Konzert Filter

DURAN DURAN – A SILENT EXPRESS

Ort: Dortmund - Westfalenhalle

Datum: 28.01.2012

Tiefer, eisiger Winter in Deutschland, aber der zweite Frühling für viele Bands, die bereits in den 80ern des letzten Jahrhunderts erfolgreich waren. So stellt sich der Anfang des noch jungen Jahres 2012 dar. DURAN DURAN, die vor knapp einem Vierteljahrhundert als BRAVO-Starschnitt die Zimmerwände so manchen Teenies zierten, profitieren momentan von der 80er-Revival-Welle und sind wieder – oder immer noch? – sehr gefragt. An diesem Abend wollten wir uns bei ihrem Gig in der Dortmunder Westfalen Halle von den Live-Qualitäten der alten Hasen des Showgeschäfts überzeugen. Gespannt, ob Simon Le Bon und Co. immer noch die Menschen in ihren Bann ziehen können oder doch eher der Zahn der Zeit an ihnen und ihrem Songmaterial genagt hat, betraten wir die Halle 2 der Lokalität. Wir waren froh, endlich im Warmen zu sein und machten auf der Bühne bereits vier junge Männer aus, die gerade mit ihrem Job als Anheizer begonnen hatten.

A SILENT EXPRESS sind eine sehr erfolgreiche Band aus unserem Nachbarland, den Niederlanden, deren Musik durch DURAN DURAN und SIMPLE MINDS inspiriert wurde. Das war gut für die Akzeptanz beim Publikum, denn der Applaus war mehr als nur Höflichkeits-inspiriert, die Holländer kamen gut an in Dortmund. Und auch vom Outfit konnte man eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Hauptact wahrnehmen, denn zwar um einiges jünger als diese, legten die Musiker doch offensichtlich großen Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild und wären vor ein paar Jahrzehnten sicher als sog. „Popper“ bezeichnet worden. Die Band besteht aus dem Frontmann Rik Annema (Gesang/ Gitarre), Sanne Meems (Schlagzeug) und den Brüdern Dirk Sander Kooistra (Bassgitarre)/ Henk Jan Kooistra (Tasteninstrumente). Im Gepäck hatten sie dabei das im Sommer 2011 erschienene Album „Now!“, von dem natürlich auch einige Stücke dargeboten wurden. Aber auch „Crocket‘s Theme“ aus der Kultserie „Miami Vice“ hatten die Jungs drauf. Vielleicht alles ein wenig belanglos, aber als Supportact für DURAN DURAN sicherlich ein guter Griff, denn der Applaus war ordentlich.

Es folgte wie üblich eine Umbaupause und kurz vor 21 Uhr betraten DURAN DURAN zu den ersten Klängen von „Before The Rain“ die Bühne. Inzwischen hatte sich die Halle mehr und mehr gefüllt – ausverkauft war sie allerdings nicht. Schätzungsweise 2000 Zuschauer, die zum größten Teil auch mit den Liedern der Band aufgewachsen waren, wollten einen kurzen Trip zurück in ihre Jugend machen. Ich fand es etwas mutig, ein Set mit einem so langsamen und getragenen Titel wie „Before The Rain“ zu beginnen, zumal Simon Le Bon auch sehr pathetisch und mit großen Gesten in seinem silbernen Jacket agierte. Das Tempo zog dann mit „Planet Earth“ etwas an und mit dem dritten Titel folgte auch schon einer der Klassiker „A View To A Kill“. Sehr passend dazu die beiden großen Leinwände im Hintergrund auf der – ganz in James Bond-Manier – Silhouetten gut gebauter Damen in Aktion mit Musikinstrumenten zu sehen waren. Diese Leinwände spielten während des ganzen Konzerts ein große Rolle und unterstrichen die jeweils gespielten Stücke hervorragend. Mal mit einem Sternenregen wie zu „Planet Earth“, dann wieder mit Blitzen zu „White Lines“, aber auch die Live-Tweeds der Fans wurden bei einem Song dort übertragen. Nach „A View To A Kill“ fiel die gesamte Technik aus und es musste ein Restart gemacht werden, das bot dem Frontman die Möglichkeit, ein wenig zu plaudern und mit dem Publikum zu scherzen. Simon zeigte sich den ganzen Abend über sehr Fan-nah. Ansonsten hatte man eher das Gefühl, dass das Programm zügig durchgezogen wurde. Zwar professionell, mit Charme und Können, aber doch zügig und ohne Umschweife. Dem Sänger merkte man seine Stimmbandprobleme aus dem letzten Jahr nicht mehr an, unterstützt wurde er von einer stimmgewaltigen Backgroundsängerin. Aber auch Nick Rhodes, John und Roger Taylor machten ihren Job außerordentlich gut – keine Spur von Alterserscheinungen. Auch was das Aussehen anbelangte, konnte man keine Kritik anbringen, alle hatten sich verdammt „gut gehalten“. So war es zumindest aus der Entfernung wahrzunehmen. Die Befürchtung, das Songmaterial hätte diverse Alterungserscheinungen, bewahrheitete sich ebenfalls nicht. Alt und neu wurden bunt und gut gemischt, Old School-Knaller wie „The Wild Boys“, „Reflex“ und „Hungry Like The Wolf“ aufgepeppt und neue Songs – zum größten Teil vom Silberling „All You Need Is Now“, der 2011 auf dem Markt gekommen war – fügten sich in das Gesamtbild.
Auch wenn DURAN DURAN sicher nicht mehr an ihre Erfolge in den 80ern anknüpfen können, der Lack ist noch lange nicht ab, ihr Platz im Pop-Olymp ist ihnen sicher. Und auch live sind sie die Reise und das Eintrittsgeld wert.

Setlist DURAN DURAN (ohne Gewähr)
Before The Rain
Planet Earth
A View To A Kill
All You Need Is Now
Too Bad Your So Beautiful
Reflex
Come Undone
Safe
Girl Panic
Tiger Tiger
White Lines
Careless Memories
Ordinary World
Hungry Like The Wolf
Sunrise
Wild Boys

Notorious
Rio

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu A SILENT EXPRESS auf terrorverlag.com

Mehr zu DURAN DURAN auf terrorverlag.com