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EISBRECHER – ZIN

Ort: Hannover - Capitol

Datum: 27.12.2010

Der EISBRECHER hatte sich an diesem Abend bereits zum zweiten Mal 2010 im Capitol angekündigt, um hier eines der vier Jahresabschlusskonzerte zu zelebrieren. Nachdem das Wetter beim letzten Konzert im April nicht ganz eiszeitmäßig war, hatte es sich diesmal perfekt auf die Jungs aus Süddeutschland eingestellt und einen perfekten Rahmen geboten. Entgegen den äußeren Bedingungen sollte der Abend jedoch richtig, richtig heiß werden. Doch bevor EISBRECHER den Saal rockten, bekamen zunächst die Leipziger ZIN die Gelegenheit, für Stimmung zu sorgen. Angekündigt wurden sie natürlich vom Checker höchstpersönlich. Dieser trat bereits eine halbe Stunde vor offiziellem Beginn vor das zum Glück doch schon zahlreich anwesende Publikum und bedachte sowohl das selbige als auch die Band mit Vorschusslorbeeren.

Um 20:30 statt wie angekündigt 21:00 Uhr ging es dann mit ZIN los. Das Quartett mit Sänger Iven Cole, Vincent Oley (Guitarr.), Mika (Drums) und Markus Estbourg (Electronics) ist seit 2006 aktiv und kann schon auf zwei Silberlinge zurückblicken: 2007 erschien „Tourist to This World“ und ganz frisch 2010 „The Definition“, dessen Cover von dem bedeutenden Maler Neo Rauch gemalt wurde. Neben dieser Ehre erhielten die Vier als „New Talent“ Sieger auch schon die Anerkennung, das diesjährige Amphi Festival zu eröffnen. Los legten ZIN passenderweise mit dem Song „2010“ vom aktuellen Werk, dem auch die nächsten drei Titel entliehen waren. Dieser erste Block endete mit „Rent my Soul“, bei dem das Publikum zum mitklatschen aufgefordert wurde, was es denn auch tat. Insgesamt waren die Reaktionen während des ganzen Sets aber leider eher verhalten, was der Band und ihrer Spielfreude nicht gerecht wurde. Vielleicht lag es an den gerade vergangenen Weihnachtstagen mit üppigem Essen, vielleicht am Christmas Ball vom Vorabend oder aber an der uneingeschränkten Vorfreude auf Alexx und seine Truppe. An ZIN selbst kann es nicht gelegen haben, machten die vier ihre Sache doch wirklich gut. Ihr Sound ist eine Mischung aus Glam, Elektro und Schrammelgitarren und weckt Assoziationen an PLACEBO oder MUSE. Die Band zeigte eine große Spielfreude und bot ein energiereiches und zugleich emotionales Set. Der zweite Teil des Konzerts war dem Erstlingswerk entnommen, wobei sich mit „Swim!“ dann doch noch ein neuer Song eingeschlichen hatte. Den Abschluss bildete „Tourist to this (fucking) World“, was das Publikum dann doch noch mal in Bewegung brachte und live hervorragend rüberkam. ZIN konnten überzeugen und ich kann mir gut vorstellen, dass unter günstigeren Konstellationen der Funke richtig überspringt. Auf jeden Fall eine Formation, die man im Hinterkopf und im Auge behalten sollte.

Setlist ZIN
2010
Hohenschönhausen
We claim Monarchy
Rent My Soul
Kiss
No Fake & Fears
Symbiosis
Swim!
Tourists to this fucking World

Nach einer dreiviertel Stunde Umbaupause war es dann soweit. Die Crew des EISBRECHERs enterte die Bühne und legte gleich mit einem echten Highlight los. „Eiszeit“, der namensgebende Titel für den aktuellen Silberling und die aktuelle Tour, wurde stilecht in arktistauglichem Outfit und in kaltes blaues Licht eingebettet dargeboten. Vom ersten Moment an waren Band und Publikum voll da und auf gleicher Wellenlänge. Es zeigte sich, dass der alte Schmeichler Alexx mit seinen Vorschusslorbeeren für das Publikum richtig lag. Auf den Opener folgte „Angst?“ vom Erstlingswerk “Eisbrecher“. Wer genau auf Alexx schaute – und das war bei den zahlreichen weiblichen Fans definitiv der Fall – konnte unter der Jacke eine sich bedenklich nach vorne wölbende Rundung erkennen. Sollte der Fronter es sich über die Weihnachtstage zu gut gehen haben lassen? Mitnichten, wie sich am Abend noch zeigen sollte. Aber dazu später mehr. Der Grund für die Wölbung lag in Stoffeisbären, die vor dem dritten Song „Bombe“ den Weg ins Publikum fanden. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Band auch des Polaroutfits entledigt und konnte im normalen Bühnenoutfit ihre schweißtreibende Show abliefern.

Nachdem mit „Willkommen im Nichts“ wieder eine Zeitreise ins Jahr 2004 vollbracht wurde, war es Zeit für einen Schluck „Jack Daniel’s“, den Dodo herbeigeschafft hatte. Klar, dass Alexx die Flasche nicht für sich allein beanspruchte, sondern ins Publikum gab. Allerdings verbunden mit der Aufforderung, einen Anstandsschluck für ihn übrig zu lassen. „Soviel Moral“ wurde vom Sänger erwartet und er wurde nicht enttäuscht. nach dem von Alexx als „großartig“ angekündigten (und ebenso vorgetragenen) „Leider“ wurden mit „Herzdieb“ und „Komm süßer Tod“ zwei Songs performt, die es im April nicht auf die Setlist geschafft hatten. Danach war es an der Zeit, die Raucher zu grüßen, die im Capitol Konzerte aus einer Raucherbar „genießen“ können. Die Erinnerung an die Zeiten, als noch munter im Publikum gepafft wurde, war der passende Aufhänger für das grandiose „Vergissmeinnicht“, welches von den Fans frenetisch abgefeiert wurde. Über „Böse Mädchen“ ging es dann passender weise direkt zu „Schwarze Witwe“, bei der mal wieder eine Outfitänderung anstand und Alexx sich mit Schiffchen und Gerte bewaffnete. Letztere bekamen alle Bandmitglieder der Reihe nach zu spüren. Als letzter war Alexx selber dran, der seinen Hintern erst dem Publikum und dann Noel zuwandte. Noel hielt sich was den Schwung betraf zurück, was von Alexx prompt mit „Feigling“ kommentiert wurde.

Nach solchen Szenen war es an der Zeit, wieder etwas Ruhiges einzuschieben und es kam der bekannte „Schlager-Block“, von Alexx und Jürgen Plangger akustisch dargeboten. Doch als nach „Tränen lügen nicht“ alle auf die „Geboren um zu Leben“-Parodie warteten, kam es anders. Alexx erläuterte, dass es im April nach der nur als Spaß gemeinten Einlage mächtig Ärger gab und dass man deshalb diesmal darauf verzichten würde. Ohne Augenzwinkern ging es aber natürlich doch nicht und so entschuldigte sich Alexx bei „seiner Heiligkeit“ und ließ noch verlauten, dass man mit dem richtigen Management und den passenden Verträgen „groß rauskommen“ kann. Weiter ging es danach mit dem ruhigeren „Engel“ und dem 2008er Titel „Heilig“, bevor wieder mal ein Outfitwechsels anstand und Alpenhut/ Lodenjacke herausgeholt wurden. Klar, es war Zeit für „This is Deutsch“ und alle waren begeistert. Nicht so euphorisch wurde die bayrische Fahne aufgenommen, doch die Rückseite mit Schwar/ Rot/ Gold und Niedersachsenpferd „versöhnte“ die Fans wieder umgehend. Nach viel Spaß bei Band und Fans an diesem Schauspiel folgte mit dem im April nicht gespielten „Kinder der Nacht“ schon der letzte Song des regulären Sets. Diesen Song zu bringen erwies sich als sehr gute Wahl, wurde er doch begeistert aufgenommen.

Die kurze Pause vor dem ersten Zugabenblock wurde für den Bühnenumbau genutzt, mussten doch vier große Fässer mit beleuchtetem Eiszeitlogo auf die Bühne gebracht werden. Diese wurden bei „Amok“ ordentlich bearbeitet und gaben dem Song live eine noch größere Wucht als auf Tonträger. Beim sehr emotional dargebrachten „Ohne Dich“ begann dann die Glückseligkeit der weiblichen Fans. Das Hochkrempeln der Ärmel und das Lösen der Krawatte wurden enthusiastisch gefeiert und lautstark begleitet. Anders als beim Konzert im April blieb es jedoch nicht dabei, denn das unverzichtbare „Miststück“ aus MEGAHERZ-Zeiten widmete Alexx seinem derartig bezeichneten Bauch und präsentierte diesen unter seinem mittlerweile aufgeknöpften Hemd. Der Song selbst wurde von wirklich allen Anwesenden lautstark mitgesungen und bildete einen optimalen Schlusspunkt dieses Zugabeblocks. Doch auch das sollte es zur Freude aller Fans noch nicht gewesen sein. Für zwei weitere Highlights kam die Band auf die Bühne zurück und inzwischen war Alexxs Oberkörper nur noch mit einem um den Hals hängenden weißen Handtuch spärlich bedeckt, was den Geräuschpegel noch mal in die Höhe trieb. Danach wurde es jedoch ganz ruhig, da der in die Setlist neu aufgenommene Song „Hauch des Lebens“ in einer akustischen Version gespielt wurde. Gänsehautfeeling pur! Als wirklich allerletzten Titel gab es dann noch „Mein Blut“ auf die Ohren der restlos begeisterten Fans.

Nach gut zwei Stunden waren Fans und Band völlig verausgabt und hatten einen fantastischen Abend hinter sich. Von allen Seiten war zu hören, dass dieses Jahresabschlusskonzert den bereits sehr gelungenen Auftritt im April noch mal getoppt habe. Das hat zum einen sicher an der geringfügig geänderten Setlist gelegen, welche um „Herzdieb“, „Komm süßer Tod“, „Kinder der Nacht“ und „Hauch des Lebens“ ergänzt worden war, wohingegen „nur“ „Eisbrecher“ sowie „Zeichen der Venus“ vom Erstlingswerk dafür auf der Strecke geblieben waren. Zum anderen waren Band und allen voran Alexx in einer riesigen Spiellaune und man hat wirklich alles (sogar bis aufs letzte Hemd) gegeben.

Setlist EISBRECHER
Eiszeit
Angst?
Bombe
Willkommen im Nichts
Leider
Herzdieb
Komm süßer Tod
Vergissmeinnicht
Böse Mädchen
Schwarze Witwe
„Schlager“: Tränen lügen nicht
Engel
Heilig
This is Deutsch
Kinder der Nacht

Amok
Ohne Dich
Miststück

Hauch des Lebens

Mein Blut

Copyright Fotos: Holger Bücker

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