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EASTPAK ANTIDOTE TOUR 2010

Ort: Münster - Skaters Palace

Datum: 19.11.2010

Am vergangenen Freitag machte die Eastpak Antidote Tour 2010 im Münsteraner Skaters Palace Halt und hatte ein hochkarätiges Package an (Pop) Punkbands zu bieten. Dementsprechend lang war die Schlange vor der Skatehalle, als wir gegen 18.45 Uhr eintrafen. Leider schaffte man es nicht, alle Besucher pünktlich zu 19 Uhr, als mit VEARA die erste Band auf der Bühne stand, einzulassen und so war zu Beginn der ca. halbstündigen Show der Newcomer die Halle gerade einmal zur Hälfte gefüllt. Allerdings konnte man auf die Darbietung der Truppe auch verzichten, die Band agierte zwar bemüht und für ihr Alter sehr versiert, wirklich innovativ war aber gerade die Musik nicht, die im Einheitsbrei unzähliger Pop-Punk-Bands versank, von denen es viele dann doch besser können. Nett anzusehen war Gitarrist Patrick, der über die Bühne stürmte und sprang wie vom Teufel gebissen und dabei seine Gitarre in alle Richtungen fliegen ließ. Als Opener und Einheizer gingen VEARA aber dennoch völlig in Ordnung und bekamen von den bereits Anwesenden auch guten Applaus.

Ein ganz anderes Kaliber waren da schon die nun folgenden RIVERBOAT GAMBLERS, die bereits auf 13 Jahre Bandgeschichte und einige Veröffentlichungen zurückblicken können und an diesem Abend eine Mischung all ihrer CDs performten. Optisch kommen die GAMBLERS als typische Hardcore/ Punk Band rüber: Über und über tätowierte Kerle. Wäre da nicht Sänger Mike Wiebe gewesen, der als ziemlich schmales Hemd dann noch ein schickes Solches trug – plus eine graue Nadelstreifenweste. So kam er nicht nur durch seine kurzen blonden Haare, sondern gerade auch sein Stage Acting Pelle Almquist von THE HIVES recht nahe, nahm die ganze Bühne in Beschlag und blieb kaum eine Sekunde ruhig stehen. Er warf und schwang sein Mikro in die Runde, um es gekonnt wieder aufzufangen und im genau richtigen Augenblick wieder am Mund zu haben. Es machte einfach wahnsinnigen Spaß, diesem Auftritt zuzuschauen. Musikalisch gab es neben Punk die an diesem Abend wohl stärksten Rockeinflüsse und so hob sich die Band dann gerade zu den vorherigen VEARA positiv ab. Ein grandioses Finale fand der Auftritt, als es Wiebe schaffte, über Stahlträger an der Decke mitten über das Publikum zu klettern und dann samt Mikro (und es war KEIN Funk-Mikro) in die Menge zu diven und sich zur Bühne zurück tragen zu lassen, was in der nun komplett gefüllten und ausverkauften Halle kein Problem mehr war.

Die folgende Formation wurde vom Publikum bereits sehnlichst erwartet. Das konnte man allein an der nicht geringen Anzahl von PENNYWISE T-Shirts im Publikum erkennen. Es folgten THE BLACK PACIFIC aus Los Angeles, die 2010 gegründete Nachfolgeband des PENNYWISE Sängers Jim Lindberg, der mit Marc Orrell (ehemals DROPKICK MURPHYS) an der Gitarre eine weitere Punkrockgröße in die Band holen konnte. Und genau diese beiden kamen Arm in Arm mit einer Flasche Schnaps in der Hand auf die Bühne gewankt und waren bereits sichtlich jenseits von Gut und Böse. Musikalisch wurde nochmal eine Schüppe mehr ins Punkrock Feuer geworfen und es gab Skatepunk vom Feinsten, der perfekt in den Palace passte und mit Songs wie „Living with ghosts“ und „The system“ vom Debutalbum konnte man das Publikum von der ersten Minute auf seine Seite ziehen. Tatsächlich schaffte es die nicht mehr ganz nüchterne Band den Auftritt souverän durchzuzocken (Gitarre spielen scheint für manch einen da leichter als gerade stehen zu bleiben, denn gerade Gitarrist Marc warf sich samt Instrument einige Male auf den Boden und spielten im Liegen oder besser Robben). Höhepunkt des Gigs war dann ganz klar das RAMONES-Cover „Blitzkrieg Bob“, bei dem nun wirklich JEDER lauthals mitsang. Fazit: Auch Jim Lindberg erfindet den Punk nicht neu, setzt ihn aber konsequent in bester PENNYWISE-Tradition fort und auf ganz anderem musikalischen Niveau als VEARA.

Apropos innovativer Punkrock. Da war ja noch was: Zwar keine Luft mehr im Skaters Palace, aber der Headliner der Tour stand ja immer noch aus. Nach einer leider viel zu langen Umbaupause kamen die Kanadier unter großem Jubel auf die Bühne gestürmt und eröffneten mit „The Hell Song“ und dem fast schon epischem (für Punkrock-Verhältnisse) „We’re all to blame“ ein mehr als einstündiges Hitfeuerwerk. Doch neben Altbekanntem hatten SUM 41 auch ganz besondere neue Leckerbissen zu bieten und so kündigte Sänger Deryck Whibley an, dass das neue Album fertig gestellt sei und in Kürze erscheinen werde. Als Köder spielte die Band dann den brandneuen Titel „Skumfuck“, der mich persönlich allerdings nicht vom Hocker riss, aber allemal solide SUM 41 Kost bot und vom Publikum dankbar angenommen wurde. Interaktion mit dem Publikum wurde an diesem Abend auch ganz groß geschrieben. Vielleicht sogar ein bisschen zu groß, denn gerade im Mittelteil des Sets wurden die Songs unnötig in die Länge gezogen. Das mag bei ein oder zwei Stücken durchaus Spaß machen (erstaunlicherweise machte das Publikum an diesem Abend komplett alles mit), aber auf Dauer empfand zumindest ich es als etwas ermüdend. Amüsant war jedoch das Metal Mayhem Medley der Band, das zunächst mit „The Trooper“ von IRON MAIDEN begann, dann ein VAN HALEN-Riff einstreute und über AC/DCs „Back in Black“ schließlich in METALLICA gipfelte. Der Endteil des Gigs bot dann wieder einen Hit nach dem anderen ohne Schnörkel und mit viel Spaß und fand im großartigen „Fat Lip“ dann vorerst seinen Abschluss. Natürlich wurde aber die Band an diesem Freitagabend mit großem Applaus noch einmal für eine 3-teilige Zugabe zurück auf die Bühne beordert.

Setlist SUM 41
The Hell Song
We’re all to blame
My direction
Walking disaster
Skumfuck
Motivation
Metal Mayhem (IRON MAIDEN, VAN HALEN, AC/DC, METALLICA)
King of contradiction
Underclass hero
Welcome to hell
Makes no difference
Paint it black (Rolling Stones Cover)
No brains
Still waiting
Over my head (better off dead)
Fat lip

Pieces
In too deep
Pain for pleasure

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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