörte sich eher erbärmlich an, doch die Westfalen konnten beim Singen und Springen wieder Boden gut machen. Für das abgefeierte RUN-DMC-Cover „It’s Tricky“ holten sich die seit 2001 unter der Firmierung ITCHY POOPZKID agierenden Schwaben Verstärkung aus den DONOTS-Reihen an die Langäxte, damit sich Sibbi und Panzer voll auf den Gesang konzentrieren konnten, um beim finalen „The Enemy“ wieder in Soll-Stärke zu agieren. Nach einer guten halben Stunde beendete der Dreier seinen letzten Gig für 2012, kündigte jedoch schon einmal an, im März und April 2013 wieder durch die Republik zu touren.

Setlist ITCHY POOPZKID
Why Still Bother
Lyrically Happy
The Living
Say No
Down Down Down
It’s Tricky (RUN-DMC-Cover)
The Enemy

Kurz vor 20.00 Uhr war es erneut an Ingo Knollmann, den nächsten Act vorzustellen, den er sofort zur nächsten Queen wählen würde, wenn dies denn möglich wäre. Mit FRANK TURNER verbindet die DONOTS nicht nur der Song „So Long“, zu dem in London auch ein Video gedreht wurde, sondern eine Freundschaft, weshalb es Herrn Knollmann eine besondere Freunde war, den britischen Musiker anzukündigen, der gemeinsam mit seiner Band THE SLEEPING SOULS zum zweiten Mal in der Stadt des Westfälischen Friedens war. Der erste Gig fand ganz in der Nähe in der Sputnikhalle vor deutlich kleinerem Publikum statt; nicht nur bei dieser Gelegenheit hatte sich der charismatische Sänger mit der Reibeisenstimme bereits in die Herzen seiner Zuhörer gesungen, sodass auch hier von der ersten Minute an keine Berührungsängste bestanden. Beim eröffnenden „If Ever I Stray“ agierte Turner zunächst allein mit seiner akustischen Wanderklampfe, ehe sich seine vierköpfige Band an ihre Arbeitsplätze für die kommenden 45 Minuten gesellte und man mit „The Road“ vom 2009er „Poetry of The Dead“ knackig nachlegte. Franks Sprachkenntnisse erlaubten ihm, sich auf Deutsch mit seinem Auditorium zu unterhalten und so ließ er die Zuschauerschaft wissen, dass „Peggy Sang The Blues“ vom Whiskytrinken mit seiner Oma handelte und „Reasons Not To Be An Idiot“ von seiner bescheuerten Ex. Nicht nur bei diesen eingängigen Folkrock-Punk-Songs gingen die Münsteraner gut mit, auch „Glory Halleluja“ wurde ausgiebig abgefeiert, bevor es mit „Wessex Boy“ eine Spur ruhiger in der großen Halle Münsterland zuging. Hier hatten die Anwesenden zu Pianoklängen einen Singalong-Part, den sie bestens bewältigten, um im Anschluss bei „Four Simple Words“ als Tänzer gefragt zu sein. Ingo sollte ja angeblich gesagt haben, die Münsteraner seien miserable Tänzer, was sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen konnten und so ging es nach einem langsamen Start vor und auf der Bühne erneut in die Vollen. „Try This At Home“ schloss sich nahtlos an und auch das fette „I Still Believe“, bei dem der Gitarrenroadie zur Mundharmonika griff, ließ keine Wünsche offen. Am Ende legte Frank sein Instrument zur Seite, stellte seine Mitstreiter vor und machte sich noch einmal ein Bild von den Sangeskünsten seiner Fans, die zudem die Aufgabe bekamen, sich hinzusetzen, um natürlich auf ein Zeichen wieder aufzuspringen. Wie nicht anders zu erwarten, fraßen die Westfalen dem Wahl-Londoner aus der Hand, einzig eine Zugabe wurde ihnen trotz vehementer Rufe nicht gewährt.

Setlist FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS
If Ever I Stray
The Road
Peggy Sang The Blues
Reasons Not To Be An Idiot
Glory Hallelujah
Wessex Boy
Four Simple Words
Try This At Home
I Still Believe
?

Die Zeit saß den Verantwortlichen vermutlich zu sehr im Nacken und für die DONOTS-Show standen noch einige Vorbereitungen an, die damit einhergingen, dass die Stage um 21.10 Uhr von einem weißen Vorhang verhüllt war, während zunächst ein Western-Intro erklang, zu dem ein DONOTS-T-Shirt vor dem Vorhang hochgezogen wurde (übrigens keine schlechte Marketing-Strategie, wenn man auf sein Merch hinweisen möchte) und die Herren Donots im Anschluss ihr „Solid Gold“ zunächst im Off hinter dem orangefarben beleuchteten Sichtschutz performten. Dann fiel das weiße Tuch und die Jungs nutzen die Bühne erstmals an diesem Abend in ihrer gesamten Größe. „Calling“ gab sogleich Vollgas – das Publikum ebenfalls und auch beim folgenden „Pick Up The Pieces“ fackelte man nicht lange. Illuminiert wurde das Ganze mit farbigen Lichtern, die sich oberhalb der Stage über die gesamte Bühnentiefe zogen und für viele Farbakzente sorgten. Fronter Ingo übernahm ein weiteres Mal die Begrüßung, freute sich darüber, dass der Grand Münster Slam erneut gewachsen war, man die größte Show ever feiern durfte und gab noch eine kleine Gebrauchsanweisung für den Abend zu Protokoll, die von den Fans mit einem „Eye Eye, Captain“ quittiert wurde. Wesentlicher Punkt war wohl die Ansage, dass diejenigen, die nicht tanzen, am Ende aufräumen müssen und so wurde auch das gemeinsam von Guido und Ingo vorgetragene „You Got It“ ausgiebig zelebriert, während die beiden Brüder auf beleuchteten Kästen am Bühnenrand standen und ihren Gesangspart zum Besten gaben. Der Titeltrack „Wake The Dogs“ ihrer neunten Studiolangrille, die im April in die Plattenläden gekommen und bis auf Position 6 der Charts geklettert ist, wurde derweil genutzt, um den Boden für SILBERMOND zu ebnen, denn selbige spielten am darauffolgenden Sonntag an gleicher Stelle und so war „Springen für Steffie“ angesagt, was umfassend getan wurde. Mit „To Hell With Love“ ging es weiter in die Vollen, bevor beim hymnischen „Come Away With Me“ des AREA 4 gedacht wurde, das seit 2007 im benachbarten Lüdinghausen stattfand und leider in diesem Jahr zu Grabe getragen werden musste. Sehr zum Bedauern der DONOTS, vieler Zuschauer und auch ich persönlich finde es sehr schade, dass es in 2013 keine Fortsetzung des Festivals geben wird. Doch zum Trübsal blasen war dieser Abend nicht geeignet, denn schon stand mit dem sphärisch beginnenden „Hello Knife“ der nächste Kracher an, der unter Lichtgewittern absolviert wurde, während das Backdrop mit den beiden Fäusten verschwand und stattdessen das „Wake-The-Dogs“-Albumcover im Hintergrund erschien. Zackig schloss sich „High And Dry“ an, dem mit Vollgas „Saccharine Smile“ folgte. Für „Today“ hatten sich die Wahl-Münsteraner etwas besonderes einfallen lassen, hatte man doch als „Fundstück der Woche“ backstage noch einige Requisiten von DEICHKIND gefunden, die am 27.11.2012 in der Halle Münsterland gespielt haben. Auf dem Programm stand eine Aktion, die COLDPLAY vor Neid hätte erblassen lassen, denn was sind schon deren funkgesteuerten leuchtende Armbänder gegen die Knicklichter, die es in Münster regnete? Die optische Wirkung war auf jeden Fall großartig, insbesondere als sich alle hinsetzten und auf Anweisung die Stäbe nach vorn geworfen wurden. Zwar musste danach mehrfach die Bühne gefegt werden, aber diese Zeit konnte ja mit dem gemeinsamen Singen von Weihnachtsliedern überbrückt werden, wozu Alex angestiftet hatte und was mit „Kling Glöckchen“ im SCOOTER-Hyper-Hyper-Groove endete. Nach diesem kurzen Ausflug in traditionelles Liedgut war mit „Outshine The World“ alter Punk-Pop aus dem Jahre 1999 angesagt und auch mit „We Got The Noise“ vom gleichnamigen Longplayer aus 2004 stand ähnliches Material aus der 18-jährigen Geschichte der DONOTS auf dem Zettel. Blaues Licht und ausgiebiges Klatschen begleiteten derweil „You’re So Yesterday“, bevor ein Cover für lautes Gegröle sorgte. Den „Schunder Song“ der ÄRZTE dürfte so ziemlich jeder der Anwesenden mitgesungen haben; die Nummer bietet sich aber auch einfach an, um den Nachbarn mal so richtig anzuschreien… So in Stimmung gebracht, stand auch dem riesigen Circle Pit nichts mehr im Weg, der zu „Control“ rund um den FoH veranstaltet wurde, während riesige schwarze Luftballons über die Crowd schwebten. Dank „Changes“ wurde es ein bisschen kuscheliger, ehe „Stop The Clocks“ vom 2008er „Coma Chameleon“ erneut zum Mitsingen animierte. Die DONOTS-Hymne „Whatever Happened To The 80s“ wurde mit einem gewaltigen Moshpit und eines CINDY-LAUPER-Part abgefeiert, für den Bassmann Jan-Dirk Poggemann zuständig war, indem er „Time After Time“ zu Gehör brachte. Da SILBERMOND sich entschieden hatten, open air spielen zu wollen, musste noch dafür gesorgt werden, dass das Dach von der Halle verschwand, wofür man sich des blitzschnellen „Dead Man Walking“ bediente, das gleichzeitig um 22.45 Uhr das Ende des regulären Sets markierte.

Natürlich konnten die DONOTS den Grand Münster Slam nicht ohne einen Nachschlag enden lassen und nach ausgiebigen Zugaberufen, kräftigem Klatschen und „We’re Not Gonna Take It“-Gesängen kehrten die Herrschaften auch wieder auf die Stage zurück – obwohl so ganz richtig ist das nicht, denn Ingo Knollmann fand sich zu „Room With A View“ auf der Tribüne ein, um es „ein bisschen besinnlicher“ anzugehen. Von irgendwoher hörte man zusätzlich noch eine Akustikgitarre und erst zum TWISTED-SISTER-Cover „We’re Not Gonna Take It“, ohne das ein DONOTS-Konzert undenkbar ist, waren alle Beteiligten wieder auf der Bühne versammelt. Entsprechend wurde noch einmal lauthals mitgesungen, während Ingo auf Tuchfühlung mit den Fans ging und für „So Long“ FRANK TURNER ins Geschehen eingriff. Macht ja auch Sinn, dass der gemeinsam aufgenommene Song auch endlich mal gemeinsam live gespielt wird. Gewidmet war die grandiose Hymne übrigens dem im Sommer mit nur 41 Jahren viel zu früh verstorbenen NO-USE-FOR-A-NAME-Fronter Tony Sly und selbst als der Pyro-Regen verebbt war und die Band nicht mehr musizierte, grölten die Fans immer noch ihr „So Long“. Bevor mit „Good-Bye Routine“ endgültig Schluss war, ließ der Mann mit den diversen Kopfbedeckungen die Anwesenden noch wissen, dass es in 2013 keinen Grand Münster Slan geben werden, man aber noch überlegte, wie man einen Mini Münster Slam in der Gorilla Bar hinbekäme und stellte eine große Sause für 2014 in Aussicht, mit der die DONOTS ihren 20. Geburtstag feiern wollen, wofür es sogar schon die ersten 100 Tickets am Merchandise zu kaufen gab.

Es würde mich wundern, wenn diese 100 Karten nicht restlos abverkauft worden sind, auch wenn es noch zwei Jahre bis zum nächsten Grand Münster Slam sind. Mit den DONOTS ist einfach ein knackiger Konzertabend garantiert und man darf zudem sicher sein, dass sie sich zu ihrem Ehrentag wieder ebenso feine Gäste einladen, wie dies in diesem Jahr mit FRANK TURNER und ITCHY POOPZKID der Fall war. Bei dieser Gelegenheit noch einmal gute Besserung an Sibbi!

Setlist DONOTS
Intro
Solid Gold
Calling
You Got It
Pick Up The Pieces
Wake The Dogs
To Hell With Love
Come Away With Me
Hello Knife
High And Dry
Saccharine Smile
Today
Outshine The World
We Got The Noise
You’re So Yesterday
Schunder Song (ÄRZTE-Cover)
Control
Changes
Stop The Clocks
Whatever Happened To The 80s
Dead Man Walking

Room With A View
We’re Not Gonna Take It (TWISTED-SISTER-Cover)
So Long
Good-Bye Routine

Copyright Fotos: Holger Ebert

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