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EF – LONG DISTANCE CALLING

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 15.04.2010

Während sich draußen mit viel Tamtam der Frühling ankündigte, erwartete die Freunde des Post-Rocks ein fetter Doppelpack, denn EF sind zum elften Mal in der siebenjährigen Bandgeschichte auf Europa-Tour, um ihr drittes Album „Mourning Golden Morning“ zu präsentieren. Für den Gig in Bielefeld konnten sich die Schweden die Unterstützung von LONG DISTANCE CALLING sichern und die Münsterländer waren ohne Zweifel mehr als nur ein schneller Anheizer im Bielefelder Forum.

So ging es auch gleich mit feinstem Gegniedel los, als der Fünfer um 21.15 Uhr die Stage betrat und ob der kraftvollen Gitarrenlicks stellte sich in der gut gefüllten Konzertstätte gleich gespannte Aufmerksamkeit und zustimmendes Kopfnicken ein. Auch „Black Paper Planes“ vom letztjährigen Longplayer „Avoid The Light“ ließ es nach einem sphärischen Start ordentlich krachen und die Langäxte donnern, ehe Drummer Janosch beim dann folgenden Song die Vorhut bildete, die alsbald von Daves und Flos flirrenden Sechssaitern begleitet wurden, während Raimut für die Sprachfetzen aus dem Computer und Jan am Bass für das stabile Rhythmusgerüst sorgte. Rhythmusbetont schloss sich auch „359°“ an, das ein wenig schwermütig begann, dann aber ähnlich wie „Apparations“ neben druckvoller Melancholie auch viel Schmackes mitbrachte. Härtere Töne übernahmen schließlich auch beim finalen „The Very Last Day“ das Sagen. Der Sound der seit 2006 agierenden Truppe ging erneut unter die Haut und einmal mehr bewiesen LONG DISTANCE CALLING, dass Vocals nicht unbedingt nötig sind, denn die Lautmalereien, die Reimut seinem Laptop entlockte, reichten allemal. Vielmehr versteht es das Quintett perfekt, mit seinen Instrumenten eine enorme Spannung mit jeder Menge Emotionen aufzubauen. Entsprechend sind auch die 55 Minuten Spielzeit wie im Flug vergangen, wobei die Jungs meinetwegen gern noch ein paar Lieder (also mindestens noch eine Stunde) hätten performen dürfen.

Aber nach einer guten halben Stunde Umbaupause stand ja noch ein besonders leckeres Schwedenhäppchen auf dem Programm. Allerdings fragten wir uns zuvor, was es denn mit dem „Kapitän-Platte“-Backdrop auf sich hatte, das von drei emsigen Helfern im Bühnenhintergrund befestigt wurde. Sollte es noch eine dritte Kapelle geben? Nein, es handelte sich um eine Werbemaßnahme des gleichnamigen Bielefelder Vinyl-Labels, das die neue EF-Scheibe für den heimischen Plattenspieler parat hält. Jetzt stand allerdings erst einmal die Live-Darbietung im Mittelpunkt, die um 22.45 Uhr mit krachenden Drums und verspielten Gitarren startete. Das Stamm-Trio, bestehend aus Niklas Åström (Drums, Melodica), Daniel Öhman (Gitarre, Vocals, Laptop) und Tomas Torsson (Gitarre, Vocals), wurde noch von einem weiteren Sechssaiter sowie einem Stahlsaiter komplettiert und zeigte sich gewohnt spielfreudig. Schon bald wurde beim Opener „Sons of Ghosts“ der neuen Langrille die erste Langaxt mit einem Geigenbogen bearbeitet, während Niklas zu „Final Touch/Hidden Agenda“ vom ersten Longplayer „Give Me Beauty…Or Give Me Death!“ aus 2006 zur Melodica griff und der Bassist dem Xylofon verträumte Klänge entlockte, die auf eindringliche Gitarren und emotionalen Zwiegesang trafen. Schlussendlich entluden sich die Gefühle in brachialen Riffgewittern mit viel Tempo, ehe zartes Pianogeklimper die letzten Sekunden markierte, die ein Teil der Band auf dem Boden sitzend verbrachte. Gleiches wiederholte sich beim aktuellen „Longing For Colors“, wobei hier neben einem großen Becken als zusätzliches Rhythmusinstrument auch noch ein Glöckchen zum Einsatz kam. EF spielten in bewährter Brillanz ihre Laut-Leise-Variationen, bauten atmosphärisch dichte Spannungsbögen auf, die sich in massiven Klangkaskaden entluden und pünktlich um Mitternacht in einem knackigen Trommelwirbel endeten.

Für die 15-minütigen Zugabesession wurde mithilfe von vier Feuerschalen ein wenig Lagerfeuerromantik auf die Bühne gezaubert, bevor EF den Song „Hello Scotland“ ihres Debüts in „Hello Bielefeld“ umdichteten und noch einmal alle Post-Rock-Register zogen. So schloss der Abend mit einem grandiosen Schlusspunkt, wobei es zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Mängel zu verzeichnen gegeben hätte. Ganz klar waren LONG DISTANCE CALLING hierbei mehr als nur eine „kleine“ Vorband, was sich schon in der Spielzeit widerspiegelte. Auf ihre Art haben mir die Westfalen sogar noch besser gefallen als der Hauptact, da in ihrer Musik einfach noch mehr kreative Wut steckt, die bei EF eher durch skandinavische Melancholie kanalisiert wird.

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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