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EISBRECHER – JESUS ON EXTASY

Ort: Bochum - Matrix

Datum: 22.09.2008

ES WIRD KALT!

Dies mag zwar auf die Außentemperaturen zutreffen, hatte doch an diesem Montag um genau 17.44 Uhr der kalendarische Herbst begonnen (eingeläutet mit „November Rain“ in der vollen 9 Minuten Version), jedoch nicht für die Matrix. Dort hatten wir uns eingefunden, um den EISBRECHERn unsere Aufwartung zu machen. Wie zu erwarten war es brechend (Achtung Wortspiel!) voll und mit fortschreitender Uhrzeit wurde es immer wärmer und stickiger. Doch bevor wir den Bajuwaren ansichtig wurden, mussten wir erst noch die Vorband überstehen.

Für die „Sünder“ – Tour hatte man JESUS ON EXTASY verpflichtet, angeblich um mit dieser Maßnahme mehr Mädchen „anzulocken“, die man dann hinterher abschleppen könne. Na ja gut, lass ich jetzt mal so durchgehen, nachvollziehen konnte ich die Entscheidung trotzdem nicht so ganz. Vielleicht liegt das aber auch an meiner persönlichen Abneigung gegen JOE nach einer skurrilen Erfahrung mit Fronter Dorian Deveraux im vergangenen Jahr und meiner allgemeinen Abneigung gegen 08/ 15 Goth Pop Rock. Auf jeden Fall startete man, inzwischen zum Quartett geschrumpft (Alicia Vayne soll Gerüchten zufolge die Band verlassen haben), mit dem Intro und schon da wurde klar, dass Fans anwesend waren. Gab es doch ausreichend Applaus und hier und da vernahm man das ein oder andere Mädchenkreischen. Immerhin hatte man Heimvorteil, stammt die Band doch aus dem benachbarten Essen. Mit inzwischen zwei Alben gab es auf jeden Fall genug Material, um die nächste halbe Stunde zu füllen, leider war von den Texten wenig zu verstehen, da Herr Deveraux entweder schwer nuschelte oder irgendwas mit der Technik nicht stimmte. Und auch so fiel es mir schwer, die einzelnen Stücke auseinander zu halten, denn zugegeben, es hörte sich doch alles sehr ähnlich an und machte dadurch einen recht eintönigen Eindruck. Es fehlte einfach das Besondere, was JESUS ON EXTASY von der Masse abhebt. Für den Einstieg in die Szene sicher ganz gut geeignet, für alteingesessene wohl eher uninteressant, wirkte das Ganze doch mehr als klischeehaft. Einziger Lichtblick der „Hit“ „Assassinate Me“ vom Debütalbum „Holy Beauty“, bei dem durchaus Stimmung aufkam und mit dem sogar ich mich anfreunden konnte. Zu „Church of Extasy“ passierte dann das unvermeidbare, Dorian entledigte sich seines Oberteils und erfreute die Mädchen mit seinem nackten Oberkörper (Hühnerbrust *hust*). Ich freute mich dann doch lieber auf den verschwitzten, behaarten, männlichen Body von Alexx (den du aber aufgrund nicht vorhandener Größe auch erst auf den Fotos sehen konntest :-), Anm. des Fotographen). Mit „Neochrome“ und nach einer guten halben Stunde war dann aber auch Schluss und ein unspektakulärer Auftritt neigte sich dem Ende zu. Zu dem Zeitpunkt war ich aber schon auf dem Weg in den Vorraum um meiner Sucht zu frönen. War mir doch klar, dass ich da später nicht so viel Zeit für haben würde.
Death Angel

Setlist JESUS ON EXTASY
Intro
Drowning
Beloved Enemy
Change the world
Alone
Assassinate me
Puppet
Lies
Church of Extasy
Neochrome

Nach der eher unwürdigen Vorband und unserer Rückkehr in die Tiefen der Matrix hatten sich die Reihen doch schon merklich verdichtet und mit der Zuschauerzahl dürfte man so ziemlich an die Belastungsgrenze der Halle gekommen sein. Beste Stimmung war also garantiert und es dauerte auch nicht lange, bis Kapitän Alexx mit gleich zwei Eispickeln und seiner Besatzung im Gepäck die Bühne enterte. Die aktuelle Single „Kann denn Liebe Sünde sein?“ wurde zum Auftakt kredenzt und gleich danach richtete der blendend aufgelegte Sänger erste warme Worte an die Fans: „Es geht uns momentan nicht schlecht dank Euch. EISBRECHER haben einen guten Lauf“ konnte er freimütig verkünden, denn in der Tat, hatte sich doch die Besucherschar in Bochum gegenüber dem letzten Abstecher in die Matrix im Mai 2007 deutlich vergrößert. Aber wen wundert’s bei einem solch starken Album wie die „Sünde“ in der Hinterhand, das ja auch amtlich gechartet ist. Sämtliche Wünsche können die Bayern ihren Fans dann aber doch nicht erfüllen. Auf den Zuruf „Alexx, ich will ein Auto von Dir“, als Anspielung auf seine, inzwischen in der 5. Staffel befindliche TV-Sendung „Der Checker“, konterte der Frontmann in seiner gewohnt souveränen Art, dass man ihn doch nicht mit dem Vollidioten aus dem Fernsehen verwechseln möge, auch wenn dieser supersexy sei.

Als Reminiszenz an den Auftritt im letzten Jahr kam etwas später beim „Antikörper“ auch wieder die „Gabel von Bochum“ zum Einsatz. Anschließend trennte sich Alexx auch gleich von seiner Krawatte, die er dem Publikum überließ. Drummer René war oben rum übrigens auch (nur) mit weißer Krawatte und schwarzem Hut bekleidet, so konnte er sich bei dem brachialen „Phosphor“ sicher gut austoben. Bevor es weiterging, wurde zunächst noch ein wenig der bisherige Verlauf der Tour reflektiert und einige Spitzen über das nur mäßig besuchte Konzert zwei Tage zuvor in Nordhorn verschossen. Zusammen mit „Willkommen im Nichts“ folgte eine der immer wieder amüsantesten Textzeilen („Schampus Schlitten Titten Kokain!), ehe dann mit „Herzdieb“ eines meiner Lieblingsstücke vom neuen Album auf dem Programm stand. Inzwischen war auch Mr. Wesselsky etwas ins Schwitzen gekommen und fragte sich, wann er denn wohl das letzte Mal so geschwitzt habe. Es dauerte nicht lange, bis er mit einigem Augenzwinkern darauf kam, dass dies in Nordhorn gewesen sein müsse.

Der Sound war für die röhrenförmige Matrix erstaunlich gut und auch die Songauswahl bot eine wunderbare Mischung aus allen drei Alben. So wurde z.B. bei den ehemaligen Singles „Leider“ und „Vergissmeinnicht“ intensiv mitgeklatscht und zwischenzeitlich ließ sich Alexx sogar zu einer Euro Dance Tanzeinlage hinreißen. Popstar-Juror Detlef D! Soost, der auch noch entsprechend gewürdigt wurde, wäre sicher stolz auf ihn gewesen. Auch „Mein Blut“ mit in rotes Licht gehüllter Bühne wurde ordentlich mit Applaus quittiert, längst war der heutige Abend zu einem Selbstgänger geworden. Nur Basser Olli musste für einige Scharmützel herhalten. Da man ohne ihn nicht so abgefeiert worden sei, müsse dies wohl an seiner Anwesenheit liegen. Das sistersmäßige „Heilig“, vor dem die Bastion Hemd bei Alexx endgültig mal wieder gefallen war und das mit einer Howie Carpendale-Parodie versehene „Zeichen der Venus“ (siehe Bericht aus Nordhorn) beendeten dann das reguläre Set.

Der Zugabenteil gestaltete sich aber standesgemäß. „This is deutsch“ mit passender Trachtenkleidung, „Ohne Dich“ und natürlich „Miststück“ verlangten den Anwesenden noch einmal alles ab. Da sich die Fans aber damit immer noch nicht ganz zufrieden geben wollten, wurde mit – der gegenüber Nordhorn weiteren Zugabe – „Freisturz“ den Bemühungen gedankt und noch ein Song drauf gelegt. Nach dieser Bonusrunde endete schließlich ein perfekter Gig und wir packten unsere sieben Sachen, um uns gen Heimat aufzuschwingen.
gerrit [pk]

Setlist EISBRECHER
Kann denn Liebe Sünde sein?
Angst
Antikörper
Phosphor
Willkommen im Nichts
Herzdieb
Leider
Alkohol
Mein Blut
Vergissmeinnicht
Zu Sterben
Schwarze Witwe
Heilig
Zeichen der Venus

This Is Deutsch
Ohne Dich
Miststück

Freisturz

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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