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EDITORS – MOBIUS BAND

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 18.03.2008

Rund 1.500 Zuschauer gaben im Ringlokschuppen eindrucksvoll Zeugnis davon, dass die EDITORS aus Great Britain spätestens seit ihrem Gig beim letztjährigen Hurricane/ Southside hierzulande ganz offensichtlich einige Fans haben. Darunter auch eine ganze Reihe englischsprachiger Herrschaften (in OWL sind die britischen Streitkräfte stark vertreten), die fern der Heimat diese Gelegenheit nutzten, die Kapelle, deren Alben „The Back Room“ (2005) und „An End Has A Start“ (2007) in UK Chartposition 2 + 1 erreicht haben, live zu erleben. Außerdem war noch die MOBIUS BAND aus (mittlerweile) New York mit am Start, die pünktlich um 20.30 Uhr vor vollem Haus den Abend eröffneten.

Wie bei den EDITORS haben die Mitglieder der MOBIUS BAND alle einen Abschluss der Musikwissenschaften in der Tasche. Ebenso haben auch sie sich dem Indie-Rock verschrieben und legten mit Electro-Frickeleien los. Peter Sax, Noam Schatz und Ben Sterling verstanden sich aber auch auf Gitarrengeschrammel, während sich Gesang derweil die Mannen an den Langäxten teilten und der Dritte im Bunde für ein sattes Schlagzeugfundament sorgte. So gab es u.a. vom aktuellen Album „Heaven“ das verschnörkelte „Hallie“ und die anfangs eher getragene Nummer „Friends Like These“ zu hören. Alles in allem war der Sound der Amis von einer starken Rhythmusfraktion getragen, die neben allerlei Spielereien an den Synths von Indie-Gitarren begleitet wurde. Die Bielefelder quittierten diese erste halbe Stunde mit freundlichem Applaus und waren so bestens vorbereitet auf den Hauptact des Abends, der 30 Minuten später auf dem Programm stand.

Den Anfang machten die EDITORS mit einen Stück ihres Debüts, welches vor drei Jahren für Furore sorgte. Auch die Ostwestfalen zeigten sich von „Camera“ begeistert und lauschten dem smarten Sänger Tom Smith, der am E-Piano seinen Bariton klingen ließ. Vergleiche mit JOY DIVISION liegen nicht zuletzt in dieser ausdruckstarken Stimme begründet, die durchaus ein wenig an Ian Curtis erinnert, aber auch Sivert Hoyem von MADRUGADA ähnelt. Mit krachenden Stakkatosounds und wahren Lichtgewittern ging’s weiter, wobei letztere mitunter etwas störend waren, da die Stroboskop-Blitze häufig genau auf den Terrorverlag gerichtet zu sein schienen. Derweil gab es im Hintergrund eine farbige Kulisse zu sehen, die an die Beleuchtungsmasten eines Fußballstadions erinnerte und in einem dunklen Magentarot, in grüngelben Farbtönen oder auch orangeroten Schattierungen erstrahlte. Musikalisch zeigten sich die Briten von einer absolut tanzbaren Seite und boten einen knackigen Sound, der in die Beine ging und eifrig beklatscht wurde. Mit Tracks wie „The Weight of The World“ vom aktuellen „An End Has A Start“ (in Deutschland bis auf Platz 24 geklettert) gab es aber auch was im Midtempo-Bereich, dem sich umgehend mit „Escape The Nest“ High Speed anschloss. Ein besonderes Schmankerl war das CURE-Cover „Lullaby“, welches mit mehr Drive rüberkam als man es von der Originalversion gewohnt ist und mit heftigen Ovationen bedacht wurde. Dazu passte perfekt das bandeigene „Spiders“, das sich umgehend im Hirn festbiss und den Verstand mit hypnotischen Klängen umgarnte. Zu „Munich“ griff Mr. Smith zur Gitarre und legte erst einmal allein los, bevor dann die Kollegen wieder hinzukamen und es temperamentvoll weiter ging. „Push Your Head Towards The Air“ war wohl die ruhigste Nummer des Abends, wusste jedoch in ihrer eindringlichen, von Toms sonorer Stimme getragenen Art absolut zu gefallen. Dafür wurde beim anschließenden „Bones“ jeder Knochen einzeln durchgeschüttelt und fand sich der Frontmann gar auf dem E-Piano wieder. Mit dem flotten „Finger In The Factories“ endete nach einer guten Stunde das reguläre EDITORS-Set, doch das Quartett ließ sich nicht lumpen und legte noch einen flotten Dreier nach. „The „Racing Rats“ machten seinem Namen alle Ehre, Tom kniete inzwischen auf dem Tasteninstrument, während ich den Strobo-Blitzen auswich. Mit „U R Fading“ gab es einen alten Song zu hören, der in der Tat einen gälischen Touch hatte. Auch das abschließende „Smokers Outside The Hospital Doors“ verfügte über einen leichten Folk-Einschlag und erinnerte an die schottischen Kollegen von RUNRIG.

Zweifellos ein würdiger Abschluss für das knapp 90-minütige Konzert der Engländer, die ihre Fans erschöpft aber hochzufrieden in die kalte Nacht entließen.

Setlist EDITORS
Camera
An End has a Start
Blood
Bullets
The Weight of the World
Escape The Nest
Lights
When Anger Shows
Spiders
Lullaby
Munich
Push Your Head Towards The Air
Bones
Fingers In the Factories

The Racing Rats
U R Fading
Smokers Outside The Hospital Doors

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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