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EISBRECHER – A LIFE DIVIDED

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 29.11.2013

Regnerische 4°C sind auch Ende November nicht unbedingt die Temperaturen, bei denen man einen Eisbrecher benötigt. Trotzdem war der EISBRECHER aus dem fernen Bayern beim Bielefelder Ringlokschuppen vor Anker gegangen, denn die Bajuwaren befinden sich auf großer Jubiläumstour. Zehn Jahre ist es inzwischen her, dass sich Alexander „Alexx“ Wesselsky und Jochen Seibert aka Noel Pix von MEGAHERZ trennten und EISBRECHER ins Leben riefen. MEGAHERZ gibt es ebenfalls immer noch, die größeren Erfolge konnten jedoch eindeutig die EISBRECHER verbuchen, die mit ihrer fünften Studioplatte „Die Hölle muss warten“ bis auf die dritte Chartposition vorrücken konnten, während sich die ehemaligen Mitstreiter mit ihrer fast zeitgleich erschienen „Götterdämmerung“ mit einem ebenfalls respektablen Platz 19 begnügen mussten. Die Neue Deutsche Härte ist hierzulande ganz offensichtlich durchaus angesagt, wozu vermutlich auch Alexx’ TV-Präsenz beigetragen hat. An diesem Freitagabend hatte auf jeden Fall ein erkleckliches Fan-Völkchen den Weg in die große Ringlokschuppen-Halle gefunden, in der die Geburtstagsfeier steigen sollte.

Der barhäuptige Herr Wesselsky hatte sogar Geschenke für das Auditorium dabei: Äpfel, Bananen und Ingwer – schließlich sind Vitamine wichtig in der nasskalten Jahreszeit. Ja, so sind sie, die heutigen Rockstars. Nix mehr mit Sex, Drugs & Rock’n’Roll – am 18. November hat der Mann schließlich seinen 45. Geburtstag gefeiert und da fängt man womöglich langsam an, an seine Gesundheit zu denken. Oder seiner Vorband Süßigkeiten hinzustellen, falls die Jungs während des Gigs mal einen Zuckerschub brauchen. A LIFE DIVIDED standen jedoch noch in vollem Saft und so verschenkte Fronter Jürgen Plangger die Schokoriegel gleich einmal an die Zuschauer, die nach einem langen Intro mit „The Lost“ vom diesjährigen Longplayer „The Great Escaape“ direkt unter Beweis stellten, in bester Feierlaune zu sein und die häufig anzutreffende ostwestfälische Zurückhaltung über Bord warfen. So wurde auch „It Ain’t No Good“ kräftig mitgeklatscht und nachdem diese Nummer ordentlich ins Bein ging, waren ein paar Energiespender sicherlich nicht verkehrt. Dank „Words“ folgte ein knackiger Shouter vom 2011er Longplayer „Passenger“, bevor das melodische „Feel“ poppige Versatzstücke im Rock-Gewand servierte. „Hey You“ schickte unter Lichtgewittern einen Gitarrenorkan nebst Trommeltornado über die Stage, ehe selbige für das VNV-NATION-Cover „Perpetual“ in blaues Licht getaucht wurde. Vor nicht einmal zwei Wochen hatten Ronan Harris und Mark Jackson an genau dieser Stelle das Original performt, jetzt gab es den Song weniger synthetisch, aber aus diesem Grund auch etwas gewöhnungsbedürftig auf die Ohren. A LIFE DIVIDED ließen es jedoch düster-metallisch krachen und man musste schon genau hinhören, um den Ursprungssong zu erkennen, wobei die Jungs ihre Sache wahrlich nicht schlecht gemacht haben. Immerhin gibt es auch diese Formation bereits seit zehn Jahren und Kollege Plangger, der zudem seit 2006 bei EISBRECHER den Sechssaiter bearbeitet, wusste durchaus, wie er seine Crowd zu „The Last Dance“ bewegen konnte. Es gab NDH-Standards für den Dancefloor, um schließlich mit dem abwechslungsreichen „Heart On Fire“ die Textsicherheit der Zuschauerschaft abzufragen. Hier tummelten sich ganz offensichtlich jede Menge Wiederholungstäter und so wunderte es nicht, dass es nach einer guten halben Stunde reichlich verdienten Applaus und Zugaberufe zu hören gab. Aus einem Nachschlag wurde zwar nichts, aber zumindest den Jürgen sollte man nach einer kleinen Verschnaufpause ja noch einmal zu sehen und hören bekommen.

Setlist A LIFE DIVIDED
Intro
The Lost
It Ain’t Good
Words
Feel
Hey You
Perpetual (VNV-NATION-Cover)
The Last Dance
Heart On Fire

Begleitet von 70er-Jahre Disko ging es in die Pause, ehe die Titelmelodie des A-Teams den Spannungsbogen wieder ansteigen ließ. Die zwei an den beiden Bühnenrändern positionierten Fäuste in Übergröße leuchteten in einem tiefen Rot auf und eine Computerstimme begrüßte das angenehm gefüllte Auditorium noch einmal. Bühne frei für EISBRECHER auf ihrer „10 Jahre, 11 Shows, 12 Tausend Meilen“ Konzertreise, für die es schon im Vorfeld gerade für Süddeutschland sogar einige ausverkaufte Hallen zu vermelden gab.

Die Setlist war im Vergleich zur „Die Hölle muss warten“ Tour um einiges umgebaut worden und wies, wie es sich zu einem Jubiläum gehört, auch ansprechend viel älteres Material auf. Zu Beginn gab es mit „Kein Mitleid“ gleich das volle Brett auf die Ohren, kein schlechter Fingerzeig für den Abend also. Alexx erschien diesmal zunächst eher schick in Hemd und Weste und honorierte höflich das Warm-Up durch A LIFE DIVIDED, um dann mit „Willkommen im Nichts“ gleich den nächsten Gassenhauer zu präsentieren. Es folgte ein kurzer (Rück)Blick auf die letzten zehn Jahre und die Freude darüber, noch immer mit EISBRECHER unterwegs zu sein (was natürlich den Fans zu verdanken sei) und sodann mit „Antikörper“ sowie „Adrenalin“ ein weiterer Griff in die prall gefüllte Song-Schatzkiste, bevor mit dem hymnischen „Augen unter Null“, bei dem die Bühne in rotes Licht getränkt wurde, erstmals aktuellere Kost geboten wurde. Nach einem Plädoyer für die CD (ironischerweise anlässlich des 2-Track-Jubiläumsbundle als erste eisbrecherische non-physische Single-Veröffentlichung) konnte „Amok“ abermals durch seine Choreo mit den schon fast altgedienten Fässern ein optisches Highlight setzen und auch „Eiszeit“, bei dem dann doch noch die Polarausrüstung zum Einsatz kam, mundete gleichsam vertraut. Das sich anschließende „Leider“ rockt immer noch wie die berühmt-berüchtigte Schmitz Katze, mindestens genauso euphorisch mitgeklatscht wurde allerdings bei „Prototyp“, zu dem nur noch echter Funkenregen gefehlt hat. Die großartige, selbstbetitelte Bandhymne, die in einer 2013er Version auf der vorgenannten “10 Jahre Eisbrecher” Single zu finden ist und bei der Alexx nunmehr zu Kapitänsmütze und Eispickeln griff, leitete nachfolgend den nächsten Klassiker-Abschnitt ein; dieser wurde unter anderem ergänzt durch „Schwarze Witwe“, zu der ein wenig Hochprozentiger gereicht wurde. „Herzdieb“ offenbarte Alexx später als eines seiner Lieblingslieder, womit er definitiv nicht allein da steht, und „This is deutsch“ beendete schließlich als deutschrockender Musikantenstadl und mit Rauchsäulen fulminant den regulären Teil der Show, der nach nur kurzer Unterbrechung in „Heilig“ jedoch seine verdiente Fortsetzung fand. „Verrückt“ endete mit tosendem Applaus und war an dieser Stelle natürlich nur noch zu toppen vom „Miststück“. Doch die Herren ließen sich nicht lumpen und kamen nach einer weiteren Pause noch einmal mit „Ein Leben lang unsterblich“ zurück, übrigens einer der auf der Bandhomepage von den Fans speziell für die Tour gevoteten Songs. Gegen 23.10 Uhr war dann aber endgültig Schluss, auch wenn ein, zwei Stücke wie z.B. „Kann denn Liebe Sünde sein“ nach meinem Geschmack gern noch gegangen wären. Aber dann halt wieder beim nächsten Mal. In diesem Sinne: Auf die nächsten 10!

Setlist EISBRECHER
Kein Mitleid
Willkommen im Nichts
Antikörper
Adrenalin
Augen unter Null
Amok
Eiszeit
Leider
Prototyp
Die Engel
Eisbrecher
Schwarze Witwe
Vergissmeinnicht
Herzdieb
This is deutsch

Heilig
Verrückt
Miststück

Ein Leben lang unsterblich

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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