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EF – SAMURAJ CITIES – OBSTACLES

Ort: Münster - Gleis 22

Datum: 26.01.2008

Etwas ganz besonderes erwartete uns an diesem Samstag Abend im Gleis 22 gegenüber vom Münsteraner Hauptbahnhof. Gleich drei skandinavische Bands hatten den Weg in die Westfalen-Metropole gefunden, wo sie im gut gefüllten Gleis einen Instrumental-Abend bestreiten wollten.. Alle drei Kapellen waren mir im Vorfeld völlig unbekannt, außer einem kurzen Reinhören auf Myspace hatte es bis dato keine Berührungspunkte gegeben, umso spannender gestaltete sich das Konzertereignis, welches mit OBSTACLES aus Kopenhagen begann.

Die Herren Thomas Feltheim (guitar) und Morten Clausen (drums), die sich hinter OBSTACLES verbergen, hatten sich für die Bühne noch der Hilfe eines Keyboarders und Bassisten versichert. Gemeinsam legte das Quartett um 21.10 Uhr los und startete mit feinem, aber heftigen Indie-Geschrammel. Dabei verzichtete die Band dem Motto des Abends entsprechend auf Gesang, lediglich vom Band wurde kurzfristig eine Stimme eingespielt. Recht hart und schnell schloss sich „Nye“ an, bevor es bassbetont und sehr knackig mit „Beat“ weiterging. Der Songtitel war hier wirklich Programm, wobei auch „Larm“ (dänisch für Lärm) seinem Namen gerecht wurde. Im besten Indie-Sinne allerdings! Hier ging es derart zur Sache, dass Morten nach seinem Schlagzeug-Solo erst mal sein T-Shirt auszog. Mein Highlight der Dänen war „Life“ mit seinem psychotischen, langsamen Anfang, bei dem abermals eine männliche Stimme aus dem Off zu hören war, um schon bald wieder Fahrt aufzunehmen. Dass beim folgenden „Math“ eine Monitorbox vom Getränkekistenturm fiel, störte den Hörgenuss keineswegs, auch die Combo nahm es mit Gelassenheit, man freute sich offensichtlich einfach vor einem interessierten Publikum spielen zu können, das vom ersten Moment an gut mitging. Zum schrebbeligen „Insurgents“ wiegte sich derweil der Keyboarder geradezu in Trance, dann beendete ein Song über die gewaltsamen Ausschreitungen in Kopenhagen das halbstündige Set. Das langsame „This City“ wirkte auch ohne Text sehr eindringlich und setzte einen schönen Schlusspunkt unter die erste Darbietung.

Setlist OBSTACLES
Aeroport
Nye
Beat
Larm
Life
Insurgents
Math
This City

30 Minuten sollten nun die schwarzen Vorhänge vor der kleinen Bühne geschlossen bleiben, bevor die erste schwedische Band die Stage enterte. SAMURAJ CITIES existieren seit 2005, anfangs als Duo unterwegs, sind sie inzwischen zum flotten Vierer gewachsen. Erstmals wurde im Gleis gesungen, auch wenn die Stimme ein wenig unterging. Dies lag zum einen daran, dass der Gesang zu breiig abgemischt war, zum anderen war wohl der Auftritt in Halle am Vorabend Gift für die Stimmbänder. Letztlich passte dieser Umstand aber zum Instrumental-Ansatz, wir hatten im Grunde ja gar nicht mit Gesang gerechnet und was nicht übers Mikro kam, machte der Sänger am Mini-Keyboard wett, während der Gitarrist zu „My Modest Ones“ bereits am Boden kniete. Die Jungs aus Göteborg boten schönes Indie-Geschrammel, das im Weiteren mit Songs wie dem schwungvollen „Not Another Runner“ oder dem energiegeladenen „THXA 1000000“ noch eine deutlich schwedische Prägung irgendwo zwischen MANDO DIAO und THE HIVES erhielt. Vorher ließ jedoch beim locker-flockigen „Weekend“ auch PHILLIP BOA grüßen. Aber auch ruhigere Nummern wie „One Dream Ahead of You“ oder „Saturday Night Is Never Fair To Everyone“ vom 2006er Debüt „Cheap Deluxe“ wussten zu gefallen. Mit „Uhuhuhu“ hatten die Schwedenhäppchen außerdem neues Material im Gepäck, welches hochdramatisch rüberkam und den Schweiß fließen ließ. Fulminanter Abschluss des Gigs war das fröhliche „All Along The Shoreline“, bei dem die Burschen noch mal alles gaben, Gitarren in die Ecke flogen, der Gitarrist und Sänger so von seinem Instrument befreit die Bühne verließ und sich in der ersten Reihe unter die Zuschauer begab, um von dort weiterzusingen. Wieder auf der Stage angekommen, knieten zum Schluss alle am Bühnenrand und boten eine schräge Alternative-Version des SINATRA-Klassikers „My Way“, bevor sich um 22.45 Uhr abermals der Vorhang senkte.

Setlist SAMURAJ CITIES
So Sorry So Sorry So Sorry
My Modest Ones
Weekend
One Dream Ahead of You
Not Another Runner
Thxa 1000000
Saturday Night Is Never Fair To Everyone
Uhuhuhu
All Along The Shoreline

Wie es schien, war der nun anstehende Umbau ein großes und gut zu hütendes Geheimnis. Blicke durch den Vorhangschlitz waren nicht gern gesehen, peinlich genau wurde darauf geachtet, dass die Stoffbahnen neugierige Blicke verhinderten. Was sich dort so spektakuläres tat, entzieht sich meiner Kenntnis, ungewöhnliches gab es jedenfalls nicht zu entdecken, als um 23.25 Uhr EF loslegten. Dies sollte sich jedoch in musikalischer Hinsicht schnell ganz anders darstellen. Die Herrschaften, die ebenfalls aus Göteborg stammen, nahmen ihre Zuhörer mit einem geradezu magischen Sound gefangen, der tatsächlich fast gänzlich ohne Gesang auskam. Hier und da wurde wie beim Opener „Thrills“ ins Mikro gehaucht oder erklang eine mystische Stimme vom Band, ansonsten ließ das Quintett seine Instrumente wirken, die auf eigenwillige Art zum Einsatz kamen. Da bearbeitete Tomas ebenso wie Claes die Gitarrensaiten mit einem Geigenbogen oder fanden u.a. bei „Hello Scotland“ auch ein Cello und eine Harmonika Verwendung, während Niklas voller Inbrunst die Felle bearbeitete. Der Gute ging ganz offensichtlich völlig in der EF-Mucke auf. Abgesehen von seinem engagierten Einsatz hinter der Schießbude, saugte er in seinen Spielpausen die Töne seiner Kollegen geradezu ein und wiegte mit geschlossenen Augen entrückt hin und her. Das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten war allerdings auch wirklich atemberaubend. Leise Passagen wechselten mit fordernden Einlagen, eine ungeheuer kraftstrotzende Umsetzung, die gefangen nahm. Dabei schienen EF ihr Publikum nicht wirklich wahrzunehmen, hier und da wurde mal ein Blick ins Auditorium geworfen, in erster Linie waren die Protagonisten jedoch völlig in ihren sehr emotionalen, ohne Zweifel alle fesselnden Songs versunken. Die Titel gingen dabei nahezu fließend ineinander über, wurden hier und da mit dahingehauchten Vocals versehen, während allerlei Equipment zum Einsatz kam. Da war dann auch schon mal ein Xylophon mit im Spiel, legte Mikael seinen Bass zur Seite und verlegte die Rhythmuserzeugung an die Percussions, während vom Band Streicher eingespielt wurden bzw. wir bei „A Tailpiece“ livehaftig auch Jonathan an der Trompete erleben durften. EF gniedelten so aufs Feinste 75 Minuten vor sich hin und schienen sich selbst in totale Verzückung gespielt zu haben, sollte ich das Bild richtig gedeutet haben, das sich mir beim abschließenden „Tomorrow My Friend….“ bot. Hier gaben die Fünf noch mal alles und ließen es noch mal richtig krachen. Ein eruptives, orgiastisches Finale, das eine total erschöpfte Band zurückließ, die sich ohne weitere Zugabe backstage begab. Ein Musiker entschuldigte sich noch, man könne nicht mehr spielen, der Zauber, den EF im Gleis 22 versprüht haben, hätte eine Zugabe auch nicht mehr intensivieren können und die Schöpfer dieser besonderen Stimmung machten wahrlich einen ausgepowerten Eindruck.

Setlist EF
Thrills
Hello Scotland
Bjärnen
A Tailpiece
Tomorrow My Friend…

So ging ein abwechslungsreicher Abend zur Neige, der einmal mehr die Frage aufwarf, woher diese Skandinavier nur ihre musikalische Allmacht nehmen. Es scheint ganz so, als würden unsere nordischen Nachbarn so langsam in jedem Genre zum Maß der Dinge. Besonders von EF hoffe ich in Zukunft noch mehr zu hören, wer dies vermittels Konserve tun möchte hat mit den beiden Longplayern „I Am Responsible“ (VÖ 2008) und „Give Me Beauty…Or Give Me Death!“ (2006) die Möglichkeit dazu. Unbedingt zu empfehlen!

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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