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EAST CAMERON FOLKCORE – NORTH ALONE

Ort: Osnabrück – Kleine Freiheit

Datum: 07.08.2014

Nachdem die Texaner von EAST CAMERON FOLKCORE uns bereits im letzten Herbst beehrt hatten, sind sie jetzt wieder über den Großen Teich gekommen, um hierzulande einige Club-und Festivalgigs zu spielen. Wobei es irgendwie zumindest in die Kleine Freiheit nicht alle Bandmitglieder geschafft hatten, denn Drummer Aaron Perez war kurzfristig durch Mesut Gursoy ersetzt worden, der sich innerhalb weniger Stunden die Songs der Folk-Punk-Combo draufgeschafft hatte. Leider ließ die Anzahl der Gäste mit rund 70 Personen an diesem lauen Sommerabend ein wenig zu wünschen übrig; es wäre noch reichlich Platz in der ehemaligen Bahnkantine am alten Güterbahnhof gewesen, aber selbst Schuld, denn diejenigen, die nicht vor Ort waren, haben definitiv ein energiegeladenes Konzert verpasst.

Eröffnet wurde der Abend um 21.15 Uhr durch NORTH ALONE. Dahinter verbirgt sich der Osnabrücker Manuel Sieg, der bei dieser Gelegenheit von einem jungen Herrn mitsamt Violine begleitet wurde. Kollege Sieg war derweil mit einer Akustikklampfe bewaffnet und ließ seine raue Stimme zum folkigen Schrammelsound erklingen. Als Opener war auf der Setlist „Hydrogen Peroxide“ vom 2013er Full-Length-Debüt „Collecting Pictures“ vermerkt, doch auch alte Nummern im neuen Gewand kamen zum Vortrag. Etwa „Scatter My Ashes Into The Sea“. Währenddessen hielten sich die Zuschauer doch sehr vornehm im hinteren Drittel der Location auf, jedoch konnte der bärtige Brillenträger die Anwesenden überzeugen, ein wenig näher zu treten und es bleibt zu hoffen, dass sie auch seiner Aufforderung, etwas aus dem Leben zu machen, folgen. Verbunden war dies mit dem munteren „Inscription“, bevor es mit dem nachdenklichen „Greetings From Someone Else“ weiterging. Der gefühlvolle Titeltrack des aktuellen Albums war im Anschluss allen Eltern gewidmet, denen Manuel auftrug, ihre Kinder zu mündigen Wesen zu erziehen, ehe mit „The Road Most Travelled“ auch schon der letzte Song auf dem Programm stand. Üblicherweise schimpft der Singer-Songwriter mit 15 Jahren genreübergreifender Bühnenerfahrung an dieser Stelle über illegale Downloads, RAMONES-Shirts bei H&M sowie ignorante Spacken in direkter Bühnennähe, die unermüdlich sabbeln und dem Künstler null Aufmerksamkeit schenken. Diesmal hielt er es anders und dankte stattdessen den Leuten, die auch kleine Konzerte möglich machen und verzichtete am Schluss des Liedes komplett auf Instrumente und Mikro, um gemeinsam mit seinem Mitstreiter noch mal lautstark unplugged zu singen. Ein netter halbstündiger Einstieg, der Lust auf mehr machte.

Setlist NORTH ALONE
Hydrogen Peroxide
Scatter My Ashes Into The Sea
The Last Inch
Insciption
Greetings From Someome Else
?
Collecting Pictures
The Road Most Travelled

Um kurz nach 22.00 Uhr wurde dann die Frage geklärt, ob neun Personen auf der kleinen Bühne der Freiheit auch wirklich Platz haben. Es war ein bisschen eng, aber es ging! Das Publikum hatte sich zwischenzeitlich ein wenig näher getraut, hielt jedoch immer noch großen Abstand, was umso erstaunlicher war, als es auf der Stage wahrlich energiegeladen zur Sache ging. Zunächst wurden mit „Robin Hoods Rise“, „Humble Pie“, „Salinger Is Dead“, „Worst Enemy“ und „Ophelia“ treibende Nummern des jüngsten Longplayers „For Sale“ gespielt und dabei kräftig Alarm gemacht. Mal waren Posaune und Mundharmonika gefragt, später wurde gegen Wanderklampfe und Saxofon getauscht und immer mit viel Inbrunst gemeinsam gesungen. Neben der gängigen Besetzung mit E-Gitarre, Bass, Drums und den bereits genannten Instrumenten waren zudem noch eine Mandoline und ein Cello vertreten, die ebenfalls für den ganz besonderen ECF-Sound sorgten. Zwar war der breite Texas-Slang von Bandvorstand Jesse Moore nicht immer ganz einfach zu verstehen, doch zur Not sprang seine Frau April Perez-Moore ein und klärte die etwas ratlosen Deutschen zumindest in Teilen auf, was ihr Göttergatte mitzuteilen gedachte. Wegen irgendwas ist Jesse auf jeden Fall mal in Texas eingebuchtet worden und insbesondere in Travis County scheint das alles andere als ein Spaß zu sein. Die gut gelaunte April beeilte sich hinzuzufügen, dass das alles vor ihrer Hochzeit gewesen sei und wir merken uns, dass wir den texanischen Ordnungshütern besser nicht in die Quere kommen. Welch Vergnügen war es hingegen, den beiden Damen und sieben Herren zu lauschen und zuzusehen! Nach dem ersten Schwung neuerer Tracks wendete man sich einem älteren Stück zu, wobei beim fetten „Kitty In A Window“ niemand mehr sagen konnte, warum das Lied eigentlich diesen Titel bekommen hatte. Als kleinen Ausblick auf den kommenden Langspieler, der 2015 erscheinen soll, gab es „Kingdom of Fear“ mitsamt folkigem Chorgesang auf die Ohren, ehe „The Joke“ nahtlos in bluesiger Slow Motion übernahm. „969“ ging erneut in die Vollen und bei „Charlene“ hätte man meinen können, irgendwo auf dem irischen Eiland in einem Pub gelandet zu sein. Wie viel Wut in ihnen steckt, bewiesen EAST CAMERON FOLKCORE bei „Sheep Staring A Gun“ mit gereckten Fäusten. Diese Nummer markierte nach einer Stunde das Ende des regulären Sets, doch es gab noch einen Nachschlag.

Den servierten zunächst einmal Mr. Moore und der schlaksige Mundharmonika- und Saxofonmann. „The Cruellest Month“ kam mit Akustik-Sechssaiter und Mundorgel vergleichsweise getragen daher, doch mit dem nächsten, sehr stimmungsvollen Stück wurde es nicht nur wieder voller auf der Bühne, sondern auch etwas lebhafter, bevor es im Finale noch mal hoch her ging. Da musste dann auch eine Gitarrensaite bei Jesse dran glauben, aber der Gig war ja eh auf der Zielgeraden, da spielten solche Kollateralschäden keine Rolle mehr.

Schade, dass nicht mehr Leute den Weg in die Kleine Freiheit gefunden hatten. Die Band freute sich zwar über das aufmerksame Auditorium, das sie von heimischen Konzerten weniger gewohnt sind; über etwas mehr quantitativen Zuspruch hätte sich mit Sicherheit aber nicht nur die Kasse gefreut, sondern auch des Musikers Herz. Verdient, mehr Bekanntheit zu erlangen, haben es EAST CAMERON FOLKCORE auf jeden Fall – vielleicht tragen die kommenden Festivals dazu ja bei.

Setlist EAST CAMERON FOLKCORE
Robin Hoods Rise
Humble Pie
Salinger Is Dead
Worst Enemy
Ophelia
Kitty In A Window
Kingdom of Fear
The Joke
969
Carrying The Fire
Sallie-Mae
Charlene
Sheep Staring A Gun

The Cruellest Month
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Copyright Fotos: Holger Ebert

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