Konzert Filter

ELECTROLUTION 2008

Ort: Bielefeld - Forum

Datum: 07.11.2008

Zum dritten Mal hatte den Terrorverlag der Ehrgeiz gepackt, nicht immer nur von VOR der Bühne aus zu berichten, sondern vielmehr das Geschehen AUF derselbigen selbst zu beeinflussen und so wurde nach einem UNHEILIG-Konzert und dem „Festival der Subkulturellen Töne“ das „Electrolution“ ins Leben gerufen. Das bisher ehrgeizigste Projekt der terroristischen Veranstaltungskarriere. 5 mal Electro Pop/ Punk/ Rock an einem Abend auf 2 Bühnen im altehrwürdigen Bielefelder Forum. Monatelang liefen die Planungen im Hintergrund, doch ich will an dieser Stelle nicht mit Einzelheiten nerven, vielmehr den Personen danken, die dieses Event erst möglich gemacht haben. Leider steckt der Teufel immer im Detail und noch dazu ist er sehr kurzfristiger Natur, so dass am Vorabend des Geschehens einer der Protagonisten, namentlich PLANETAKIS, passen musste. Stimmband-Entzündung der Sängerin. Leider war es so kurzfristig nicht möglich, noch einen Ersatz zu beschaffen, doch eine Verlängerung der Spielzeiten und eine leichte Entzerrung des Timetables sollten die Besucher gnädig stimmen, zumal es sich nicht um einen der Headliner handelte. Ab dem frühen Nachmittag wurde hinter den Kulissen gesoundcheckt, gekocht, getragen und… geraucht, was später aufgrund der nordrhein-westfälischen Raucherschutzbestimmungen nur noch auf dem Parkplatz möglich war. Bis auf die MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER, die quasi erst pünktlich zum Opener beim Forum eintraf, waren die restlichen Bands überaus aktiv darin, sich gegenseitig zu beschnuppern und mit der Location vertraut zu machen. Wobei interessante, ja auch überraschende Details enthüllt wurden. So waren die männlichen SONNENBRANDTs vor Jahren bereits mehrfach im Forum als Support Act aktiv, u.a. für die genialen CHAMELEONS (unter dem Namen THE CONVENT). Frau Sonne hingegen hatte mal mit einem der männlichen Großstadtflüsterer eine Art sexistisches Hip Hop-Projekt am laufen und BONAPARTE sollten heute Abend mitten in der laufenden Tour ihren Drummer auswechseln. Der separat aus Berlin eingetroffene Schlagwerker zeigte sich der Aufgabe aber lässig gewachsen, der endgültige Beweis wurde später live erbracht. Um kurz nach 19 Uhr standen schon die ersten Zuschauer im Laden, doch die eigentlichen Pforten öffneten erst gegen 19 30, als SONNENBRANDT noch fleißig auf der Bühne übten. Im Forum geht es üblicherweise nie vor 21 Uhr los, so war der Besucherandrang zunächst noch eher mäßig, doch schon bald füllten sich die heiligen Räume mit Indie und Electrofans, so dass gegen Ende locker 350 Anwesende für Stimmung sorgten. Darunter auch Herr SÜTTERLIN (Kernkrach!) und eine überaus sympathische Abordnung von THE RORSCHACH GARDEN, die sich den ganzen Abend über als sehr gesellig zeigte.
(TK)

Noch relativ früh betraten dann um 20.30 Uhr SONNENBRANDT alias Frau Sonne und Herr Brandt zusammen mit Kpt. Korg, dem Herrn der Tasten, die kleinere Bühne des Forums und Herr Brandt eröffnete offiziell das Electrolution 2008 verbunden mit der Ansage, dass die NDW-Minimal-Electroniker heute nur genau einen Song performen würden, bei potentiellen Zugabenrufen wäre man jedoch entsprechend vorbereitet. Und los ging es mit dem kühlen Klassiker „Radio“. Die bis dato gut 200 Anwesenden goutierten den Einstieg mit ordentlichem Applaus und da auch einige Zugabenrufe laut wurden, ging es mit dem Protestsong „Herz aus Geld“, dem Opener ihrer aktuellen, ersten Langrille „Gestern“, das man auch IDEAL zuordnen könnte, weiter. Nun stellte sich das Trio die dringende Frage „Was tun, Fisch?“ blieb jedoch eine Antwort schuldig und konzentrierte sich weiter auf launige Unterhaltung und dem „Discolied“. Alle drei Hamburger waren an diesem Abend dezent dunkel und mit weißen Accessoires gekleidet (Herrn Brandts Matrosenanzug war vermutlich in der Reinigung), trotzdem sollte es bunt weitergehen, als Frau Sonne „Sternenstaub“-Konfetti über die ersten Reihen verteilte. Inzwischen kribbelte es schon so manchem in den Beinen und zu „Hollywood“ mit spontanem Textbezug zum heutigen Abend wurde schon eifrig im Publikum getanzt. Was nun noch zu einer perfekten SONNENBRANDT – Performance fehlte, war die Bandhymne „Urlaubsgruß mit Sonnenbrand(t)“ zu der Frau Sonne dem Publikum eine Handvoll blauer Badekappen spendierte, die alsbald neue Träger fanden. So hatten die Drei nach 45 Minuten wie gewohnt charmant-herzig das Eis gebrochen und konnten sich schon zu diesem Zeitpunkt als Band mit den meisten Zugaben des Abends brüsten.
(CS)

Setlist SONNENBRANDT
Radio

Herz aus Geld
Was tun, Fisch?
Discolied
Lars vom Mars
Komm wir gehen nach Hollywood
Urlaubsgruß mit Sonnenbrand(t)

„Do you want to party with the BONAPARTE !?!“

BONAPARTE im einzelnen und ausführlich zu erklären, würde jetzt definitiv zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Sicher ist, dass sich viele Menschen aus vielen verschiedenen Gegenden dieser Erde zu einem Künstlerkollektiv zusammengeschlossen haben und sie ein steil aufsteigender Stern am Indiehimmel sind. Ich weigere mich, die Bezeichnung „heißer Scheiß“ zu verwenden, weil das ganz einfach blöd klingt. Aber immerhin durfte man noch vor kurzem für Herrn Quentin Tarantino persönlich aufspielen. Doch an diesem Abend hatten die Wahlberliner den Weg ins beschauliche Ostwestfalen gefunden, um den anwesenden Zuschauern mal so richtig einzuheizen. Und so enterten vier Herren, passend zum Tourmotto „Circus Show“, in Zirkuskostümen und Tiermasken die Bühne und starteten mit „Do you want to party“ vom kürzlich erschienen Debüt „Too much“ durch. Und der Electroclash der Hauptstädter verfehlte nicht seine Wirkung. In den vordersten Reihen wurde hingebungsvoll getanzt und gejohlt, bevor es zum zweiten Stück dann voll auf der Bühne wurde. Gesellten sich doch noch Tänzer/innen, auch in witzigen Tierkostümen, dazu. So langsam wurden die Jacken gelüpft, Seifenblasen ins Publikum gepustet und spätestens bei „Anti-Anti“ gab es kein Halten mehr. Kleidungsstücke fielen auf der Stage und die sonst eher zurückhaltenden Ostwestfalen gingen davor richtig ab. Während der Songs gab es natürlich auch immer wieder Showeinlagen, so räkelten sich zwei der Tänzerinnen auf dem Boden, während Tänzer Nummer drei davon Bilder schoss. In der Zwischenzeit wurde man immer nackter und nach „Blow it up“ gab es dann noch eine auf- und anregende Kunstbluteinlage zu sehen und auch ein blanker Busen (die Nippel artig mit Tape verklebt) durfte nicht fehlen. Das war das Schmankerl für die Herren, aber auch die Damen sollten noch auf ihre Kosten kommen, denn nach dem folgenden „Too much“ bekamen wir noch einen Herrn in Retroshorts und einen ziemlich knackigen nackten Hintern zu sehen, bevor BONAPARTE zunächst die Bühne verließen. Aber natürlich konnte man nicht ohne Zugabe den Ort des Geschehens verlassen und so gab es noch einen Song, eine fast nackte Discokugel und einige Tanzeinlagen, bevor man endgültig verschwand. Auf jeden Fall war es ein amüsanter Auftritt, der durchaus viel Spaß machte und definitiv den Namen Circus Show verdient hat. Im Line Up der Truppe findet sich übrigens ein Herr, den wir bereits beim diesjährigen Krach am Bach in Beelen im Visier hatten, da allerdings bei der „braven“ Formation THE RAIN…
(Death Angel)

Nach dem bunten und sowohl musikalisch wie auch visuell prickelnden Auftritt der Ladies und Gentlemen von BONAPARTE ging es wenige Minuten später auf der kleineren Bühne weiter mit GROSSSTADTGEFLÜSTER. Jen, Raphael und Chriz, die bereits das ganze Jahr über schon durch die Clubs touren und jüngst im Mai ihre aktuelle Scheibe „Bis einer heult“ veröffentlicht haben, fackelten nicht lange, sondern legten fix und gewaltig mit einem Megafon bewaffnet los. Bereits kurz nach dem Opener wurden die vordersten Zuschauer-Reihen lichter, aber nicht etwa, weil die Leute keine Lust auf GSGF hatten, sondern vielmehr, weil man gemeinhin anfing, zu den treibenden Stücken heftige Tanzbewegungen auszuführen, die nun mal ein zu enges Aneinanderstehen nicht zuließen. Bereits zum zweiten Stück „Komm schon“ kochte die Menge vor der Bühne regelrecht und es wurde schnell offensichtlich, dass die Leistung der 3 Berliner den Leuten außerordentlich gut mundete. So wurde zu Stücken wie dem Club Hit „Ich muss gar nix“ gerockt, getanzt, gesungen, geschrieen und gewitzelt, dass die gute Stunde des Auftritts überaus schnell an uns vorbei zog. Wir konnten es kaum glauben, als Raphael nach dem 13. Titel „Meine Freundin die Maschine“ bereits den letzten Song des Sets „Haufenweise Scheisse“ mit der Bitte ankündigte, alle mögen doch bitte so doll auf den Boden springen, dass sich dieser um einen Meter absenken würde. Dieser Bitte kam die Crowd vor den Brettern nur allzu gerne nach und gab zusammen mit den Hauptstädtern noch einmal alles, bevor kurz darauf an diesem Abend die Lichter für GROSSSTADTGEFLÜSTER im Bielefelder Forum wieder ausgingen (eine Zugabe wurde merkwürdigerweise nicht gefordert, die Anwesenden waren wohl zu erschöpft…). Ein gelungener und sehr kraftvoller Auftritt, der allen Anwesenden augenscheinlich viel Spaß gemacht hat. Bei gleichbleibendem Tempo dieser jungen Formation kann man sicher davon ausgehen, dass sie musikalisch noch einigen Erfolg vor sich hat. Wir drücken auf jeden Fall die Daumen.
(IKA)

Setlist GROSSSTADTGEFLÜSTER
Guter tag zum weinen
Komm schon
Fehler
Für dich
Overdressed&underfucked
Basssbox
Lebenslauf
Ich muss garnix
Ich bin hui, du bist buh, du bist schubi, ich bin du
Dein Flow
Los Dicker tanz
Trommelfellkillah
Haufenweise Scheisse

Zum Abschluss wollte es die MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER noch einmal richtig krachen lassen, die hierfür wieder die große Bühne und einen Beamer zur Verfügung hatten. Florian Zwietnig und Gerald Mandl hatten sich backstage ganz prächtig mit dem Grandsignor der deutschen Indiekultur – Ecki Stieg – verstanden, nun galt es ein deutlich jüngeres Publikum in den Bann zu ziehen. Was bei dem Song Material im Grunde kein großes Problem darstellt, das zwischen Electro, Hip Hop und Gitarrenattacken hin- und herpendelt. Ein wenig schade allerdings, dass das dritte Album so lange auf sich warten lässt. Insgeheim hatte ich schon mit etwas neuem Material gerechnet, doch man verkündete, dass heuer der letzte Auftritt mit der alten Setlist stattfinden würde. Die wurde dann auch mit dem „Trend“ gebührend eingeleitet, des weiteren präsentierte man u.a. „Bis zum Erbrechen schreien“, „Panzer“, „Mach das leiser“ und natürlich die Hymne „Kommanda“. Wenngleich das alles minimal vorhersehbar war, so tanzte doch das Gros der mittlerweile recht erschöpften Meute noch einmal ab, was dem Electrolution 2008 eine würdige Krone aufsetzte.

Einige interessante Gespräche später begann so langsam der Aufbruch in der Gewissheit, hier und heute ein Quartett der bunten Laune erlebt zu haben, wobei jeder Besucher sicher seinen ganz persönlichen Favoriten gekürt hat. Ins Zeug gelegt haben sich alle – vor und hinter den Kulissen und so ist es sicher nicht unmöglich, dass der Name Electrolution noch mal mit einer anderen Jahreszahl in den Veranstaltungskalendern auftauchen wird. Party on!
(TK)

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu BONAPARTE auf terrorverlag.com

Mehr zu GROSSSTADTGEFLÜSTER auf terrorverlag.com

Mehr zu MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER auf terrorverlag.com

Mehr zu SONNENBRANDT auf terrorverlag.com