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DRÅM

Ort: Gütersloh - Wapelbad

Datum: 27.07.2008

Wenn man von Gütersloh aus in die Pampas fährt und die letzten Reihen von Neubauten hinter sich lässt, dann findet man am Ende eines Feldweges das Wapelbad. Seit den 20ern als Freibad im namensgebenden Bach genutzt, wurde der Badebetrieb aufgrund der schlechten Wasserqualität in den 60er Jahren eingestellt und das Gelände von nun an als sogenanntes Licht- und Luftbad genutzt. Eine große Liegewiese, Liegestühle, Beach-Volleyballfelder, Planschbecken und Kinderspielgeräte machen das Bad auch heute noch zu einem attraktiven Ausflugsziel. So schlagen die Gütersloher mit Hund und Herrchen, Kind und Kegel bei gutem Wetter gerne ihr Lager in Güterslohs grüner Laube auf, um Bier, Eis oder Bratwurst zu Chill-Out-Mucke auf der Picknickdecke zu genießen. Doch heute sollte noch ein Genuss hinzukommen. Im Rahmen der dreiteiligen Veranstaltungsreihe „Weltmusik im Wapelbad“ gesponsort von Sport- und Kulturamt der Stadt, sollte das schwedische Duo Anna Rynefors und Erik Ask-Upmark unter dem Namen DRÅM (sprich: Drohm) heimische Folkklängen darbieten. Und so nahmen gegen 16.30 Uhr zahlreiche Jungsenioren auf den Bierbänken vor der kleinen Wapelbad-Bühne Platz, derweil das jüngere Volk der Musik von Decken und Liegestühlen aus lauschten (so sei fürs Protokoll auch notiert, dass dies das erste Konzert war, dass ich in Badeklamotten verfolgte).

Anna Rynefors und Erik Ask-Upmark sind echte Vollblutmusiker und erhielten in ihrer Heimat die Auszeichnung als „Riksspelman“, was in etwa bedeutet: „meisterlicher Instrumentalist auf einem Instrument, das in der traditionellen schwedischen Musik verwurzelt ist“. Und so ging es auch mit Nyckelharpa (was Erik mit „Schlüsselharfe“ übersetzte) und Harfe los. Dargeboten wurden zahlreiche Polskas, eine schwedische Liedform, die nichts mit der Polka gemein hat. Nach einem sehr ruhigen Einstand begrüßte Erik die Zuhörer auf Deutsch und wusste auch zwischen den Stücken mit putzigen Ansagen zu unterhalten. Ihr Antrieb sei, so ließ er das Publikum gleich zu Anfang wissen, den Deutschen zu zeigen, dass Schweden mehr als den Soundtrack zu Mamma Mia zu bieten hätte. Nach einem alten Liebeslied und einer Polska aus Smorland kamen nun für eine Hüttenweise der Schwedische Dudelsack und die Sackpfeife zum Einsatz. Doch Nyckelharpe und Harfe sollten das restliche Set dominieren. Die einzelnen Stücke hören auf drollige Titel wie „Trilltrall“ oder „Valltrall“ und sind auch auf ihrer 2006 erschienenen CD zu finden, die es nach etwa 40 Minuten während einer kurzen Pause zu erwerben gab.

Im zweiten Teil der Darbietung wusste Erik von einer Polska zu berichten, die über die Jahre immer langsamer und langsamer gespielt würde. Ein Freund hätte ausgerechnet, dass im Jahre 2030 ein so langsames Tempo erreicht sei, dass sie nicht mehr spielbar wäre und so bekamen wir sie heute noch mal zu Gehör. Auch ging er nochmals auf die Nyckelharpa ein, von deren 16 Saiten nur 3 bespielt werden, während die restlichen nur Resonanzzwecken dienen. Das Instrument war zwischendurch fast ausgestorben und wurde nur noch vereinzelt gebaut, während es sich mittlerweile wieder großer Beliebtheit erfreut und – wie Erik flachste – bald wohl auch als Bausatz bei Ikea zu erwerben sei. Eine Ausnahme zum rein instrumentalen Set bildete ein Stück mit Eriks Stimmeinsatz, ehe man mit weiteren Polskas (der Begriff wurde zum Running-Gag) einen Schlusspunkt setzte. Doch das Publikum wollte gerne noch mehr hören und so gab es als Zugaben noch 2 (natürlich) Polskas.

Eine charmante und technisch sehr versierte Darbietung, die zum Relaxen und Träumen einlud und der man in einem ruhigeren Rahmen sicherlich noch mehr konzentrierte Aufmerksamkeit hätte schenken können. So auf jeden Fall ein schönes Konzert für einen wunderbaren Sommernachmittag, das von allen Zuhörern mit herzlichem Applaus bedacht wurde. Der mitgereiste Fotograph nutzte natürlich noch die Möglichkeit zum anschließenden Plausch, um sich mit den Schweden über die Durchlässigkeit der verschiedenen Szenen auszutauschen. Anna und Erik, die auch Mitglieder des Mittelalterensembles FALSBORDONE sind, zog es denn auch nach ihrem Auftritt nach Bielefeld zur Sparrenburg, um dort noch gemeinsam mit den befreundeten deutschen Kollegen von CULTUS FEROX zu feiern.

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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