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EISREGEN – BURIED TIME – NACHTBLUT

Ort: Bochum - Matrix

Datum: 22.12.2007

Zwar war mir durchaus bekannt, dass sich unter den Jüngern der Dark-Metaller EISREGEN zahlreiche unbekehrbare Wiederholungstäter aus Leidenschaft befinden, wenn es um Pilgerfahrten zu Auftritten ihrer Helden geht. Doch da das nächste Konzert der Thüringer in der Matrix für auf den Tag genau zwei Monate später – also für den 22.2. – schon angekündigt war und die meisten Geldbeutel so kurz vor Weihnachten nicht mehr allzu strapazierfähig sind, war ich davon ausgegangen, dass nicht mit vollem Haus zu rechnen sein müsste. Ich sollte jedoch eines Besseren belehrt werden, als ich kurz vor Beginn des Spektakels den Schauplatz betrat, der zwischen 700-800 Anwesenden nicht mehr viel freien Platz bot.

Die Eröffnungsschlacht sollte die Band NACHTBLUT schlagen, die sich dieses Privileg durch den Sieg in einem Voting auf Rockhard.de erstritten hatte. Obwohl die Osnabrücker Formation sich vor kaum mehr als einem Jahr zusammenfand, verfügt sie offenbar schon über eine ansehnliche Anhängerschaft. Aus dem Meer von EISREGEN-Shirts tauchte jedenfalls immer wieder auch das NACHTBLUT-Logo auf. Als sich der unmittelbar bevorstehende Auftritt des Openers durch das Löschen des Lichts im Saal und das Verstummen der Konserven-Musik ankündigte, erklangen die ersten „NACHTBLUT“-Rufe aus den dichtgedrängten vorderen Reihen. Die Stimmung war geradezu andächtig. Dann ging es los. In der Dunkelheit der Bühne ließ sich als erstes eine weibliche Gestalt in einem langen Kleid erahnen, die ihren Platz am Keyboard einnahm und mit einem Intro begann. Die Vorfreude des Publikums auf das, was nun kommen sollte, war nicht zu überhören und steigerte sich weiter, als es allmählich heller wurde und die anderen Instrumentalisten sich auf ihre Positionen begaben, um nach und nach mit einzustimmen. Ich war etwas überrascht über den sanften Auftakt, da ich von einer so finster gestylten und dreinblickenden Kapelle weitaus härtere Klänge erwartet hatte. Doch plötzlich schepperte es tatsächlich ganz gewaltig los, Frontkeifer Askeroth betrat die Bühne und brüllte die Menge zur Begrüßung aus vollem Halse an. Sofort kam Bewegung in die ersten Reihen, haufenweise „Pommesgabeln“ reckten sich empor und ein Mosh Pit hatte sich bald gebildet.NACHTBLUT wussten ihre 30minütige Spielzeit mit erstaunlicher Souveränität zu nutzen, was das Publikum, das zum Teil sogar einige Refrains mitsingen konnte, ihnen mit enthusiastischem Applaus und Zugabe-Chören dankte. Abschließend muss ich zu diesem Auftritt sagen: NACHTBLUT sind sowohl musikalisch als auch optisch ein absolut fesselndes und mitreißendes Erlebnis! Es würde mich sehr wundern, wenn diese Ausnahme-Newcomer nicht schon bald regelmäßig auf größeren Bühnen zu sehen wären.

Weiter ging es mit den Lokalmatadoren BURIED TIME, die schon musikalische Größen wie ANATHEMA supporten durften. Diese lieferten einen durchweg ordentlichen, energiegeladenen Auftritt ab und gaben sich redlich Mühe, die anwesende Zuhörerschaft von sich zu überzeugen. Allerdings hatten sie trotz Heimvorteil mit ihrem englischsprachigen Rock-Metal kaum eine reelle Chance, den EISREGEN-Fans zu gefallen und wirkten durch die Vorlage NACHTBLUTs, die vom musikalischen Standpunkt aus betrachtet dem Hauptact sehr viel näher stehen, etwas deplaziert. Wären EISREGEN ihren erwartungsfreudigen Verehrern direkt in den hitzigen Nachwehen des NACHTBLUT-Auftrittes erschienen, hätte es allerdings vielleicht ernsthafte Verletzungen gegeben…

Nach einer längeren Umbaupause inklusive Soundcheck waren EISREGEN nun bereit, den Hauptkampf des Abends in Angriff zu nehmen. Das opulente Intro „Eine kleine Schlachtmusik“ und das Anschlusslied „Eisenkreuzkrieger“ ihrer aktuellen Schlachtplatte „Blutbahnen“ stellten den Anfang ihres etwa eineinhalbstündigen Sets dar, während dessen sie unermüdlich von einer euphorisch mitsingenden, grölenden, tanzenden und moshenden Menge gefeiert wurden. Leider waren die drei Akteure um Sänger Michael „Blutkehle“ Roth auf der Bühne nur schwer auszumachen. Die momentan schwangere Keyboarderin Frau Dr. Franzenstein, die vor kurzem als Ersatz für den nach den letzten Aufnahmen abhanden gekommenen DF eingesprungen ist, Gitarrist Bursche Lenz und Schlagzeuger Yantit verschwanden nämlich während der gesamten Vorstellung im dichten Nebel. Dass kein Bassist zu sehen war, lag jedoch schlicht und einfach an der Tatsache, dass keiner vorhanden war, so wie es bei EISREGEN-Gigs schon seit längerem Usus ist. Trotzdem fehlte es der musikalischen Darbietung keineswegs am nötigen Druck. Da diese Show regulär freigegeben war, durften keine von der BPjM indizierten Stücke präsentiert werden. Um jedoch eine gute Mischung aus älteren und neuen Songs darbieten zu können und ihren Fans die Wünsche nach ihren Lieblingsliedern zu erfüllen, umgingen EISREGEN geschickt die Altersbeschränkung, die auf einigen ihrer Arbeiten lastet, indem sie sie kurzerhand als völlig neue Werke ankündigten und in einer textlich und namentlich abgeänderten Form zum Besten gaben. So erzählte Herr Roth, der durch diesen cleveren Schachzug an diesem Abend nicht „Blutgeil“ sondern „Blutgierig“ war, nicht von seiner verbotenen toten russischen Freundin, sondern einer schwedischen. Ob man EISREGENs Musik und ihren ganz speziellen Humor nun mag oder nicht – ihre zahlreichen Bewunderer in der Bochumer Matrix waren unüberhör- und unübersehbar hellauf begeistert von diesem Auftritt, den auch ich als sehr gelungen empfunden habe, auch wenn ich mir etwas mehr Aktion und weniger Nebel auf der Bühne gewünscht hätte.

Copyright Fotos: Dirk Ruchay

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