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ELEKKTROSHOKK FESTIVAL 2009 – TAG 1

Ort: Adelsheim - Livefactory

Datum: 17.04.2009

Bereits am Freitagvormittag reisten wir in das kleine Städtchen Adelsheim in Baden-Württemberg. Unser Hotel lag etwas außerhalb vom Veranstaltungsort, der Live Factory, und so mussten wir uns schon etwas beeilen, da die erste Band bereits 14.15 Uhr spielen sollte. Ob darüber mal jemand nachgedacht hat, dass normal arbeitende Menschen nicht um diese Zeit auf ein Festival gehen können? Nach Ankunft in der wirklich schönen und riesigen Location waren wir uns sicher, dass wir mit unserer Vermutung Recht hatten. Gähnende Leere überall. Obwohl wir erst gegen 16 Uhr eintrafen, stimmte der Zeitplan schon nicht mehr. Weder die Zeiten noch die Bühnenbelegung war bekannt. Die wenigen Menschen vor der Hauptbühne auf dem oberen Floor wirkten ganz verloren und im riesigen Saal daneben waren wenige Stände mit Klamotten und Merchandising aufgebaut. Essen gab es nur draußen und man hatte die Wahl zwischen Döner und China. Aber noch glaubten wir, dass das alles besser werden würde zum Abend hin. Dafür waren die Getränkepreise und die diesbezügliche Auswahl klasse!

So gelangten wir nach einem Rundgang wieder zur Hauptbühne, wo die Band EXCUBITORS schon mit ihrem Set begonnen hatten. Das Trio aus Hessen musste den Auftritt an diesem Nachmittag ohne ihren Keyboarder absolvieren, da dieser plötzlich krank wurde. Es war auch noch recht hell und das Publikum bestand fast nur aus Presse, so dass der etwas unmotivierte Eindruck der Band nur allzu verständlich war. Hinzu kam auch noch der chaotische Zustand eines fehlenden Soundchecks im Voraus. Musikalisch konnte sich der „individuelle Synthie-Pop“ aber durchaus hören lassen. Gespielt wurden Songs aus ihrem zweiten Album „Operation Observation“, sowie vom Debüt „Auferstehung aus Ruinen“, welches schon im Jahr 2007 positiv ankam. Die Songs gingen ins Ohr und begeisterten vor allem durch Tanzbarkeit und tiefsinnige Texte.

Setlist EXCUBITORS
Intro (eyes open)
Isolated
Resist
Neu geboren
Steh auf
Tanz der Toten
Fehler im System

An der nächsten Band im Programm HEAVY-CURRENT gibt es momentan kein Vorbeikommen. Touren mit DE/VISION, LETZTE INSTANZ und PROJECT PITCHFORK und das neue Album „Push the Fire“ stoßen auf Begeisterung und so war auch ich an diesem Tag gespannt auf Sänger Jan, Drummer Nook und Gitarrist Felix. Publikumstechnisch tat sich aber weiterhin wenig vor der Hauptbühne. Einerseits hatte man so genügend Platz zum Tanzen, anderseits war das natürlich sehr schade für die spielenden Bands. Schon der erste Song „Infacted“ ließ uns nicht mehr stillstehen. Die Band vermischt Industrial Punk, Elektro und alternativen Rock und zaubert daraus einen eingängigen Sound. Das ganze mit soviel Spaß auf der Bühne, das es einfach ansteckend war. Auch wenn das Publikum nicht so zahlreich vorhanden war, machten die Anwesenden ordentlich Krach und applaudierten nach jedem Track. Besonders gut gefielen mir auch das schnelle „Temper“ sowie der absolut mitreißende Hit „Ratrace“. Leider war der Auftritt schon nach 6 Songs beendet. Bemerkens- und Lobenswert, wie spielfreudig HEAVY-CURRENT vor so wenig Publikum waren!

Setlist HEAVY-CURRENT
Infected
One Way World
Temper
Project Chaos
DBN
Ratrace

Wir blieben gleich an der Bühne, denn die folgende Formation SCHNEEWITTCHEN hatte ich noch nie live gesehen. Dabei gefielen mir die letzten zwei Alben sehr gut. Das Duo besteht aus Thomas Duda und Marianne Iser. Jeder Vergleich mit ROSENSTOLZ oder NINA HAGEN hinkt, denn auf den zweiten Blick bleiben SCHNEEWITTCHEN einzigartig. Mit einer gewissen Portion Exzentrik, dunkler Todesromantik und makaberen, gnadenlosen Texten stieß der Live-Auftritt auf ein eher verhaltenes Publikum, das still beobachtete. Das groteske „Komm wir ritzen uns die Adern“ vom neuen Album „Perlen vor die Säue“ oder auch „Sadistisch“ vom letzten Album „Keine Schmerzen“ wurden perfekt und dramatisch vorgetragen. Marianne ging sogar von der Bühne durch die spärlich besetzten Reihen, um das Eis zu brechen. Dies gelang nicht so ganz. Der Auftritt hätte sich meiner Meinung nach auf der kleineren Bühne mit dunklerer Atmosphäre besser gemacht, denn Mariannes überragende Stimme und die Theatralik auf der Bühne sind absolut sehenswert und beeindruckend!

Setlist SCHNEEWITTCHEN
Komm wir ritzen uns die Adern
Der Tod hat sich verliebt
Ohne Liebe
Rosengarten
Sadistisch
Perlen vor die Säue
Du hast die Liebe verraten
Loch im Kopf

Durch die chaotische Organisation machten wir uns auf den Weg hinunter, um nicht etwas zu verpassen, was wir eigentlich sehen wollten. Hier spielte DAVOS aus Wien, die zu dritt auf der gemütlich kleinen Bühne standen. Links und rechts an den Keys waren das Gerd Hall und Michael Ruin und mittig vorne stand Sänger Eric Nelson. Gegründet wurde die Synthpop-Band im Jahre 2004. Stilistisch vergleichbar sind sie mit DURAN DURAN oder NEW ORDER. Im Jahr 2007 erschien das Debüt-Album „Just like mine“ unter Mitwirkung des Produzenten Per Anders Kurenbach. Persönliche Themen werden verpackt in angenehm und wohlig klingenden Gesang, sowie sanfte Instrumentierung. Es schwang immer ein bisschen Retro-Feeling mit, was die Zuschauer vor der kleinen Bühne entspannt zuhören ließ. „My new Pearl“ und „For Heaven Sake“ blieben mir dabei besonders im Ohr hängen. Beide Songs haben Hitpotential und klingen sehr intensiv.

Setlist DAVOS
Start again
These days
My new pearl
For heaven sake
Collite
Decline
Illuminate

Langsam wurde es dunkel draußen und wir spazierten zur Hauptbühne zurück mit der traurigen Erkenntnis, dass es noch immer nicht viel voller war. Oben angekommen hatte GLENN LOVE bereits begonnen und riss uns mit peitschenden, elektronischen Beats mit. Endlich wirkte auch die Lichtshow und setzte den Kanadier aus Toronto mit Cowboyhut und seinen Mitstreiter am Keyboard richtig in Szene. Früher hatte er sich dem Rave/ Ambient verschrieben, nun fegten uns düstere Industrialsongs vom aktuellen Album „Cryptesthesia“ durch die Gehörgänge und ließen Glenn am vorderen Bühnenrand auf und ab springen. Dabei klang seine Stimme dunkel und leicht verzerrt. Eindrucksvoll brachte das Duo auf der Bühne die Anwesenden zum Mittanzen und erntete lautstarken Jubel.

Setlist GLENN LOVE
Airships
Nuit Musee
Sagt mir Wo
Cryptesthesia
Hang On
Oil Peak (Auto de fe Remix)

Die Bühne wurde umgebaut für F.O.D. aus Oschatz, die sich zwei weiße Strandmuscheln zur Deko aufstellen ließen. Mit einer eigenen Stilrichtung, dem selbstbenannten eXcess Dance (Vermischung von EBM, Electro und Dance) erschienen Daniel „eXcess D“, An/dress und André „von den gerk“ in weißen Anzügen auf der Bühne. Weibliche Unterstützung wurde in Form von Ex-BLUTENGEL Eva Pölzing mitgebracht. Schon der Opener „Synthesizer Tanzmusik“ erinnerte mich stark durch Witz und Ironie an AND ONE. Als Support-Act waren F.O.D. auch bei der „AND ONE – Ladies & Mens Night Tour 2009“ dabei. Die Stimmung war gut und sogar das MODERN TALKING Cover von „You’re my heart, you’re my soul“ tat dieser keinen Abbruch. Auf der großzügigen Fläche tanzte man ausgiebig und hatte Spaß!

Setlist F.O.D.
Intro
Synthesizer Tanzmusik
Spiegelbild
Runaway
YMHYMS (MODERN TALKING Cover)
Germany
Dreams
Allein
Gleichstrom
Counting the days

Wir blieben weiterhin an der Mainstage, um den Auftritt der Schweden DUPONT nicht zu verpassen. Seit 1999 existiert die Band, die vor einiger Zeit noch als Trio unterwegs war. Als der Sänger ausstieg, übernahm Keyboarder Riccardo die Rolle und bildet nun neben Danucci das Duo DUPONT. Als Support von COVENANT gewann es an Bekanntheit und auch an diesem Abend in Adelsheim erwarteten einige Besucher die Schweden. Mit dem EBM-lastigen und Old School klingenden „Casino“ begann der Auftritt, bei dem Riccardos markante Stimme besonders auffiel. Das folgende „Sugar Honey“ erinnerte mich stark an NITZER EBB. Vom (hoffentlich) bald erscheinenden neuen Album „Entering the Ice Age“ gab es das minimalistisch gehaltene Stück „Dope of Love“ mit coolem Gesang. Der letzte Song „Behave“ wurde noch mal von Riccardo und Danucci gemeinsam gesungen, wobei beide am Bühnenrand standen und charmant mit dem Publikum spielten. Ein toller Auftritt der sympathischen Schweden, die sich im weiteren Verlauf des Festivals immer wieder unters Volk mischten.

Setlist DUPONT
Casino
Sugar Honey
Money
Dope of Love
Run for protection
Motel Lover
Behave

Nach einer Stärkung konnten wir noch die eigentlichen Co-Headliner der zweiten Stage PHASE III sehen, die aber auf die große Bühne verlegt wurden und nun vor DAS ICH spielen sollten. Ich hatte bisher noch nicht von dieser Formation aus Bayern gehört, die aus Sänger S.T.E.F.F.E.N (MASTERTUNE), Leviathan, Spif Anderson (SUICIDE BOOTH, LENNART) und Graf Tarek besteht. Dies sind allerdings nur die Namen der festen Bandmitglieder, da wahlweise noch mehrere freie Gastsänger und Musiker mit einbezogen werden. So unterstützte auch an diesem Abend eine Sängerin, deren zaghafter Gesang ein bisschen an (dunklen) Schlager erinnerte. Es folgten Songs vom Debütalbum „Es wird dunkel“, die man getrost in die Richtung Darkwave/ EBM einordnen kann. Bei mir konnten sie allerdings keinen großartigen Eindruck hinterlassen.

Setlist PHASE III
Es Wird Dunkel
Friendly Damage
Die Neue Zeit
True Faith
So Say We All
Monkey Business
BACK
Taktlos
Trauermarsch
Willkyr
Open Your Eyes
Fade To Grey

DAS Gesprächsthema des Festivals bekam ich dann nur vom „Hören-Sagen“ mit. Auf der Hauptbühne war DAS ICH angesagt. Stunden später, als eigentlich geplant. Sänger Stefan Ackermann schien merklich genervt und kam erst gar nicht in gewohnter Körperbemalung auf die Bühne. Nach zwei Songs verschwand er dann aufgrund von Rückenschmerzen. Ob dies nun der wahre Grund war oder doch der Anblick von vielleicht maximal 100 Menschen, bleibt zu bezweifeln. Sämtliche Konzertdaten wurden daraufhin abgesagt, der offizielle Grund: Ein nervlicher und körperlicher Zusammenbruch des Sängers.

An der kleineren Bühne wurde es nun gemütlich, denn man stellte einige klappbare Sonnenstühle auf, so dass man an oder auf der Bühne sitzen konnte. Gespannt erwartete ich den Co-Headliner auf der unteren Bühne STRAFTANZ. Bisher gab es entweder nur zwei Meinungen. Entweder geliebt oder gehasst. Ich freute mich darauf, mir meine eigene Meinung zu bilden. Der riesig wirkende Sänger k-x und seine Bandkollegen J-ing und -jl- aus dem Ruhrpott kamen auf die Bühne und begannen mit „Eintausend“. Damit machten zu der weit fortgeschrittenen Uhrzeit erstmal so richtigen Alarm. Ja, sie machten wieder wach! Knallhart, technoid, futurepoppig und laut. Vor der Tanzfläche kam Bewegung auf, wie es sein sollte. Video-Projektionen auf der Leinwand und passendes Licht animierten zu noch mehr Bewegung. Für eine lebendige Clubkultur und gegen Couchpotatoes. Ich fand es unterhaltsam, wie mit ironischen Texten die Szene unter die Lupe genommen wurde! Auch k-x bewegte sich auf der Tanzfläche, runter von der Bühne und setzte sich zwischendurch auf einen der Liegestühle. Zwischendurch schwenkte eine Dame eine rote Fahne und ein Besucher des Festivals mit perfekt geschminktem Joker-Gesicht tanzte einfach mit zwischen der Band. Auch die knallharte Single „Tanzt kaputt was euch kaputt macht“ fehlte nicht im Programm. Ohne Ende ballerten die brachialen Tanzflächenstampfer durch den kleinen Raum, wobei mir besonders gut „Burn down heaven“ gefiel. Mit der Erfolgsclubhitsingle „Straftanz“ ging der nächtliche Auftritt dann zu Ende. Mit den richtigen Leuten auf einem Festival/ Konzert feiern bei STRAFTANZ-Musik immer wieder gern!

Setlist STRAFTANZ
Eintausend (Intro)
Blood In Blood Out
Tanzt Kaputt was euch kaputt macht
Industrieschnee
Burn Down Heaven
DZE
Gummimann
Finale Vollendung
Straftanz

Währenddessen spielten auf der oberen Bühne HEIMATAERDE, die ich ebenfalls noch nie live bewundern durfte. Das Bandprojekt von Ashlar von Megalon wurde im Jahr 2004 ins Leben gerufen und dieser verweigerte Live-Auftritte bis 2007. Aber an diesem Abend standen wohl weitere 6 Mitglieder der Livecrew auf der Bühne, um den vampirischen Hintergrund und die Tempelritter-Thematik zu begleiten. Es folgten Songs, der erschienen Alben „Gotteskrieger“, „Kadavergehorsam“ und „Leben geben, Leben nehmen“. Zu den harten, aggressiven Elektrosounds wurden melodische Elemente und mittelalterliche Instrumente kombiniert. Den Anwesenden hat das Schauspiel sichtlich gefallen und ich hätte den Auftritt auch sehr gerne komplett verfolgt.

Setlist HEIMATAERDE
Introductio
Deus Lo Vult
Der Verfall
Moerder
Endlos
Vater
Eins Sein
Ich hab die Nacht getraeumet
Gib mir
Die Brut
Wiedergaenger
Pater Noster
Heimataerde
Lebloser Koerper
Morituri Salutant

Zu diesem Zeitpunkt war immer noch nicht so wirklich klar, wo denn jetzt der Headliner der 2. Stage FROZEN PLASMA spielen sollte. Zuerst hieß es oben, dann unten, dann wieder oben und dann doch wieder unten. Es war schon weit nach 2 Uhr und so warteten wir geduldig unten vor der kleinen Bühne auf den Auftritt. Zusammen mit der Band. Wir warteten insgesamt bis 3.30 Uhr auf den Auftritt! So wurde aus dem Headliner des Freitags schon fast wieder der Opener vom Samstag. Trotzdem freuten sich alle auf den bevorstehenden Auftritt und mein tiefer Respekt geht an Vasi und Felix, weil beide das Programm so professionell und ohne Starallüren durchgezogen haben. Felix sprühte trotz des langen Tages vor Energie. Wirbelte im Kreis herum und sang perfekt und herzerwärmend. Bekannte und geliebte Songs wie „Crossroads“ oder „Irony“ wurden von den Anwesenden mitgesungen und bejubelt. Die Stimmung war großartig und ausgelassen. Wir bedankten uns mit dem, was unsere Stimmen noch hergaben. Die neue Single „Earthling“ folgte und reihte sich nahtlos in die tanzbare Setlist ein. Vasi freute sich über die Reaktionen und wirkte sympathisch wie immer, während er hinter seinem Keyboard stand. Felix dagegen hatte den Schalk im Nacken und tanzte ausgelassen mit einer der Schaufensterpuppen, die zur Deko aufgestellt waren. Dann kletterte er auf eine Box und brach sich beim Herunter springen fast den Fuß. Sehr unterhaltsam das Duo. Zum Ende der Spielzeit wurde noch mal richtig aufgedreht. Zum einen mit dem Clubkracher „Warmongers“ und zuletzt, mit der vor kurzen erschienen Single „Tanz die Revolution“, welche schon jetzt richtig Lust auf das Ende Mai erscheinende Album „Monumentum“ macht.

Setlist FROZEN PLASMA
Lift the veil
Condense
Crossroads
Generation of the lost
Irony
Earthling
Hypocrite
Warmongers
Tanz die Revolution

So ging gegen 4.30 Uhr am Samstag früh endete der erste Festival-Tag und wir fielen trotz des chaotischen Tages glücklich und zufrieden in unsere Betten.

Copyright Fotos: Cath Niemann ausser FROZEN PLASMA (6-11) Dani Vorndran

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