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EASTPAK ANTIDOTE TOUR 2008

Ort: Hamburg - Große Freiheit 36

Datum: 12.11.2008

FLOGGING MOLLY – STREET DOGS – SKINDRED – TIME AGAIN

Kürzlich erst waren FLOGGING MOLLY zwecks Umwerbens des neuen Silberlings „Float“ auf Tour, schon holt man zum zweiten Schlag aus. Mit im Gepäck hatte man allerdings weniger andere Folkbands als eher ein Dreierpack an Punk/ Ska-Formationen.

TIME AGAIN legen gleich mal so richtig los, hüpfen wie wild und sauen nur so über die Bühne, da hat man wohl das Adrenalin schon mit der Muttermilch eingeflösst bekommen. Gleich nach dem 3. Song verlangt Sänger Daniel nach einem Moshpit, der sogleich von der bisher kleinen aber feinen Menge gewährt wird. Reife Leistung für einen Opener. Vor „Outcast“, das wie auch die meisten anderen Stücke politisch bis gesellschaftlich motivierte Texte beinhaltet, schreit ein ganz besonders euphorischer Fan nach genau diesem Stück, ist da jemand Hellseher oder einfach nur Hardcore-Fan? Ansonsten gibt’s ne halbe Stunde Vollgas, genau das richtige, um in Fahrt zu kommen.

Was geht dann bei SKINDRED ab auf der Bühne? In der Metalszene hab ich ja schon so einiges von Poser über Misanthrop bis vollkommen durchgeknallt erlebt, aber Rastamann Benji Webbe ist schon eine Nummer für sich: Absolut sympathisch und voller Energie hüpft er ebenso pausenlos wie sein Vorgänger über die Bühne und steckt auch die Menge damit an. Bei den Fans in den ersten Reihen macht er sich allerdings etwas unbeliebt, als er in leicht beleidigendem Ton vorschlägt, dass diese doch lieber mit denen hinten tauschen sollten (die richtig abgehen), aber es sei ja alles nur Entertainment, wie er sich daraufhin entschuldigt. Musikalisch wird hier eine Schnittmenge aus Punk und Alternative Rock mit Reggae-typischen Vocals präsentiert, selbst einige metallisch-harte Klänge, die an SEPULTURA erinnern, kommen hier durch. Wieder alle Daumen dick nach oben!

STREET DOGS kündigen sich selbst mit der amerikanischen Nationalhymne, aus dem off von der Gitarre gespielt, an, hat man seit der Präsidentenwahl wieder einen Grund, stolz auf sein Land zu sein? Die Bostoner geben jedenfalls auch ihr bestes, das Energie- und Bewegungslevel der vorherigen Bands zu halten, doch liegt es an mir, die ich nicht viel mit der Truppe anfangen kann, oder gelingt ihnen das nur mäßig? Gut, „Tobe’s Got a Drinking Problem“ reißt natürlich so einiges bei der heutigen Menge und Sänger Mike beweist Courage, indem er auf die 3 Meter hohen Verstärker klettert und von dort aus weiter auf die Galerie, aber zumindest bei mir ist die Luft raus. Als kleinen Gimmick gibt’s noch einen Gastauftritt von FLOGGING MOLLY Gitarist/ Mandolinenspieler Robert Schmidt, das stimmt schon auf die folgenden Headliner ein.

Seit Tagen drückt das Hamburger Schietwetter aufs Gemüt, doch FLOGGING MOLLY sind das ultimative Gegenmittel. Mit ihrem irischen Folk verbreiten sie von der ersten Sekunde an beste Laune, schon ab den Eingangstakten von „Paddy’s Lament“ ist die Halle ein einziges tanzendes Kollektiv, die Crowdsurfer machen den ruppigen und äußerst unfreundlichen Securities jede Menge Arbeit (so viel, dass diese anscheinend nicht mal bis 3 zählen können und die Fotografen trotz Widerspruch zu früh aus dem Graben werfen) und auch die Band ist besser gelaunt denn je. Bandchef Dave King sieht man immer wieder tanzend und lachend über die Bühne fegen, ebenso seine Bandkollegen Nathan (Bass), Dennis (Gitarre) und Robert (Mandoline), nur Geigerin Bridget wirkt zurückhaltend wie immer und ist kaum eines Lächelns zu entlocken. Doch das tut DER Party des Jahres keinen Abbruch, fast hat man das Gefühl, um ein Lagerfeuer in den irischen Ebenen zu tanzen und dort die Sonnenwende nach keltischem Brauch zu feiern, so viel Ursprünglichkeit transportiert das Septett hier. Da darf natürlich auch das heimatliche Guinness nicht fehlen, welches rege auf der Bühne konsumiert wird. Ebenso wenig fehlt es Dave King an Humor, so widmet er „Selfish Man“ sich selbst und bezeichnet die Menge mit einem schelmischen Grinsen als „bloody bastards“, nachdem diese bei der üblichen Bandvorstellrunde für seine Frau Patricia am lautesten gejubelt hat.

Ich bleibe dabei, dieses Konzert wird wohl nur schwer noch zu toppen sein dieses Jahr, da ist selbst KORPIKLAANIs Status als mein Livefavorit unter den Folkbands in Gefahr.

Copyright Fotos: Juliane John

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