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EDITORS – PAON

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 15.03.2014

Was gibt es besseres als ein Konzert an einem verregneten Samstag Abend? Vor allem wenn sich die EDITORS angesagt haben, die mir nicht erst seit “Papillon” im Kopf herumschwirren. Das dachten sich wohl nicht nur wir, denn bei Ankunft im Bielefelder Ringlokschuppen war selbiger schon proppevoll. SO proppevoll hatte ich ihn gar nicht erwartet, das dürften weit über 2000 Fans gewesen sein, studentisch, jung und hip kann man die allermeisten Anwesenden wohl beschreiben. Die Bühne zierten zu diesem Zeitpunkt einige Instrumente, was natürlich nicht zuletzt auch an der Vorband lag, die auf den Namen PAON hörte. Selten war es vorab so schwierig, Informationen über Musikanten zu erlangen, doch etwas Google-Spürsinn sei Dank, hier ein paar Hard Facts über den Opener des Abends.

PAON sind 4 Herren aus dem französisch-sprachigen Teil Belgiens, die bereits einige semibekannte Acts supporten durften (die Namen spare ich mir an dieser Stelle) und am 25.3. diesen Jahres eine digitale EP unters Volk werfen wollen. Das Song Material dürfte also dem Gros der Zuschauer unbekannt sein, ausser vielleicht den EDITORS-Hinterherreisenden. Zumindest in den ersten Reihen gab es dann auch ein paar Beifellsschreie. Die treibenden Kräfte hinter PAON sind Ben Baillieux-Beynon und Aurelio Mattern. Erstgenannter war Sänger der in ihrer Heimat recht erfolgreichen Pop Rock Formation THE TELLERS, der andere Herr kann auf ein paar Erfolge als Produzent und Texter zurückblicken. Mit PAON jedenfalls sind Charterfolge so gut wie ausgeschlossen, bei dem versponnen wirkenden Sound der Beneluxer. So eine Art Art Prog Indie Rock mit Seventies-Charme und einigen SUPERTRAMP-Anleihen insbesondere beim Gesang, der oft auch mehrstimmig war. Die große rote Linie fehlte (zumindest mir) und so gingen die Stücke nur schwer ins Ohr. Sicherlich sehr gute Musiker aber auf einer so großen Bühne, in diesem Umfeld vielleicht etwas fehl am Platze. Zudem gab es erst gegen Ende ein paar Ansagen, so dass kaum jemand im Nachhinein den Namen der Band gekannt haben dürfte, abgesehen von denen, die einen Blick auf das Drumkit werfen konnten. Als Einstieg wählte man mit “Shine over me” den wohl bekanntesten Track, zu dem sich im Weltnetz auch ein Video findet. Nach mal mehr, mal weniger verschwurbelten Kompositionen gab es zum Schluss noch ein nettes Instrumental auf die Ohren, dann war der “Spuk” recht schnell wieder vorbei…

Setlist PAON (ohne Gewähr)
Shine over me
My Luck is gone
Deja Vous
Tasdesdoutes
Bath Salts
27
Le Slow
TV
Instrumental #1

Nach diversen emsigen Aktivitäten auf der Bühne konnte es dann gegen 21 15 Uhr mit den Objekten der Begierde losgehen. Warum allerdings in der Pause Musik in einer Lautstärke gespielt wurde, welche die Live Bands fast noch übertraf, erschloss sich mir nicht, der eine oder andere möchte sich vielleicht auch unterhalten… Sei’s drum, mittlerweile war es dermaßen voll geworden im Schuppen, dass man sich kaum einen Weg mit der Kamera in den Graben bahnen konnte. Bei dem Licht des Starters “Sugar” auch nicht so schlimm, doch es sollte sich noch aufhellen. Die EDITORS konnten auch mit dem aktuellen, vierten Album “The Weight of your Love” chartmässig punkten, das mit Platz 4 in Deutschland so erfolgreich war wie nie zuvor. Dennoch haben sich auch ein paar Änderungen vollzogen. So klingt der Sound mittlerweile deutlich rockiger/ erdiger, der Synthie Anteil wurde fast vollständig getilgt, was Parallelen zu MADRUGADA oder sogar U2 (insbesondere bei der Singleauskopplung “A Ton of Love”) auf den Plan ruft. Die heutige Setlist der Herren aus Birmingham kombinierte aber sehr geschickt die verschiedenen Bandphasen, sämtliche Alben waren fast gleichwertig vertreten. Eher ungewöhnlich heutzutage, so spielten die EDITORS beispielsweise gleich 6 Songs vom Debüt-Longplayer “The Back Room” – sicherlich zur Freude der langjährigen Fans. Auch das Line Up zeigte sich verändert: Anstelle von Gitarrist Chris Urbanowicz, der 2012 die Band verlassen hatte, fanden sich 2 neue Player im Team. Justin Lockey an der Langaxt, sowie ein gewisser Nick (ebenfalls Gitarre plus Synties), der stark im Hintergrund agierte. Dazu natürlich Drummer Ed Lay und am Bass zur Rechten Russell Leetch, der mich an eine jüngere Ausgabe von Wallander-Darsteller Rolf Lassgard erinnerte.

Musikalisch gab es wie bereits erwähnt Songs aus allen Bandphasen, so etwa “Formaldehyde” von der aktuellen Scheibe oder auch die elektronischeren “Eat Raw Meat = Blood Drool” und den Titeltrack vom Vorgänger. Tom Smith präsentierte sich in stimmlicher Bestform, zudem lebte er seine Stücke derart in Mimik und Gestik, dass man fast eine Gänsehaut bekommen konnte. Teils an der Gitarre, dann wieder am Keyboard oder auch mal darauf steigend performend – immer gab er den perfekten Fronter, während seine Begleitmannschaft präzise aber etwas im Hintergrund agierte. Auch gab es neben der passenden Lichtuntermalung keine weiteren Effekte, keine Leinwand, keine Pyros, keine sonstigen Auswüchse “moderner” Konzerte. Just Pure Rock mit eindeutigen Wave-Anteilen. Und mit viel Schweiss, denn aufgrund der Menschen”massen” war der Hitzegrad doch deutlich angestiegen. Ohne viel Heckmeck oder ausschweifende Ansagen ging es Schlag auf Schlag in Richtung Zielgerade des Hauptteils, den “Honesty” mit einem aufpeitschenden Schluss-Part beschloss. In der nun folgenden kurzen Pause wurde bereits “Papillon” gefordert, doch zuvor gab es natürlich (3) weitere Zugaben mit “Camera”, “Smokers…” und dem ruhig beginnenden “Nothing”. Aber schlussendlich bekam die Meute natürlich das, was sie wollte. “Papillon” führte zu noch mehr Begeisterung als zuvor, die Hände wurden gereckt, ein vielstimmiger Chor setzte ein und die EDITORS verlängerten den Song in brillanter Art und Weise, bis dann irgendwann doch die Lichter ausgingen und damit der reguläre Discobetrieb im Ringlokschuppen eingeleitet wurde. Fulminantes Konzert einer perfekt aufeinander eingespielten Gruppe, die mit Herz und Leidenschaft musiziert und dabei völlig ohne aufgesetztes Image und Co. auskommt. Schon jetzt ein großes Highlight 2014!

Setlist THE EDITORS
Sugar
Someone Says
Munich
An End Has a Start
Formaldehyde
Lights
Bullets
The Racing Rats
A Life as a Ghost
Eat Raw Meat = Blood Drool
All Sparks
In This Light and on This Evening
Bricks and Mortar
A Ton of Love
Bones
Honesty

Camera
Smokers Outside the Hospital Doors
Nothing
Papillon

Copyright Fotos: Karsten Thurau

2 Kommentare

  1. ChrisHtims sagt:

    Toller ausführlicher Bericht, jedoch mit einem Fehler: Elliott Williams hat die Editors leider verlassen, um sich um sein Solopojekt Y.O.U. kümmern zu können. Der neue Mann heisst Nick. Der Nachname ist mir allerdings nicht bekannt.

    Die Editors sind wirklich ein Highlight 2014 und immer wieder ein oder auch mehrere Konzertbesuche wert 🙂

  2. Karsten Thurau sagt:

    Besten Dank für die Info. Online sei Dank hab ich es direkt abgeändert:)

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