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DORO – NULLDB

Ort: Nürnberg – Hirsch

Datum: 16.12.2013

Zurück in die Vergangenheit heißt es heute Abend kurz vor Weihnachten im Hirsch zu Nürnberg. Die größte Metal-Queen dieses Planeten – ach was der ganzen Galaxie – gibt sich zum 30-Jährigen Bühnenjubiläum die Ehre! DORO PESCH bedarf nach über 2.500 Konzerten wirklich keiner Vorstellung mehr. 50 Jahre zählt die zierliche Grande Dame des deutschen Heavy Metal im kommenden Jahr. Als Sängerin der „Underground“-Metal-Kombo WARLOCK erarbeitete sie sich auch solo seit Mitte der 1990er-Jahre den metallischen Thron an der Seite internationaler Genregrößen von U.D.O. über die SCORPIONS bis MOTÖRHEAD und produziert mit bewundernswerter Leidenschaft Heavy-Metal-Ohrwürmer am Fließband.

So treu wie DORO dem Klischee der schillernden, nietenbesetzten, blonden Rockröhre ist, sind ihr auch die Fans, die sich an diesem Abend pünktlich vor der Bühne tummeln und den Warm-Up Act des Abends auf fränkische Art und Weise herrlich stoisch ertragen. 20 Uhr an einem Montagabend: NULL DB freuen sich über eine ansehnliche Kuttenausstellung langhaariger Model-Metaller in den besten Jahren. Neue Deutsche Härte stilistisch geschickt kombiniert mit Nu-Metal-Elementen bescherte den vier Würzburger Jungs den Gewinn des „Deutschen Rock und Poppreises“ (Kategorie „Hard n Heavy“) in Friedrichshafen und damit schon vor Veröffentlichung ihres Debutalbums „Im Auge des Sturms“ vom Fleck weg höchste Aufmerksamkeit. Mit Auftritten im Vorprogramm von ALICE COOPER oder BETONTOD untermauerten sie ihren Status als vielversprechende Nachwuchs-Patrioten-Rocker und haben seit vergangenem Jahr mit „Endzeit“ weiteres deutsches Liedergut im schweren Gewand metallischer Knüppelkunst am Start. Doch ob das heute dem eingefleischten DORO-Fantiker schmecken mag, wagen hier einige im Publikum zu bezweifeln. Entsprechend verhalten fällt die Reaktion des fränkischer Old-School-Metallerie zu Stücken wie „Endzeit“, „Versuch es doch“ oder „Revolution“ aus, obwohl NULL DB mit brachialen Riffs und ehrlichen Texten überzeugen, die Sänger Frank Kühnlein authentisch intoniert. Doch irgendwie schleicht sich immer wieder ein Déjà-Vu-Gefühl ein, so als wäre diese oder jene Textzeile schon einmal in einem anderen Zusammenhang gefallen, oder war es doch das Riff, das so vertraut in den Ohren klingt? … mhm … Das JIMI HENDRIX Cover „Purple Haze“ schließlich ist verdammt sicher wohlbekannt und lässt manchen Fuß im Publikum mitwippen, bevor das Set nach 45 Minuten mit „Freiheit“ und „Revolution“ in den Punk abdriftet und unter den Anwesenden für geteilte metallische Meinung sorgt.

Setlist NULLDB
Tyrannei
Endzeit
Versuch es doch
Roter Regen
Kinder des Zorns (With „All We Are“)
Im Auge des Sturms
Purple Haze (JIMI HENDRIX Cover)
Freiheit
Revolution

Geteilte Meinungen gibt es bei DORO nicht! Alles wie immer, als der kleine metallische Wirbelwind gegen 21:15 die Bühne des Hirschen erobert: „Ihr seid Metal!“ – solche Lobes- aber natürlich auch die allseits bekannten Dankpreisungen prasseln auf die anwesende Fangemeinde nieder, die die Nähe zu ihrem Idol und die intime Atmosphäre des Hirschen sichtlich genießt. Wo sonst kommt man DORO so nah und darf die Hymnen teilweise höchst selbst ins Mikro … äh … kreischen? Kraftvoll katapultiert DORO die Fans zurück in die guten alten 80er, wirbelt und fetzt standesgemäß zu „Out Of Control“, als wären die Jahrzehnte spurlos an ihr vorbeigerauscht. Herzen wie Rosensträuße fliegen der zierlichen Blondine nur so zu. Die Fans feiern DORO – und irgendwie auch ein bisschen ihre eigene Jugend. In 30 Jahren DOROischen Rampensau-Daseins türmen sich Hit-Perlen wie bei anderen Künstlern vergessene Autogramm-Karten im Schrank. Und DORO packt sie alle aus – staubfrei, glasklar und mitreißend: „I Rule The Ruins“, „Rock Till Death“, „Fight For Rock“ … die Setlist strotzt nur so vor metallischem Festgesang und knallt von Höhepunkt zu Höhepunkt. Bei „Raise Your Fist“ vom 2012er Album schließlich kennt auch die Band kein Halten mehr. Bas Maas und Luca Princiotta batteln um die Wette und werden doch von Basser Nick Douglas übertönt. Um die Hünen herum wirbelt ebendiese kleine Metal-Lady über die Bühne, lässt die Haare fliegen und streckt die Fäuste gen Himmel. „Nürnberg, ich liebe Euch! Ihr seid die Besten!“ – das hört der Franke doch gern!

Aber DORO kann auch ruhige Töne und beweist einmal mehr ihr unglaubliches stimmliches Können: „Without You“ oder „Für Immer“ zaubern hochemotionale Momente und gehörig Gänsehaut – verträumte Blicke inklusive. Wie hieß der hübsche Feger auf der Abschlussfeier noch gleich? – Aber keine Zeit für längst vergangene Schwärmereien. Erdbebengleich naht der metallische Sturm und manifestiert sich in Form eines gewaltigen Drum Solos. Johnny Dee gibt alles und noch mehr, um die Stimmung zum nächsten Höhepunkt zu treiben. Spätestens jetzt grölen alle mit: „We Are The Metalheads“ und „All we are“ sorgen für Einigkeit und feierlichen DORO-Patriotismus. Mit „Metal Tango“, „Engel“, „Burn It Up“ und schließlich „It Still Hurts“ liefern sich Anhänger wie Rocklady noch einmal ein ansehnliches Karaoke-Battle, was die Kleine mit Leichtigkeit für sich entscheidet.

120 Minuten Hymnen „vom“ laufenden Meter – das macht so schnell niemand DORO nach. Zurück bleibt noch mehr Respekt vor der musikalischen Lebensleistung dieser Künstlerin, die mit so unglaublich viel Leidenschaft, Dynamik und Engagement ihren Traum lebt und dem harten, metallischen Kosmos eine große Portion Liebe einhaucht. Was wäre Metal ohne DORO?

Sound: Ui! Fett! Respekt!
Publikum: Der wahre DORO-Fan ist pünktlich, pflichtbewusst, geduldig, euphorisch, zuvorkommend… und trägt ein DORO-Fanshirt, auch wenn es nicht (mehr) passt!“
Vom Konzert gelernt: Metal ist kein Metall, sondern Liebe! Hach…

Setlist DORO
Out Of Control (WARLOCK)
I Rule The Ruins (WARLOCK)
Rock Till Death
Burning The Witches (WARLOCK)
Fight For Rock (WARLOCK)
The Night of the Warlock
Without You (WARLOCK)
Metal Racer (WARLOCK)
Raise Your Fist In The Air
Running From The Devil
True As Steel (WARLOCK)
Für Immer (WARLOCK)
Earthshaker Rock (WARLOCK)
Drum Solo (as part of Earthshaker Rock)
Wacken Hymne (We Are The Metalheads) (SKYLINE Cover)
Hellbound (WARLOCK)
Unholy Love
Revenge
All We Are (WARLOCK)
Metal Tango (WARLOCK)
Engel
Burn It Up
It Still Hurts

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