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EARTHSHAKER FEST 2007 – TAG 2

Ort: Rieden/ Kreuth

Datum: 20.07.2007

Nach einer für Festivals halbwegs ruhigen Nacht steht morgens um 11 Uhr schon wieder die erste Band auf dem Programm. Warum man bereits um diese unmenschliche Zeit beginnt, ist mir absolut unklar, damit tut man weder der entsprechenden Band noch den Fans einen Gefallen. MORS PRINCIPIUM EST scheinen jedenfalls gewillt, das Beste aus der Situation machen zu wollen, aber wenn auch der Soundtechniker noch nicht richtig wach ist, kommt musikalisch einfach nicht allzu viel rüber. Hinzu kommt, dass die Finnen erst kürzlich nach Ausstieg ihres Hauptsongschreibers und Gitarristen ihr Live- Line Up ändern mussten und daher vorerst gezwungen sind (oder sich vielleicht auch freiwillig entschieden haben), bei Konzerten auf Keyboards zu verzichten. Das tut aber nicht wirklich gut, bringt die Band dafür aber um Längen thrashiger rüber, so dass ihnen zumindest kein CHILDREN OF BODOM-Abklatsch nachzusagen ist (was ja gern gemacht wird, sobald Gitarrensolos und Keyboards im Spiel sind). Immerhin die Setlist stimmt, von allen drei Alben präsentieren die Herren trotz kurzer Spielzeit Songs, so bekommt man „Pressure“, „Finality“ oder auch „Into Illusion“ zu hören. (Juliane)

Nicht wenige Bands haben Schwierigkeiten, um eine solche Spielzeit herum genug Publikum anzulocken. So auch DEADLOCK aus Bayern, die es zu Anfang ihrer Show gerade mal auf etwa 4 Reihen bringen, und sehr viele mehr wurden es auch nicht. Die Jungs und das Mädel lassen sich davon nicht entmutigen und zeigen eine solide Show. Leider kann mich ihr moderner, melodischer Metal mit einer Mischung aus männlichen Growls und klarem Frauengesang dennoch nicht so recht wach machen. Trotz des durchgehend motiviert wirkenden Sängers ist das Spannendste an dem Auftritt für mich die Keyboardeinlage der Sängerin, bei welcher der Herr – vor ihr kniend – das Tastenbrett hielt. Wer an DEADLOCK Gefallen gefunden hat, kann sie am 3. Oktober diesen Jahres bei einem ungewöhnlichen Ereignis erleben: bei der „Metal Elite Cruise“ an Bord eines Schiffes, das in Helsinki ablegt. (Kerstin „Waldfee“)

SABATON, der kleine Bruder von HAMMERFALL in einer etwas ernst zu nehmenderen Ausgabe, können dagegen zum ersten Mal an diesem Tag die Menge aus der Reserve locken. Mit allerlei flotten Sprüchen und einem Lob an das deutsche Bier (und das in Bayern mit einer Flasche Becks in der Hand!) hält Powerröhre GGG das Publikum bei Laune, das genretypisch brav mitklatscht. Passend zum Wetter (draußen herrscht schwüle Luft bei etwa 30° C) stachelt er bei „Into The Fire“ die Menge an, es noch wärmer werden zu lassen, und schafft es sogar, zu etwas Frühsport, sprich hüpfen, anzuregen. Generell zieht der Frontmann wirklich alle Blicke auf sich, sei es, wenn er wie von der Tarantel gestochen von einer Bühnenseite zur anderen flitzt oder seine Bandkollegen mit Wasser bespuckt, der Schwede hat so viel Energie, dass er seine Bandkollegen zu puren Statisten degradiert. Happy Metal! (Juliane)

Auch zur Show der dänischen Thrasher HATESPHERE finden sich relativ wenige Fans ein – die Halle ist nur halb voll. Die Anwesenden werden aber freundlich und mit strahlenden Gesichtern begrüßt. Die Bühnenpräsenz dieser Jungs haut einen um! Gitarrist Pepe Hansen schneidet Grimassen, und vor allem Sänger Jacob Bredahl hat eine sehr ausdrucksstarke Art mit dem Publikum zu kommunizieren: mit direktem Blick in die Gesichter und Kameras strahlt er wie ein Weltmeister und besitzt dabei die Gestik eines wutschnaubenden Predigers. Auch allen anderen Bandmitgliedern merkt man die Spielfreude an. Selbst die Frage nach dem Wohlbefinden der Fans kommt so glaubhaft rüber wie alles andere an dieser Show. Nach ein paar Songs fordert Jacob die hinteren Reihen der sich locker verteilenden Menge auf, nach vorne zu kommen. Mit den Worten „Do you guys like it heavy?“ kündigt er den nächsten Song an, um den Anwesenden „a lesson in headbanging“ zu verpassen. Klar, dass sich darauf ein Moshpit bilden muss! Bedankt wird sich nach den Stücken immer auf Deutsch. Und natürlich darf auch ein bisschen Werbung für das neue Album „Serpent Smiles and Killer Eyes“ nicht fehlen: „We have a new album out… ja? Neue Scheibe… ja? Everybody got it?” Bei allem Thrash-Getrümmer gab’s auch mal etwas aus der Death Metal Ecke: „Damned Below Judas“ vom besagten neuen Album.

Gut durchgerockt ging es gleich weiter zu KORPIKLAANI. Bereits beim Intro aus Schlittenhund-Geheule und einer Melodie mit Humppa-Beat gab es im Publikum vorsichtige Tanz-Ansätze und die Arme gingen in die Luft. Zwar treten gleich nach dem ersten Song „Journey Man“ ein paar Probleme mit Jonne Järveläs Mikro auf, aber die sind schnell behoben. Endlich wurde es mal voller vor der Bühne! Kein Wunder, denn dem Rhythmus von „Korpiklaani“ kann man sich kaum entziehen. Man muss einfach mitgehen, und wann sieht man bei einem Metal-Festival schon mal Leute tanzen? Ich meine weder bangen noch moshen, sondern tanzen! So etwas schaffen nur Songs wie „Cottages & Saunas“. Viele Worte lassen diese Finnen nicht fallen, aber die Stimmung kommt trotzdem rüber. Eines muss jedoch gesagt werden; dass es ein neues Album gibt. Und so wird von „Terveskanto“ auch ein Stück gespielt: „Palovana“. Sänger/ Gitarrist Jonne sind die Geister diesmal anscheinend nicht ganz wohl gesinnt, denn während des Songs fällt sein Mikroständer samt Geweihaufsatz um. Was macht ein Profi in einer solch misslichen „Lage“? Er spielt und singt einfach ein paar Sekunden im Sitzen weiter. Und so lässt sich auch dadurch niemand aus der Ruhe bringen und es geht mit „Tuli Kokko“ vom Vorgängeralbum weiter, während das Publikum den Rhythmus der Bassdrum aufnimmt und mitklatscht. Drummer Matson trommelt am Ende des Songs sogar im Stehen. Nachdem die „Korpi, Korpi…“-Sprechchöre etwas abebben, zeigt auch Jonne erneut Körpereinsatz und fängt an zu hüpfen, was ihm Teile der Menge auch sofort gleich tun. Die Wahnsinnsstimmung hält sich bis zum Schluss: Als Jonne mit fragendem Blick und nach oben gestreckten Armen eine Reaktion auf die Ankündigung von Hunting Song einfordert, bricht Jubel aus. KORPIKLAANI schaffen es mal wieder auf ganz unaufdringliche Weise die Leute zum Abfeiern zu bringen. (Kerstin „Waldfee“)

Setlist KORPIKLAANI
Journey Man
Korpiklaani
Cottages and Saunas
Palovana
Tuli Kokko
Spring Dance
Happy Little Boozer
Wooden Pints
Hunting Song

Danach ist erstmal Flucht angesagt, denn Power Metal in Form von FREEDOM CALL wollte wirklich keiner von uns „ertragen“. Da, als wir gerade beim Zelt angekommen sind, auch erstmal eine Stunde lang Regen und leichter Sturm herrscht, verpassen wir leider die niederländischen Knüppler von GOD DETHRONED.

Dass GAMMA RAY eine Institution sind, ist klar. Gleich ab dem ersten Song „Rebellion in Dreamland“ sind die Fans hellwach dabei, singen zum Teil sogar den Chorus mit. Zwar hat Bassist Dirk Schlächter anfangs mit Soundschwierigkeiten zu kämpfen, aber die sind schnell beseitigt. Bereits bei den ersten Takten von „Land of the Free“ sind in den ersten Reihen alle Hände oben, und Kai Hansen begrüßt die Menge: „Guten Abend! Schön Euch zu sehen! Wir sind GAMMA RAY aus Hamburg, Nürnberg und Finnland…“, wobei sich letzteres auf den Keyboarder des Abends bezieht. Dieser hat, nebenbei bemerkt, sein Instrument mit zwei bunten Gummi-Leucht-Tierchen dekoriert, die auf dem Festival der Renner sind. Weiter geht es mit „New World Order“ und typischem Power Metal-Synchronposen der Gitarristen. Herr Hansen singt außerdem Teile der Melodie vor, die die Menge dann nachsingt. Er klatscht auch den nächsten Song ein, und die Fans „lernen“ schnell: Am Ende von „Fight“ fangen sie schon von sich aus an im Takt zu klatschen, und auch die „Hey, hey, hey“- Rufe aus der Menge werden von Kai freudig aufgegriffen. Gut gelaunt kündigt er dann auch „Blood Religion“ an: „… ’was für die Vampire…“. Die Fans singen wieder den Refrain mit – ein eindeutiger Vorteil von Bands mit klarem Gesang, denn wann wird woanders schon mal im Chor mitgegrowlt? [Also das ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen auf Festivals – Anm. Juliane] Huch, und da ist auch schon der erste Crowdsurfer! Die Band genießt den Chor der Fans so sehr, dass sie gar nicht mehr aufhören will und die „extended version“ des Songs spielt – inklusive zahlreicher ausgedehnter Wiederholung einer Refrain-Textzeile. Und wieder ein Crowdsurfer! Das Prinzip des Vorsingens durch Kai und Nachsingens durch die Fans wird auch bei den nachfolgenden Titeln ebenso konsequent durchgehalten, wie das Ausdehnen der Songs durch Soli und Animation. An einer Stelle bittet Kai um Aufmerksamkeit. Er erklärt, dass eine Entscheidung getroffen werden müsse zwischen einer Ballade – Gedankenpause – und einem geeigneten Stück, um dem Publikum „nochmal richtig den Rest zu geben“. Begeisterung bricht aus, und es folgt ein Medley aus den Helloween-Hits „Ride the Sky“, „Future World“ und „I Want Out“. Dabei lassen sich dann gleich mehrere(!) Leute zum Crowdsurfen hinreißen. Vor dem letzten Song gibt‘s dann noch eine kurze Ankündigung der DVD „Land of the Free, Part 2“ und einer Tour im November mit GAMMA RAYs ehemaliger Vorband. Auf Grund des Festival-Zeitmanagements endet die Show bereits nach 50 Minuten anstatt nach einer Stunde, wie vorgesehen. Zum Abschluss wagt Frontmann Kai noch einen Sprung vom Schlagzeugpodest und es fliegen einige Drumsticks und Plecs in die Menge.
(Kerstin „Waldfee“)

Setlist GAMMA RAY
Rebellion in Dreamland
Land of the Free
New World Order
Fight
Blood Religion
Heavy Metal Universe
Medley
Somewhere out in Space

Manchmal frag ich mich wirklich, ob es so schwer ist, bis drei zu zählen, denn bei KREATOR werden alle Fotographen schon nach dem 2. Song aus dem Fotograben geschmissen. Auf meinen Hinweis, dass wir eigentlich noch ein Lied länger bleiben dürfen, bekomme ich nur eine unverständliche Antwort hingemurrt. Einzige Erklärung ist vielleicht die große Menge an Crowdsurfern, ein Problem, das durch einen Meter mehr Fotograben leicht hätte gelöst werden können. Dann müsste man auch nicht immer auf einem Meter gedrängt in drei Reihen stehen und würde nicht ständig rabiat von den Herren in Muskelshirts rumgestoßen werden! Vielleicht hätte man ihnen auch gleich erklären können, was so eine Kameraausrüstung kosten kann (Ich glaube, das interessiert von denen wirklich niemand, Anm. der Red.). Nun gut. KREATOR sind jedenfalls DER Publikumsmagnet des ganzen Festivals, eine randvolle Halle spricht wohl für sich. Wie üblich kommen Brecher wie „Violent Revolution“ und „Pleasure to Kill“ bestens an, ebenso wie die nicht wegzudenkenden Ansagen „Ich will einen Scheißmoshpit sehen“ und „Seid ihr bereit euch gegenseitig umzubringen?“, die auf Englisch jedoch etwas weniger lächerlich klingen. Auch die Ansage gegen Nazis ist nicht neu, dafür aber um einiges willkommener, und wenn dann auch eine komplette Halle dazu jubelt, kann einem nur die Gänsehaut kommen. „Suicide Terror“ und „Betrayer“ tun ihr Übliches und immer wieder ertönen zwischen den Songs frenetische „KREATOR“ Sprechchöre. Bevor das allseits bekannte „It’s Time to Raise the Flag of Hate“ Spiel beginnen kann, stichelt Mille aber ein letztes Mal noch gegen die ständig präsenten Herren in grün, man solle ihnen doch zeigen, dass Aggressivität nichts mit echter Gewalt zu tun hat. Irgendwie hat er ja Recht, denn selten geht es anderswo auf Massenveranstaltungen so friedlich zu (man kann ja gern mal die Zahlen von Schlägereien von Metalfestivals und Schützenfesten vergleichen). Dennoch muss ich sagen, dass mir die Band trotz atemberaubender Lichtshow schon mal besser gefallen hat.

TESTAMENT haben die Ehre, ein zweites Mal in Folge auf dem Earthshaker Fest zu spielen. Allerdings zeigt sich, dass die Metal-Urgesteine des Bay Area Thrash nicht so wirklich für die Headlinerposition geschaffen sind, vor allem nicht, „wenn man seine besten Songs („Trial By Fire“, „The Haunting“, „Practice What You Preach“) schon während der ersten 10 Minuten verpulvert“ (O- Ton zweier Festivalbesucher). Danach fällt die Band in eines tiefes Loch der Langeweile (stellt es euch in etwa so vor, als würden METALLICA das halbe St. Anger Album spielen), das lediglich von „DNR“ und „Down for Life“ vom „The Gathering“- Album etwas aufgeheitert wird. Den Höhepunkt an Peinlichkeit erreicht die Band dann aber, als sie „live and on stage“ ihren neuen Vertrag mit Nuclear Blast unterzeichnet. Muss man solche PR Aktionen denn wirklich noch bringen? Immerhin bietet man den Fans im Anschluss mit einem neuen Titel einen Einblick ins anstehende Album und legt dann mit „Over The Wall“ und „Disciples of the Watch“ wenigstens zum Abschluss noch mal zwei Kracher aus den guten alten Zeiten hin. Naja, ein fader Beigeschmack aus Langeweile und Müdigkeit bleibt, aber wenigstens fiel das Einschlafen trotz dämlicher Hooligan-Songs meiner geistig beschränkten Zeltnachbarn so nicht ganz so schwer!
(Juliane)

Copyright Fotos: Juliane John

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