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DORNENREICH – STORMNATT – HORNS OF HATTIN – MONDSTILLE

Ort: Wien - Szene Wien

Datum: 30.10.2009

Was könnte besser sein, als kurz vor Samhain eine schwarzmetallische Packung serviert zu bekommen? Vor allem, wenn es sich noch dazu um die Nachtreisen Tour von DORNENREICH handelt. Ort der Begierde: “Die Szene Wien“. Begleitet wurden die Tiroler von einem starken einheimischen Dreipack.

Den Anfang machten MONDSTILLE. Leider verpasste ich dank des Wiener Berufsverkehrs die ersten Takte. Zu Gute kam mir daher, dass sich die Beginnzeit um ca. 20 Minuten verschoben hatte. In der Hektik gleich die erste Überraschung. Statt wie oft zu Beginn eines Festivals üblich, laabten sich kaum mehr Leute an den Trinkständen. Daher musste ich mich durch einen fast komplett gefüllten Saal nach vorne robben. Der Grund liegt auf der Hand. MONDSTILLE genießen bereits auch außerhalb von Wien einen „Geheimtipp-Status“ und von den drei Support-Bands kommen sie stilistisch DORNENREICH am nächsten. MONDSTILLE praktizieren anspruchsvollen Ambient Black Metal, auch die Akustik kommt nicht zu kurz. Laut eigener Interpretation sind MONDSTILLE von DORNENREICH, NAGELFAR, LUNAR AURORA, ANOREXIA NERVOSA und EMPYRIUM inspiriert. Ein kurzweiliger Auftritt, der vom Publikum bedächtig belauscht und am Ende entsprechend mit Applaus honoriert wurde. Über die Hintergründe, warum der Auftritt von MONDSTILLE gewackelt hat – sowohl für Schlagzeug und Bass musste kurzfristig Ersatz gefunden werden – konnte ich nichts näheres in Erfahrung bringen. Trotz allem eine gelungen Session und ein Versprechen für die Zukunft. Speziell die Violinen Parts von Lundar haben mir imponiert.

Nach kurzen Umbauarbeiten kamen die HORNS OF HATTIN mit ihrem Extreme Epic Metal an die Reihe. Da einige Bandmitglieder bereits in Black Metal-Formationen tätig waren, sind Einflüsse aus diesem Bereich nicht zu leugnen. Lyrisch hat sich die Combo historischen Texten verschrieben. Der Bandname selbst bezieht sich auf die Kreuzritterschlacht bei Jerusalem im Jahre 1187. Trotz einiger soundtechnischer Probleme ein akzeptables Set von HORNS OF HATTIN. Vor allem Sänger Havres Heremita und Gitarrist Rex Vermum konnten überzeugen. Vor der letzten Zugabe wurde noch die Verabschiedung von Bassist Van Tempest bekanntgegeben. Damit ist die Band nicht nur auf der Suche nach einem neuen Plattenvertrag. Bei dem Potenzial welches die Band besitzt, sollte beides längerfristig kein Problem darstellen.

Jetzt war es an der Zeit für den letzten Support. STORMNATT, ein Quartett ebenfalls aus Wien musste als Einheizer fungieren. Dass sich die vier Jungs bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeitet haben, spürte man von Beginn an. Von den knapp 500 Gästen, die die Szene Wien füllten, gingen bereits ziemlich viele mit dem Live Act ab. Somit konnte man gleich zu Beginn des dritten Sets feststellen, dass der Veranstalter gut getimed hatte. Die vier Mannen gingen wie die Post ab. Mit Abstand die härteste Darbietung an diesem schwarzmetallischen Abend. Sänger Mord gibt eine sehr markante Erscheinung auf der Bühne ab. Und das nicht nur wegen dem blutrot gefärbten Gesicht. Man könnte fast glauben, der Beelzebub steht auf den Brettern. Erinnert mich ein wenig an A.A. Nemtheanga von Primordial. In allen Belangen spielt der Tod eine wichtige Rolle im Banddasein. Das wird auch so auf der Bühne vermittelt. Einen Song, der sofort ins Ohr geht, muss ich noch hervorheben: “The crimson sacrament”. Aber auch der Rest der Darbietung war absolut in Ordnung. Immerhin existiert STORMNATT seit neun Jahren und veröffentlichte bereits heuer inkl. einer EP den vierten Tonträger “The Crimson Sacrament“. Übrigens: Auf der My Spaceseite befindet sich bereits ein Video vom Konzertauftritt in der Szene.

Doch jetzt war die Zeit reif für die Band, wegen welcher der Großteil der Anwesenden gekommen war. Einleitend braucht man nichts über DORNENREICH berichten. Jeder weiß, dass hier großartige Ausnahmekünstler auf der Bühne stehen. Oft besteht die Gefahr, dass die Erwartungen zu groß sind oder gar eine gewisse Routine, sprich Stagnation einkehrt. Nicht so im Falle der Tiroler Urgesteine. Erstens einmal präsentieren sich DORNENREICH seit langer Zeit wieder in Metal-Besetzung und zweitens zeigt die Band genau diese Andacht und Präzision auf der Bühne, die sie schon immer von anderen Projekten unterschieden hat. Gen Anfang schnallte sich Eviga die Akustik Gitarre um, was aber nicht weniger Begeisterung beim Publikum hervorrief. “Drang” leitete den Gig ein, doch schon bald wurde die Akustik gegen die E-Gitarre ausgewechselt. Der Saal wurde zum Sieden gebracht. Ausschlaggebend dafür vor allem Titel von „Herr von welken Nächten“, wie “Eigenwach”, “Grell und dunkel strömt das Leben”, “Ich bin aus mir” und “Schwarz schaut tiefsten Lichterglanz”, aber auch “Lebend lechzend Herzgeflüster” oder “Der Hexe flammend” Blick. Das Zusammenspiel zwischen Eviga und Inve (Violine) war wie immer beeindruckend. DORNENREICH präsentieren Düsternis und Abgründe in unvergleichlicher Eleganz. Das Publikum dankt es bei den ruhigeren Songs mit Andacht und bei den härteren mit energetischen Bewegungen der Halswirbeln. Jeder wird in den Bann der “Nachtreisen“ gezogen. Die Zeit blieb leider nicht stehen. Das Finale bildeten unter anderem “Trauerbrandung” und “Wer hat Angst vor Einsamkeit”. Zu kurz war eindeutig der einheitliche Tenor der Besucher.

Fazit: DORNEREICH waren der absolute Höhepunkt einer gelungenen Veranstaltung kurz vor Samhain. Erwähnt sei noch, dass die Tiroler auch nach Jahren im Business, neben ihrer musikalisch professionellen Darbietungen weiterhin sehr sympathisch rüber kommen. Was will man mehr; die Location hat gepasst und die Werbetrommel wurde auch für die restlichen Bands gut gerührt. Somit schließt sich ein kurzweiliger Abend.

Copyright Fotos: Erich Wallner

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