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DOPE STARS INC. – ENTWINE – JESUS ON EXTASY

Ort: Bielefeld - Falkendom

Datum: 26.05.2007

Während sich ein Großteil der Redaktion auf den Weg nach Leipzig gemacht hatte, schauten wir an diesem Samstagabend, was denn die Region für die daheimgebliebenen Schwarzkittel bereit hielt. Auch für die DOPE STARS INC. und ENTWINE steht das WGT am nächsten Tag auf dem Tourplan. Aber um einen Day-off zu vermeiden, machten sie zusammen mit den Dritten im Bunde JESUS ON EXTASY vorher noch Halt im Bielefelder Falkendom. Als wir uns der Location gegen 20.30 Uhr näherten, hatte das Showlaufen bereits begonnen, will sagen, auch daheim konnte man die ein oder andere optische Obskurität erblicken, so hatte sich manch blutjunges Cyber-Mädel, bei dem das Taschengeld wohl den WGT-Trip vereitelt hatte, schwer in Schale geschmissen.

Pünktlich um 21 Uhr ging es los mit JESUS ON EXTASY, Newcomer aus Essen, die mit ihrem Debüt „Holy Beauty“ bereits reichlich Aufmerksamkeit bekommen hatten und es auf Anhieb zu Szeneweihen wie einem Titelbild der ZILLO geschafft hatten. Vom ersten Takt an fuhr einem der Sound des Quartetts, die heuer noch einen Drummer im Gepäck hatten, mächtig in die Gedärme. Der Konserventeil um einiges dominanter als der live dargebotene Rest, ließen zunächst bei diesem treibenden Mix aus Elektro, Industial, Wave, Goth und Pop die Gesangsqualitäten von Fronter Dorian nur erahnen. Als dritten Song kündigte er den „Smash-Hit“ „Assassinate me“ an, auf dessen KMFDM-Remix man besonders stolz sei. Dabei konnte Dorian schon textsicheren Groupies in den ersten Reihen das Mikro anbieten. Diese forderten gleich im Anschluss „Zieh Dich aus!“, aber dieser Bitte wollte er nicht ohne Gegenleistung nachkommen und konterte mit dem NEGATIVE-Zitat „It’s time to see some tits“. Zu „Alone“ wurden sogar Wunderkerzen geschwungen, von denen sich Dorian gleich eine lasziv in den Mundwinkel steckte, um dem Gitarrensolo des Kollegen Chai zu lauschen. Bei „Holy Beauty“ ist dem Fronter dann endlich warm genug, sich des Oberteils zu entledigen, nebenbei lässt er die Hand in der Hose verschwinden – wenn das nicht Stoff für feuchte Mädchenfantasien ist… Das Set neigt sich nach gut 35 Minuten Spielzeit dem Ende zu und zur Noise-Attacke „Neochrome“ lässt Keyboarderin Ophelia ihre wilde Haarmähne frei, während Dorian sich die restlichen Wasservorräte in Haar und Hose gießt. Gut gebrüllt Löwe, kann man wohl sagen, der Entertainmentfaktor überwog hier für meinen Geschmack die rein musikalische Darbietung (eine Aussage, für die ich bei mindestens 20 Teenies auf der Abschussliste stehe.) Abschließend sei noch erwähnt, dass JESUS ON EXTASY die üblichen Merch-Artikel um eine weitere wichtige Komponente erweitert haben: Ein rosa Lätzchen mit Bandlogo.

Nach einer knappen Umbaupause betreten die Finnen ENTWINE die Bühne. Nun rahmen 3 Kerle an der Langaxt den schwedischen Sänger Mika ein, der zu weit besserem Sound als der Opener losrockt. Die Setlist der Goth-Rocker besteht im Wesentlichen aus den Highlights des 2004er Albums „DiEversity“ und des aktuellen Werks „Fatal design“. So folgt nach „Surrender“ „Chameleon Halo“, bei dem sich Mika auch als veritabler Shouter beweist. Zu „Someone to blame“ erklimmt er die Brüstung und so langsam drängen die moshenden Jungs die Mädels auf die hinteren Plätze. Erst zögerlich verbessert sich die Stimmung zusehends mit jedem Stück und zu „Frozen by the sun“ und „Break me“ wird auf der Bühne wie im Publikum gleichermaßen abgerockt. „Andere Leute behaupten, Rock ’n’ Roll und Politik gehören nicht zusammen, aber ich sage: I hate George W. Bush from the bottom of my heart“ lässt uns Mika in der Einleitung zu „Fatal design“ an seiner politischen Gesinnung teilhaben, ehe das reguläre Set mit „Losing the ground“ vom 2001 „Gone“ endet. Die Zugaben „Snow white suicide“ und „Curtained life“ gibt es dann auch hier mit nacktem Oberkörper dargeboten, doch die weiblichen Sympathien galten wohl vor allem Drummer Aki, wie mehrfache Zwischenrufe bewiesen. Am Schluss konnten Band wie Fans zufrieden sein und viele strömten erst einmal ins Freie, um dem akuten Sauerstoffmangel im Falkendom zu entkommen.

Kurz vor halb Zwölf war dann die Zeit für den Headliner gekommen, die Mädchen drängte es nun wieder in die erste Reihe, wohingegen sich so manch anderer offensichtlich schon für den Heimweg entschieden hatte. Der Falkendom hatte sich um diese Zeit schon mächtig geleert, als die DOPE STARS INC. mit „Beatcrusher“ ihren Part begannen und nun wieder stampfende Beats Einzug fanden. „Make a star“ und „Play ’n kill“ wurde von den Anwesenden entsprechend abgefeiert, wohl auch, weil sich auch die allesamt sehr androgynen Italiener nach und nach ihrer unnötigen Kleidungsstücke entledigten. „Lost“ markierte vielleicht so etwas wie eine kleine Verschnaufpause, ehe es mit „Teta Titanium“ und rhythmischem Mitklatschen wieder mit Volldampf weiterging. Ein kräftiges Gewitter läutete den nächsten Tag einm und auch wir entschlossen uns nach „Can you imagine“ angesichts der fortgeschrittenen Zeit und der kaum noch erträglichen Luftverhältnisse die Segel zu streichen, während die restlichen Fans noch einige weitere Titel auf die Ohren bekamen.

Für mich ein Konzertabend, bei dem zwei Bands fürs Auge eine Band fürs Ohr einrahmten, manch einer sah das ganz anders, egal wie – man konnte an diesem Abend auch außerhalb Leipzigs auf seine Kosten kommen…

Setlist JESUS ON EXTASY
Drowning
Nuclear Bitch
Assassinate me
Alone
Nowhere Girl
Holy Beauty
Neochrome

Setlist DOPE STARS INC. (ohne Gewähr!)
Beatcrusher
Bang your head
Rebel riot
Make a star
Play ‘n kill
Citizen XT99
Lost
Teta Titanium
Can you imagine
Self distructive corp.
Defcon 5
Joker

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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