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EDITORS – THE MACCABEES – WINTERSLEEP

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 20.11.2009

Es ist wenig gelungen, wenn Konzerte früher beginnen, als gemeinhin angekündigt wurde. Andererseits eigentlich sehr erfreulich, wenn das Publikum nicht stundenlang rumstehen und ellenlange Umbauphasen ertragen muss, was ich im Ringlokschuppen noch nie erleben musste. Schade allerdings, die erste Band des Abends fast völlig zu verpassen und nur noch zweieinhalb Songs erleben zu dürfen. In diesem Fall handelte es sich immerhin um die großartigen Kanadier von WINTERSLEEP, die ich doch so verzweifelt gern von Anfang an gesehen hätte. Sei’s drum, schließlich spielen sie ihren „Jahrhundertsong“ („Miasmal Smoke & The Yellow Bellied Freaks“) an letzter Stelle ihres artig beklatschten Sets und so bin ich ein wenig versöhnt. Schon unglaublich, dass musikalische Virtuosität und leidenschaftliche Hingabe selbst auf großen Bühnen noch eine gewisse Intimität vermitteln können. Zumindest war ich nicht der Einzige, der begeistert applaudiert hat.
(Hififi)

Die nun folgenden THE MACCABEES hatten sich bislang meiner Kenntnis erfolgreich entzogen, will sagen ich betrat musikalisches Neuland (mit dem Namen habe ich bislang eher den Rastafari MACKA B assoziiert…). 5 Herren, wahlweise in Brighton und London ansässig, die vom NME als „Best New Band in Britain“ bezeichnet worden sind. Das war zu Zeiten des Debüts „Colour it in“, mittlerweile hat man mit „Wall of Arms“ eine zweite Platte veröffentlicht. Mit Songtiteln kann ich leider nicht dienen, doch der Indie Pop Rock mit ganz leichter Wave Schlagseite schrammelte recht unterhaltsam durch Ostwestfalen und das einschlägig bewanderte Publikum spendierte sehr ordentlichen Applaus. Besonders auffällig für mich die Haltung der Gitarren: Man wurde unwillkürlich an BELA Bs „Gitarre runter“ erinnert, so hoch hingen die Langäxte, aber das soll ja anscheinend wieder im Kommen sein, wurde mir aus beflissenem Mund zugeflüstert. Ein passender und gefälliger Anheizer für den nun folgenden Haupt Act des Abends.

Die EDITORS sind wahrlich eine Band der Stunde, die Zuschauerzahl übertraf nicht nur meine Erwartungen sondern beispielsweise auch die von Herrn MANSON am Vorabend im Palladium. Und Gothics waren auch heuer anwesend, wie man insgesamt eine sehr bunte Mischung aus Normalos, Indies und Schwarzgewandeten ausmachen konnte. Kein Wunder bei der Stilrichtung der Briten, die da lautet „Indie Rock mit reichlich 80er Einflüssen“ und mittlerweile recht starkem Elektronik-Anteil. Die neue Scheibe „In this Light and on this Evening“ stiess ob der dominanten Synthies nicht überall auf Lob, mir gefällt das Drittwerk der 4 Herren ausnehmend gut. Live war eine Annäherung von Gitarren und Keys zu erwarten und genau diese Symbiose präsentierten die EDITORS perfekt. So stieg man gleich mit dem beschwörenden Titeltrack der eben erwähnten Langrille ein, wobei Tom Smith an einem Piano hantierte, wenn er nicht gerade einen wohlklingenden Bariton zum besten gab. Die LEDs im Hintergrund zauberten interessante Farbeffekte, welche die teils kühle, teil impulsive Stimmung der Songs bestens in Szene setzten. Und das Publikum jubelte eh bei den ersten Tönen jedes neu angespielten Titels, unabhängig vom Erscheinungsjahr. Mit „Bullets“, „An End has a Start“, „The Racing Rats“ oder dem interessant betitelten „Smokers outside the Hospital Doors“ wurden ältere Singles präsentiert, dazu gab es natürlich auch viele neue Songs auf die Ohren. Das sehr pathetische „Bricks and Mortar“ beendete dann auch das reguläre Set, hier agierte Herr Smith an den Synthies, während die Gitarre in den Hintergrund trat. Aber natürlich fehlte noch die aktuell recht erfolgreiche Auskopplung „Papillon“, die fast klassischen 80er Synthie Pop Stoff bietet und selbstverständlich Teil der Zugabe war. Mitsingen garantiert und die Stimmung erreichte einen weiteren Höhepunkt.

Eine musikalisch präzise, optisch erfrischend unprätentiöse Band, die mit ihrem Sound einen gelungenen Brückenschlag bietet von Alt und Neu, Rock und Electro, Pathos und Gradlinigkeit. Die über 2000 Fans dürften an diesem warmen November Abend jedenfalls äusserst zufrieden den Ringlokschuppen verlassen haben.
(TK)

Setlist EDITORS
In This Light And On This Evening 
An End Has A Start 
Bullets 
You Don’t Know Love 
Bones 
The Racing Rats 
The Boxer 
Lights 
Escape The Nest 
Like Treasure 
The Big Exit 
Eat Raw Meat = Blood Drool 
When Anger Shows 
You Are Fading 
Smokers Outside The Hospital Doors 
Bricks And Mortar 

Walk The Fleet Road 
Munich 
Papillon 
Fingers In The Factories

Copyright Fotos: Dani Vorndran

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