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DYING FETUS – BENEATH THE MASSACRE – ORIGIN – REVOCATION (THRASH AND BURN)

Ort: Essen - Turock

Datum: 10.04.2010

DYING FETUS? BENEATH THE MASSACRE? ORIGIN? Nein, nicht im Geringsten. Das wirklich Spannende, Aufregende und Elektrisierende erhoffte ich mir weiß Gott nicht von den in der Hierarchie eigentlich höher Gestellten. So wirklich wollte ich in erster Linie eigentlich mehr etwas von den Relapse-Newcomern REVOCATION wissen. Ihr fragt warum? Gewiss lag das nicht unwesentlich an der Tatsache, dass REVOCATION im Gegensatz zu den anderen auf dem Programm stehenden Acts nach meinem Dafürhalten etwas zugänglicher, musikalisch durchdachter und deshalb schlichtweg more catchy sind. Zudem rechnete ich bei den anderen Bands mit dem üblichen Brutalismus unausgewogener Mischverhältnisse, und zwar jenen für den Extrem-Sektor in kleinen Clubs so typischen (ich formuliere es mal gelinde) “Trigger-fokussierten Breisound“: Gitarren im Hintergrund, wummernder undifferenzierter Bass und ein Schlagzeug, das wie ein computergenerierter Presslufthammer klingt. Meine Befürchtungen sollten sich zu größten Teilen leider bewahrheiten…

REVOCATION

So weit, so gut. Leider können die Jungspunde von REVOCATION, die in bestem schlichten “Thrash-Styling“ aufwarten, nicht ganz die Erwartungen der Fans, als auch die meinigen so zu 100% erfüllen, was schlicht und ergreifend an dem schlecht abgemixten Sound (Don’t worry, be happy? No! Warum können Vorbands in einem Extreme-Metal-Line-Up eigentlich nie einen ordentlichen Sound verpasst bekommen? Mir ist es ein Rätsel sondergleichen… vielleicht ist es ja eine finanzielle Frage und der entprechende Ton-Techniker macht das während seiner Aufwärmphase, oder sein noch ungeschulter Assistent inmitten seiner frühabendlichen Dauerpause mit einer Tasse Kaffee in der Hand…?) Der verspielte Death Thrash ist nichtsdestoweniger allererste Sahne, vorgetragen wird ein ausgewogener Materialmix aus dem Erstling “Empire Of The Obscene“ (Achtung! Unbedingt anchecken! Godlike!) und “Existence Is Futile“. Sänger und Saitenhexer David Davidson spielt obendrein eine von traumhaftem Feeling getragene, nichtsdestotrotz erstaunlich virtuos technische Lead-Gitarre, die einem ein ums andere Mal ins Staunen versetzt. Ja, ich wage gar zu behaupten: Chuck Schuldiner wäre vor Neid erblasst. Davidson schüttelt sich nämlich nicht nur den üblichen Metal-Prollo-Kram aus dem Ärmel, sondern weiß auch noch mit neoklassisch angehauchten Harmonien, sowie einer gehörigen Portion Blues-Pentatonik aufzuwarten. Einfach abgefahren geil das Ganze! Bedauerlicherweise dauert das Spektakel gerade einmal vierzig Minuten und das leider auch ohne den Monstertrack “Fields Of Predation“. Dennoch: Trotz des eher dürftigen Sounds wusste die Band mit Spielfreude, kompositorischem Einfall und waschechten Metal-Klängen (keine Trigger, reiner Natursound und eine dynamische Hau-Drauf-Sucht von Drummer Phil Dubois, die ihresgleichen sucht) ihr Programm gekonnt durchzuziehen und im Minimalfall auf mich den Eindruck zu hinterlassen, hier einen waschechten Geheimtipp live erlebt zu haben.

ORIGIN

Weiter geht’s im Programm. ORIGIN hatte ich vor noch gut drei Jahren als eine Death-Metal-Combo der Extraklasse im Sinn. “Echos Of Decimation“ konnte man zumindest besoffen ganz gut hören. Heute muss ich die Erfahrung machen: Nein, die Band bringt’s weiß Gott nicht. Wie befürchtet, malträtiert oben beschriebener Brei-Sound unser Gemüt. Die Fans scheint es kaum zu berühren, ja, scheinbar merken die headbangenden unter ihnen auch nicht, dass Drummer John Longstreth am Anfang gehörig mit seinem In-Ear-Monitoring zu kämpfen hat, was zwangsläufig dazu führt, dass dieser zwischenzeitlich nur seine 32tel-Double-Bass-Läufe sportlich durchknattert. Ist ja auch egal, Hauptsache brutal. Nicht nur angesichts dieser trügerischen Panne, sondern auch insbesondere Performance-technisch (außerdem: was will man mit nahezu völlig gleich klingenden, auf stumpf durchgeknüppelten 16tel- und 32tel-Noten basierenden Maschinengewehrläufen bezwecken?) weiß das Quintett aus Kansas nicht zu überzeugen. Lustigerweise wissen manche nach dem Gig noch nicht einmal, dass es sich hier um ORIGIN handelte. Die Band hatte vergessen, sich vorzustellen. Aber ist ja auch egal, Hauptsache brutal… die Nietzscheanische ewige Wiederholung des ewig Gleichen lässt grüßen.

BENEATH THE MASSACRE

O nein. Man hört es der Truppe schon den ersten Sekunden an. Nicht schon wieder “Death Metal meets Beatdown“ (in der metallischen Boulevard-Presse auch “Deathcore“ genannt)! Bornierte und integral Genre-fixierte Verfechter (dies stellt mitnichten eine pauschalisierende Verurteilung der verschiedenen menschlichen Persönlichkeiten dar) dieser Musik mögen in BTM eine musische Ovation an den ganz großen Geist der Kunst sehen, für meine Wenigkeit klingt die Band genau so wie homogenisiert-ultrahocherhitzte H-Milch schmeckt. Genau! Wie ein bloßer Abklatsch von Milch und in diesem Fall wie ein Abklatsch von gutem Todesmetall. Das in Hochgeschwindigkeitsmanier munter runter sprudelnde pseudovirtuose Gefrickel mag wohl nett gemeint sind, erreicht aber nicht in Ansätzen den chaotisch-kreativen Spielwitz einer Band wie CRYPTOPSY oder CEPHALIC CARNAGE. Was auf dem letzten Output “Dystopia“ noch halbwegs okay zum Nebenbei-Hören war, ist live Langeweile pur – trotz Growlkanone Elliot, der aussieht wie der Bruder von Chuck Norris.

DYING FETUS

Zu DYING FETUS gibt es eigentlich nicht (bzw. nie) viel zu sagen. Man hat es nämlich schon auf der letzten CANNIBAL CORPSE-Tour bemerkt (wo sie jene mal eben locker an die Wand spielten): Die Jungs haben’s einfach drauf. Die Mischung aus technischen Spielereien, fetten, mit Wiedererkennungswert gespickten aufgeladenen Riffs und dieser latente, ja subtile Groove, der selbst in den knüppeligsten Düsenjet-Parts zu registrieren ist (ganz zu schweigen von den süchtig machenden Mid-Tempo-Slam-Einlagen), begeistern auch heute wieder jede Menge Mosh- und Todes-Freaks. Losgebolzt wird mit “Your Treachery Will Die With You“ vom aktuellen Meisterwerk “Descend Into Depravity“. Die Fans lassen sich gehen, diven von der Bühne (so auch der Drummer von den Local-Heroes BY BRUTE FORCE, den ich von den oberen Tribünen des Turocks sofort ausfindig machen kann). Der Sound ist glücklicherweise im Vergleich zu ORIGIN und BTM doch etwas differenzierter und mittiger, wessenthalben man den Dreien echt gut “zuhören“ kann. Man knüppelt sich mit besonderem Schwerpunkt auf das letzte Werk (genannt seien hier unter anderem das oberaffengeile “Conceived Into Enslavement“, sowie das strange thrashige “Descend Into Depravity“) natürlich auch durch nicht weniger vielversprechende Nummern wie “Homicidal Retribution“, “One Shot, One Kill” oder die programmatischen Obligationen “Pissing In The Mainstream“ und “Kill Your Mother, Rape Your Dog”. Selbstredend zockt man auch den Klassiker “Grotesque Impalement” runter, bei dem das Publikum noch einmal richtig Gas gibt und bis zur Besinnungslosigkeit mosht. Unterm Strich beweisen DYING FETUS, dass sie echt noch ein ganzes Stück gewachsen sind im Vergleich zu ihrem letzten, von mir gesehenen Auftritt auf dem PartySan 2008. Bleibt abschließend nur noch zu sagen: Klasse und weiter so!

Fazit: Trotz der eher langweilig-durchschnittlichen, ja fast belanglosen “Mitte“ ein guter Beschallungsabend gerade durch die starke Musik von REVOCATION und DYING FETUS. Ach – by the way: MAN MUST DIE mussten aus unerfindlichen Gründen ihren Auftritt absagen…

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