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EISBRECHER – MAERZFELD

Ort: Bielefeld – Ringlokschuppen

Datum: 13.03.2015

Passend zum Einzug des EISBRECHERs in den ostwestfälischen Ringlokschuppen waren auch die Temperaturen an diesem Freitagabend wieder nach unten gegangen, was natürlich die überwiegend „schwarzen“ Besucher nicht von ihrem Konzertvorhaben abhielt. Dennoch war der Gig in Bielefeld offensichtlich deutlich schlechter besucht als andere, mehrfach auch ausverkaufte Termine der Tour. So dürften es allerhöchstens 1300 Zuschauer gewesen sein im großen Saal, die dennoch einen würdigen Rahmen abgaben. Im Gegensatz zu beispielsweise UNHEILIG war vorwiegend entsprechend gewandetes Szenepublikum anwesend, zum Glück sind Alexx und Co. noch nicht dem Mainstream anheimgefallen. Bevor es mit der großen Fahrt losgehen konnte, hatte man noch eine stilistisch relativ ähnliche Combo im Gepäck, ebenfalls aus Süddeutschland und von Herrn Wesselsky launig angekündigt. Dieser trat vorab an den Bühnenrand und verschenkte erst mal Obst und einen kleinen Plüschbären an ein paar Glückliche, gerade diese spontanen Aktionen unterscheiden ihn von immer gleichen Genre-Kollegen.

Doch ab ins MAERZFELD, so nannte man bei den Merowingern den Heeresversammlungsort, was natürlich auch einen schön knackigen Namen für eine Neue Deutsche Härte-Combo abgibt. Die Herren um Sänger Heli sind parallel auch recht erfolgreich als RAMMSTEIN-Coverband STAHLZEIT unterwegs, da liegt es nahe, auch mal eigene Songs zu schreiben und noch näher, dass diese auch wie ihre großen „Vorbilder“ klingen. Mit den bisherigen zwei Alben „Tief“ und „Fremdkörper“ hat man sich auch durchaus schon eine Fanbase erspielt, denn obschon der Sound alles andere als eigenständig klingt, ist er doch recht treibend und professionell. Fronter Helfried Reißenweber (was für ein Name) holt sich seine lyrischen Inspirationen aus seinen Erfahrungen als Barkeeper, am Ende kommen halt die typischen Genre-Sujets dabei heraus, wie die Femme Fatale oder heute nicht mehr sonderlich provozierende Kriegsthemen. Dabei entstehen dann Songs wie die Single „Hübschlerin“, bei welcher der hauptamtliche Keyboarder Thilo Weber ein Akkordeon bedienen darf. Oder auch „La Petite Mort“ – bekanntermaßen ein sexuelles Idiom. Für 2015 ist noch ein neues Werk namens „Nackt“ angekündigt, von dem mit „Es bricht“ bereits die erste Single präsentiert wurde, die dann auch exklusiv für Besucher der Schock-Tour verschenkt wurde. Nette Aktion. Das neuere Material emanzipiert sich dann auch etwas von RAMMSTEIN, wirkt insgesamt reifer und melodiöser. Was nichts daran ändert, dass man sich in Punkto Ausstrahlung noch verbessern kann, insbesondere auch Heli sollte sich nur in seiner Cover-Formation wie eine Lindemann-Kopie geben. Insgesamt kam man an diesem Abend aber recht gut an, und ich habe schon deutlich Schlechteres in diesem Sektor gehört… 

Setlist MAERZFELD
Vaterland
Ich flieg
Hübschlerin
Maerzfeld
Fremdkörper
Es bricht
Treibjagd
La petite mort
Stalingrad

Dann konnte sie also losgehen, die große Eisbär-Party für Erwachsene. Die im Auditorium versammelten Eisländer/innen sollten hier so einiges geboten bekommen. Allein produktionstechnisch war mächtig aufgerüstet worden, die Bühnenkonstruktion glich einer Mischung aus Maschinenraum und Kommandobrücke. Aktiviert wurde dieser Koloss unter dem blinkenden Licht diverser Warnleuchten und auch musikalisch hätte es keinen passenderen Einstieg geben können, als mit dem von Cäpt´n Alexx standesgemäß intonierten „Volle Kraft voraus“. Ein Blick auf die Mannschaft des EISBRECHERs bestätigte schnell, dass Alex Wesselsky und Noel Pix inzwischen ausnahmslos erfahrene Recken um sich geschart haben. Ob nun der ohnehin zum Inventar gehörende Gitarrist Jürgen Plangger (auch A LIFE DIVIDED), Rupert Keplinger am Bass (früher bei DER W, zudem Songwriter u.a. für Peter Maffay) oder Schlagzeuger Achim Färber (PHILLIP BOA, WOLFSHEIM, PROJECT PITCHFORK etc.), jeder einzelne weist eine interessante Vita auf. Mit präziser Perfektion wurden daher auch die stahlschweren, aber dennoch eingängigen Kompositionen vorgetragen, darunter natürlich auch diverse vom aktuellen #2 Album „Schock“.

Im fast regelmäßigen Wechsel von je zwei Liedern kamen aber auch alte Gassenhauer zum Einsatz. Beim Abräumer „Antikörper“ wurde dabei besonders die insgesamt sehr stimmungsvolle und opulente Lightshow deutlich. Für eine kleinere Aufheiterung sorgte danach ein Fan, der statt „Willkommen im Nichts“ geistreich „Atemlos“ einforderte und sich dafür postwendend einen Rüffel vom Checker abholte. Seinen typischen Humor stellte dieser aber bei der Ankündigung von „1000 Narben“ unter Beweis, das auf dem Friedhof der totgespielten Superhits gleich neben „Geboren um zu leben“ zu finden sei. Weitere Alltime-Klassiker („Leider“, „Schwarze Witwe“) wechselten sich mit wuchtigen Songs der Marke „Prototyp“ und „Himmel, Arsch und Zwirn“ ab, wobei die „Schwarze Witwe“ in elektronisch geremixter Version erklang und die Herren Gitarristen dazu „Amok“-like stoisch auf zwei Ölfässer einprügelten. Auch den Part von Gastsängerin Mia übernahm bei „Zwischen uns“ eine elektronisch verfremdete Stimme, bevor dichte Nebelsäulen und diesmal Jürgen in klassischer Trachtenkleidung mit „This is deutsch“ für ein atmosphärisches Ende des regulären
Teils sorgten.

Schon waren also die Zugaben erreicht und Alexx kehrte in Polar-Ausrüstung auf die Bühne zurück, gewappnet für die „Eiszeit“. Ein kleiner Zwischenfall im „Miststück“-Tumult sorgte dann aber leider für ein etwas abruptes Ende, nachdem sich ein weiblicher Fan mit der Stange einer zuvor dem Publikum präsentierten Fahne eine Platzwunde zuzog und die Sanitäter auf den Plan rief. Da das Ausmaß der Verletzung zunächst unklar war, fand „Miststück“ keine Fortsetzung mehr und nach dem abschließenden „Schlachtbank“ verließ Alexx eilig die Bühne, um nach dem Rechten zu sehen (wie alsbald auf Facebook bekannt gegeben wurde, hatte sich das „Opfer“ namens Petra keine größeren Verletzungen zugezogen). Somit zwar ein kleiner Wermutstropfen, der sicher in Erinnerung bleibt, aber die zurückliegenden fast 100 Minuten insgesamt dennoch nicht trüben kann.
 
Setlist EISBRECHER
Volle Kraft voraus
So oder so
Antikörper
Willkommen im Nichts
1000 Narben
Noch zu retten
Leider
Prototyp
Himmel, Arsch und Zwirn
Schock
Schwarze Witwe (Rmx)
Zwischen uns
Rot wie die Liebe
Vergissmeinnicht
This is deutsch

Eiszeit
Verrückt
Miststück

Schlachtbank
 
Copyright Fotos: Karsten Thurau

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