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EISBRECHER – A LIFE DIVIDED

Ort: Hamburg - Docks

Datum: 27.11.2013

An diesem November-Mittwoch erwartete die Hamburger eine pure Ladung Testosteron in den Docks. EISBRECHER gaben, wie immer, in Hamburg ihren Tour-Auftakt. Doch dieses Mal war etwas anders – dieses Mal handelte es sich um ihre 10 Jährige Jubiläumstournee. München, Stuttgart und Berlin waren bereits ausverkauft. Erstaunlich, dass es an der Abendkasse noch Restkarten gab, wenn man die Massen am Einlass sah, die sich bei schönstem norddeutschen Nieselregen die Beine in dem Bauch standen. Zur Einlasszeit drangen immer noch Soundcheckgeräusche vom Innersten des Docks ins Freie. Die lange Fahrtzeit der Münchener von über 14 Stunden hatte vermutlich den Zeitplan etwas durcheinander gebracht und mit fast einer halben Stunde Verspätung öffneten sich die Türen.

Die Fans strömten ohne Unterlass in die Halle, die in kürzester Zeit aus allen Nähten platzte, als Alexx in Alltagskleidung und kniefreundlichen Turnschuhen die Bühne betrat, um die Hamburger zu begrüßen und A LIFE DIVIDED anzukündigen. Mit ihrem englischsprachigen Elektro-Rock wärmte die Vorband die Besucher auf. Es begann mit Mitklatschaufforderungen zu den ersten Stücken. Nicht nur unter der Anleitung des Bassisten Tobi, sondern auch ohne Aufforderung ließ sich das Publikum zum Klatschen und Mitsingen hinreißen. Etwas „größenwahnsinnig“ wollten A LIFE DIVIDED die Hamburger dann zum Mittanzen bei „Perpetual“ bewegen. Doch selbst die sympathische Aufforderung von Sänger/ EISBRECHER Jürgen Plangger konnte sie nicht dazu bringen. Umso bereitwilliger sagen sie dafür den Refrain zu „Heart on fire“ mit.

Setlist A LIFE DIVIDED
The Lost
It ain’t good
Words
Feel
Hey you
Perpetual
The last dance
Heart on fire

Während A LIFE DIVIDED dem Publikum einheizten, hatte Alexx die Zeit genutzt, um sich, wie angekündigt, in einen sexy Sänger zu verwandeln. Es sollten an diesem Abend noch mehrere „Verwandlungen“ folgen. Mal begab er sich mit Winterjacke und Mütze auf eine Polarexpedition zu „Eiszeit“, dann wieder huldigte er mit Discokugel und Silberschal dem Klassiker „Adrenalin“. Als Kapitänsjacke und Eispickel gezückt wurden, wusste jeder – jetzt würde „Eisbrecher“ gespielt werden. Mit Dieter-Nuhr-Stimme bedankte sich Wesselsky an diesem Abend für das stetige Bergauf in den letzten 10 Jahren. Als Belohnung gab es für die treuen Fans an diesem Abend eine Songauswahl, die keine Wünsche offen ließ. Mit einer so langen Bühnenerfahrung machen sich Routine und Professionalität während der Performance bemerkbar. Die perfekt eingesetzte Lichtshow und Glitzerregen rundeten die Show ab und im Takt zu „This is Deutsch“ schossen neben dem Schlagzeuger Achim Nebelfontänen empor, während Noel vom der Leadgitarre zum Kinderkeyboard wechselte. Auch brachten Probleme mit dem In-Ear-Monitoring Alexx nicht aus der Ruhe und unberührt sang er bei „Prototyp“ weiter. Männerschweiß floss in Strömen, die ohne Weh und Aber abgeschüttelt wurden. Zu „Amok“ bearbeiteten die Musiker Ölfässer und erinnerten mit ihrer einstudierten Choreografie an LES TAMBOURS DU BRONX. Spontan griff Alex den durch Noel Pix verursachten Rippenbruch auf und textet kurzer Hand bei „Leider“ eine Strophe in „ein hübsches Souvenir hat mir der Pix gemacht“ um. Nicht nur zu diesem Song bewies das Publikum beim Refrain Textsicherheit und Lautstärke. Mit Alexx und Pix betrat gleichzeitig der Testosteronüberschuss die Bühne, so war Noel an diesem Abend außer Rand und Band. Er schubste bei dem Song „Die Engel“ die anderen Gitarristen und kämpfte gegen den Drang, seinen Mikrofonständer zu werfen an. Passenderweise brachte Alex den Vergleich zwischen großen und kleinen Männern an.

Große Männer bevorzugen zu „Schwarze Witwe“ dann wohl eher Uniform und die Gerte und aus dem Bühnengraben gab es die volle Bandbreite von Au bis Ausgezeichnet. Ein Schluck Whiskey auf den Schmerz. Der Hormonspiegel der Frauen wurde durch das leicht geöffnet Hemd, dass das Brusthaar von Alexx freigab, angekurbelt und bei „Herzdieb“ mit der Aussicht auf eine intime Privatvorstellung von unter drei Minuten noch mehr gepusht oder etwa nicht? Aber EISBRECHER können auch anders. Zu dem letzten Song „Ein Leben lang unsterblich“ wurde es ruhig und romantisch, da keine Apps sondern echte Feuerzeuge zum Einsatz kamen. Da merkte man, dass im Publikum doch eher die ältere Fraktion vertreten war. Ein Highlight jedes Konzertes von EISBRECHER ist mit Sicherheit das „Miststück“, bei dem der Gesangseinsatz der ersten Reihen gefragt ist. Da wird aus dem Miststück eine Drecksau, die ein Stück Mist bekommt und die Zeit wird an eine Schlampe aus Hamburg verschwendet. Mittendrin gab Alexx dann noch ein Songfragment von CLAWFINGERs „Nigger“ zum Besten.

Den optischen Abschluss bildet die Verabschiedung der fünf schwarzgekleideten Männer mit weißen Plüschteddybären in den Armen. Dieses Bild verfolgt mich ehrlich gesagt noch heute…

Setlist EISBRECHER
Kein Mitleid
Willkommen im Nichts
Antikörper
Adrenalin
Augen unter Null
Amok
Eiszeit
Leider
Prototyp
Die Engel
Eisbrecher
Schwarze Witwe
Vergissmeinnicht
Herzdieb
This is Deutsch

Verrückt
Miststück
Ein Leben lang Unsterblich

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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