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ELBRIOT 2015

Ort: Hamburg - Großmarkt

Datum: 15.08.2015

Das Elbriot Festival stand 2015 im Zeichen von Metal und Wurst. Ja, der Wurst, so gab es Bauernwurst, Currywurst, Holsteiner, Krakauer, Rostbratwurst rot/ weiß und natürlich den guten alten Hot Dog. Wem nach mehr Fleischeslust war, der griff beherzt zum Riesenfleischspieß oder Gyros. Alternativen zum Fleischsortiment waren Schafskäse im Fladenbrot, Fischbrötchen und ein Asia-Imbiss, der genau wie die Tageskasse auf den letzten Drücker öffnete. Neben den Bierständen gab es Cocktails, Jägermeister und Jack Daniels. Auch der gemeinnützige Verein ClubKinder hatte seinen Stand unweit der Metalhand aufgebaut.

Was gab es dieses Jahr erstaunlich wenig? Stark Betrunkene, Kinder und Mülltonnen. Obwohl die spärlich gesäten Mülltonnen gut versteckt waren, wurde auch dieses Jahr wieder eine zum Crowdsurfen missbraucht. Unter die Kuttenträger mischten sich Hasenohren, Eisbären, Kiss-Look-alikes, Minions und SLIPKNOT-Fans. Die Zahl der Bartträger hatte zum Vorjahr zugenommen, auch wenn IN FLAMES Sänger Anders Fridén diese in den ersten Reihen vergeblich suchte. Dafür gab es 2015 viel harte Musik, Sonne, Regen und hohe Luftfeuchtigkeit. Genügend Dixies, die noch um 18.30 einwandfrei waren. Moshpits, Circlepits, Crowdsurfer und eine Security, die lobend erwähnt werden muss. So hatte sie fleißig mitgeklatscht, Bonbons und Wasser an die ersten Reihen verteilt und den einen oder anderen mit Luftschlangenspray überrascht.

Was es nicht gab: MASTODON, denn die mussten aus persönlichen Gründen ihren Auftritt kurzfristig absagen. In der Kürze der Zeit hatten die Veranstalter das Line Up um VITJA erweitert. Als Ersatz für MASTODON würde ich die Band nicht bezeichnen, aber als gelungenen Opener, welcher der Metal-Gemeinde um 12 Uhr mit ihrem Metal/ Hardcore gehörig die Gehörgänge freigepustet hat. So ballerten sie gleich mit „Follow The Shadows“ heftig los. Zu „Sleeping In Snow“ forderte Dave erfolglos die KREATOR-Fans in den hintersten Reihen zum Mitsingen auf. Der Auftritt von VITJA sprach eher die HC- Jugend an, die sich zu „Conversations“ und „Your Kingdom“ mit Jumpen aufwärmten. Zum Ende gab es noch ein Partnerhüpfen und den ersten Circlepit des Festivals.

Trotz des einsetzenden Regens füllte sich das Elbriot, und ESKIMO CALLBOY-Shirts tauchten als Vorboten für die nächste Band auf. Die legten auch umgehend im Zeitplan liegend mit einem gut gepolsterten Hasen und „My Own Summer“ fett los. Zu „Crystals“ durften die Fans ihre Springqualitäten und ihr Durchhaltevermögen im Moshpit unter Beweis stellen. Die Ruhrpottler schleuderten der Jugend „ We Are The Mess“ und „Hey, Mrs Dramaqueen“ um die Ohren. Währenddessen stellten die beiden Minions einen neuen Crowdsurfer-Rekord auf. Aufgrund ihres kurzen Gigs versuchten Suhi und Kevin weniger zu reden, aber immer wieder gerieten die beiden ins Sabbeln. Weiter ging es im Klatschrhythmus zu „Muffin Purker-Gurk“ und CO2- Fontänen schossen empor. Trotz der kurzen Spielzeit begab sich Sushi ans Publikum, um mit diesem das „Hinknien-und-Springen Spiel“ zu spielen. Natürlich durften „Best Day“ und „Is Anyone Up“ an diesem Tag nicht fehlen, und mit einem Crowdsurfer-Inferno endete der Auftritt.

Nach der kurzen Umbaupause konnte der Kontrast zum Electrocore von ESKIMO CALLBOY nicht größer sein, denn nun gab es straighten Rock aus Kentucky von BLACK STONE CHERRY. Sie hauten gleich zu Beginn ihren mitsinglastigen Song „Me And Marry Jane“ raus. Energiegeladen legten die vier Herren vor, so schleuderte Ben seine Gitarre und kickte sein Bein in die Luft. Drummer John hingegen hielt sich nur schwer auf seinem Hocker, wenn er sein Instrument bearbeitete. Es folgte „Rain Wizard“, und bei dem Stück „In My Blood“ sah man wie einer jungen Frau im Publikum die Tränen nur so über das Gesicht rannten. Während „Maybe Sunday“ saß die HC-Jugend an den Seiten – auf CALLEJON wartend. „White Trash Millionaire“ und „Blame It On The Boom Boom“ luden erneut zum lauthals Mitsingen ein. Mit „Lonely Train“ endete der Gig und Drumsticks und Plektren flogen gen Publikum.

Nun wurde ein an die 68er erinnerndes Banner gehisst, und mit gelockter Haarpracht betraten Dorian und Zack alias BLUES PILLS die Bühne. Mehr Bewegung gab es von den beiden auch nicht wirklich zu sehen, dafür aber zu hören. Die Sängerin Ellin wirbelte barfuß und im kurzen Röckchen umso energiegeladener auf der Bühne umher und überzeugte mit ihrer gewaltigen Stimme. Als einzige Frontfrau auf diesem Festival begann das Set passenderweise mit „ High Class Woman“. Die Mischung aus Blues, Soul und Rock passte nicht so ganz in die Veranstaltung, dennoch sah man nach der ersten Reihe wohlwollendes Zuhören und Kopfwippen. Passenderweise kam nun auch die Sonne zu „Little Sun“ erneut heraus, und man konnte sich entspannt dem Hippie-Feeling hingeben. Währenddessen wurden die Bierstände mit Nachschub versorgt, und anstelle von Crowdsurfern gab es Seifenblasen. Somit hatte die Security Pause und sammelte ihre Kräfte für CALLEJON. Mit „Devil Man“ endete der Gig der Schweden unter mächtigem Applaus.

Nun tauchten endlich rote CALLEJON-Masken auf, und pünktlich ging es mit „Wir sind Angst“ los. Die Security stand aufgereiht mit Masken und war bereit für den zu erwartenden Ansturm. Mit „Schwule Mädchen“ von FETTES BROT hatten CALLEJON sofort alle Hamburger auf ihrer Seite. Auch die Stücke „1000 PS“ und „Sommer, Liebe, Kokain“ luden zum Mitsingen und Crowdsurfen ein. Selbst zu dem ruhigen Titel „ Kind im Nebel“, dem Lieblingssong von Basti!Basti, tauchte der ein oder andere Crowdsurfer auf. Erneutes kollektives Aufdrehen gab es zu „Blitzkreuz“ und bei dem ÄRTZECover „Schrei nach Liebe“ sangen alle mit. Zu „Porn From Spain“ mischte sich Sushi unter die Surfer. So schnell er auftauchte, so schnell tauchte er auch wieder ab und auch CALLEJON beendeten ihren Auftritt.

Schnell mal Pipi und Bier holen, dann sollte es auch schon mit den Norwegern KVELERTAK weitergehen, die ausschließlich in ihrer Muttersprache singen. Doch der Beginn verzögerte sich und ohne Eulenkopfschmuck betrat der Sänger Erlend die Bühne. Eulen gab es an diesem Tag nur in Plastikform auf der Bühne und gemalt auf den Fans-Shirts zu sehen. Nachdem Erlend einen kräftigen Schluck Bier ausgespuckt hatte, ging es mit der Bandhymne „Kvelertak“ los, und Bierreste spritzen und tropften von seinem Bart. Zum Glück entledigte er sich nach dem dritten Song seiner ollen Trainingsjacke und weiter ging die Fahrt mit „Evig Vandar“. Immer wieder sah man den Sänger headbangen, Bier ausspucken und das Gespuckte mit der Hand auffangen. Nun setzte auch noch der Regen ein und mit stampfendem Rhythmus ging es mit „Fossegrim“ weiter. Es gab erstaunlich wenige Crowdsurfer zu den harten Rockklängen der Norweger, deren Auftritt aus Zeitmangel ein abruptes Ende fand.

ENTER SHIKARI eröffneten ihr Set mit „The Appeal & The Mindsweep I“ – zeitgleich kam die Sonne hervor und brannte erbarmungslos. Die Luftfeuchtigkeit schoss empor und Wärme machte sich breit, von der Sänger Rou unbeeindruckt blieb und weiterhin wie ein Berserker auf der Bühne von einem Mirko zum nächsten rannte, dann schnell noch zu den Keys nach Hinten, und auf dem Weg nach vorne wurden kurzerhand ein Mikrofonständer umgeworfen und das nächste Mikro flog schon durch die Luft. Mit Mühe räumte die Stagehand hinter Rou zu den Songs „Destabilise“, „Radiate“ und „The Last Garrison“ auf. Unermüdlich im Einsatz auch Gitarrist Chris. Bei „Sorry, You’re Not A Winner“ zeigte Rou keine Scheu und begab sich ans Publikum, um im Anschluss kurz und knackig mit viel Energie „The Paddington Frisk“ zu performen. Mit einem Dankeschön an die Fans für ihren Schweiß, ihrem Lächeln und ihrer Stimme ging es mit „ Torn Apart“, „Slipshod“ und „Anaesthetist“ weiter.

Nun war mit OPETH wieder eine schwedische Formation an der Reihe. Wer die Herren kennt, der weiß, das auch Mikael gerne viele Anekdoten zum Besten gibt, aber diese Mal wurde nur kurz über den Bierkonsum im Allgemeinen gefaselt. OPETH ließen heuer lieber ihre Musik für sich sprechen. Zum Einstieg gab es „Eternal Rains Will Come“ gefolgt von „ Cusp Of Eternity“. Während den Songs sah man die Fans mitwippen und nur wenige wagten sich im Crowdsurfen zu „The Drapery Falls“. Da der Progressive Metal der Schweden eher zum Zuhören einlädt als zum Party-machen, sah man etliche seitlich auf dem Boden sitzen und einfach nur genießen. OPETH gaben noch „ The Devil’s Orchard“ zum Besten und mit „Deliverance“ endete der Gig.

Nun wurden alle Sitzenden lebendig, denn es stand der Auftritt von KREATOR an. Das umfangreiche Set wurde mit „Enemy Of God“ und an Klopapier erinnernden Konfettiregen eröffnet. Crowdsurfer ohne Unterlass ließen der Security keine ruhige Minute, allerorts wurde mitgesungen, und glückliche Gesichter sah mal überall. Zu „Phobia“ erhöhten die Thrash Metaller die Geschwindigkeit und Mille griff zur CO2 Kanone und feuerte in Richtung Menge. Ansonsten feuerte er das Publikum entweder zur totalen Zerstörung auf oder forderte einem weiteren Circlepit ein. Der tobende Moshpit ergriff jede sich bietende Möglichkeit. Natürlich durfte an diesem Abend „Phantom Antichrist“ auf der Setlist nicht fehlen. Bei „Pleasure To Kill“ gipfelte die Aufforderung von Mille darin, sich gegenseitig umzubringen. Über 30 Jahre Thrash Metal vereinten an diesem Abend Jung und Alt… das war Headliner-würdig!

Setlist KREATOR
Enemy Of God
Terrible Certainty
Phobia
Awaking Of The Gods
Endless Pain
War Curse
Phantom Antichrist
From Flood Into Fire
Hordes Of Chaos
Civilization Collapse
Violent Revolution
Pleasure To Kill

Mit IN FLAMES war schlussendlich erneut eine schwedische Band am Start. Mit Basecap und Karo-Hemd betrieben IN FLAMES nicht nur optisch einen Stilbruch zum Melodic Death Metal. Mit ihrem Mut zur Veränderung hat sich Band schon so manche Kritik eingehandelt. Wen wundert es, dass zu Beginn Anders ein Statement dazu gab und als Opener „Only For The Weak“ gewählt wurde. Zu „Bullet Ride“ kam die Aufforderung zum Massencrowdsurfen an die Fans und somit auch der Rausschmiss der Fotografen aus dem Securitygraben, denn Platz musst her für die Surfer, auch wenn weniger als bei KREATOR den wilden Ritt wagten. Zu „Cloud Connected“ tobte der Moshpit und bei „Delight and Angers“ gab es Heavy Metal-Riffs, und ein Meer aus Armen schwenkte von rechts nach links. Zu „Mirror’s Truth“ kündigte Anders den letzten Circle Pit an… warum auch immer, denn es folgte noch „Take This Life“, das er KREATOR widmete. Vorab sinnierte er über die Bedeutung des Heavy Metals im Leben und mit einer Danksagung an die Fans endete mit „My Sweet Shadow“ kurz nach 23 Uhr das Elbriot Festival.

Nächstes Jahr wird das Festival sogar über zwei Tage andauern, und bereits jetzt haben die Veranstalter mit SAXON einen Teilnehmer am Start. Mal sehen, ob es 2016 auch wieder um die Wurst geht.

Setlist IN FLAMES
Only For The Weak
Everything’s Gone
Bullet Ride
Where The Dead Ships Dwell
Paralyzed
Alias (?)
Deliver Us
Cloud Connected
The Chosen Pessimist
The Quiet Place
Delight and Angers
The Mirror’s Truth
Take This Life
My Sweet Shadow

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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