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DREDG – FRAMING HANLEY

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 08.06.2011

“DREDG – Die haben wohl ihren Zenith überschritten” – So eine nicht näher genannte Dame im Bielefelder Ringlokschuppen angesichts der doch recht überschaubaren Zuschauermenge. Und tatsächlich: Knapp 500 Menschen füllten den kleineren Saal nur leidlich, da hätte ich auf mindestens doppelt so viele Besucher getippt. Ob es an der relativen Nähe zum Aufritt in Dortmund vor ein paar Tagen lag oder dem eher mäßig aufgenommenen neuen Album „Chuckles and Mr. Squeezy“, kann man nur vermuten. Dennoch freute ich mich auf den Auftritt der Rockband aus der Bay Area, die ich zuletzt vor ein paar Jahren auf dem Area 4 bewundern durfte.

Zunächst einmal war aber noch ein Opener an der Reihe namens FRAMING HANLEY (im Dortmunder FZW waren es noch die wunderbaren AMPLIFIER), eine Formation aus dem berühmten Nashville, Tennessee, die hierzulande noch relativ unbekannt sein dürfte. Dennoch wagten sich die Zuschauer ein wenig aus der Deckung und sorgten so für eine angemessene Kulisse, als der Ami 5er mit seinem ca. 35 minütigen Set durchstartete. Die Herren um den noch sehr jungen Sänger Kenneth Nixon kannten keine große Scheu und präsentierten Songs ihrer beiden Alben „The Moment“/ „A Promise To Burn“, die als Rock mit leichten Ausflügen in den Emo-Bereich durchgingen. Kenneth, zunächst mit Kapuze über dem Kopf, agierte sicher und dynamisch, die Gitarren der Axt-Fraktion wurden ein ums andere Mal durch die Luft gewirbelt und ab und zu wurde der Klangkosmos um härtere Shouts erweitert. So weit so unterhaltsam so recht passend zur Hauptband. In der ersten Reihe präsentierte eine junge Dame ein Schild, mit der sie die Hanleys zu einer „weiteren Party“ aufforderte, was dahinter steckte, kann hier nur vermutet werden… Insgesamt jedenfalls eine durchaus unterhaltsame Darbietung, die ihren Höhepunkt in dem bekanntesten Band-Track namens „Hear Me Now“ fand. Noch mehr eigene Identität und aus der Truppe kann noch was werden.

Setlist FRAMING HANLEY
Home
Built For Sin
It’s Not What They Said
Fool With
Livin‘ So Divine
You Stupid Girl
Count Me In
Hear Me Now

Danach gab es eine etwas längere Umbaupause, in welcher die Geräte penibel auf den Hauptact eingestellt wurden. Bekanntermaßen handelt es sich bei DREDG um Perfektionisten und das sollte auch an diesem Abend wieder ohrenscheinlich werden. Das normalerweise als Quartett agierende Outfit wurde bei einigen Songs (insbesondere den Neueren) von Ben Flanagan (TROPHY FIRE) in Punkto Gitarre/ Gesang unterstützt, was dem Sound noch etwas mehr Tiefe verlieh. Nicht dass Gavin Hayes und Co. dies unbedingt nötig hätten, die auch in den restlichen Tracks einen breitwandigen Prog Rock Sound vom allerfeinsten zelebrierten. Der Sänger ist zwar nicht gerade der Entertainer vor dem Herren und „glänzte“ zwischen den Stücken eher mit unbeholfenen Ansagen, dafür aber holte er bei den emotionalen Kompositionen alles aus seinem Körper. Er durchlebt jeden Titel, leidet, schwitzt, kehrt sein Innerstes nach außen – und das alles mit perfekter Stimme! Dazu ist mit Schlagwerker Dino Campanella ein echtes „Tier“ im Line Up, das mit einer Härte und Präzision die Felle bearbeitet, wie man es nur sehr selten erlebt im Rock Business. Zudem sind die Herren allesamt Multi-Instrumentalisten. Basser Drew bediente nebenbei noch einen vorprogrammierten Synthie und an einer Stelle im Set gar auch noch zusätzliches Schlagwerk, während Herr Hayes immer wieder gerne zur Gitarre griff, wenn er nicht kleine synthetische Effekte aus dem Kasten vor ihm zauberte. In diesem Kontext fielen auch die neuen Songs nicht „negativ“ auf, ganz im Gegenteil: Die poppig eingängige Single „The thought of losing you“ war gar ein gern gehörtes Highlight. Insgesamt stammten auch nur 4 Titel von der 2011er-Scheibe, die Setlist war perfekt auf die Bandhistorie abgestimmt und enthielt Exponate aller regulären Studiowerke. Besonders im Vordergrund das 2005er Meisterwerk „Catch Without Arms“ mit Über-Hits wie beispielsweise „Bug Eyes“, doch selbst das 1999er Debüt „Leitmotiv“ kam zum Zuge.

So eigenwillig wie der Sound der Amis dann auch der Abgang nach etwa 80 Minuten Bühnenzeit. Nach dem Spannung aufbauenden Instrumental „Down to the cellar“ erwartete man eigentlich noch mal eine Sound-Eruption, doch mir nichts dir nichts verschwanden die Herren und verweigerten eine Zugabe, die anscheinend im Band-Konzept keine Rolle spielt. Dennoch lässt sich nach dieser eindrucksvollen Performance eines festhalten: DREDG haben keineswegs ihren Zenith überschritten und werden mit wieder erdigeren Veröffentlichungen in der Zukunft weiterhin eine gewichte Rolle spielen. Hoffentlich dann wieder mit mehr interessierten Besuchern, wobei die Intimität dem Bielefelder Gig keineswegs schadete…

Setlist DREDG
Another tribe
Upon returning
Not that simple
Bug eyes
Information
Whoa is me
Movement V: 90 hour sleep
Light switch
Ode to the sun
Planting seeds
Down without a fight
Pariah
Of the room
The thought of losing you
Hungover on a Thursday
The canyon behind her
Down to the cellar

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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