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ELEMENT OF CRIME – ISOLATION BERLIN

Ort: Bielefeld – Lokschuppen

Datum: 14.05.2019

Im vergangenen Oktober haben ELEMENT OF CRIME ihr 14. Studioalbum „Schafe, Monster und Mäuse“ veröffentlicht, das auch sogleich bis auf #2 der Charts spurtete. Während die Kapelle um den Musiker und Schriftsteller SVEN REGENER die erste vier Platten noch in englischer Sprache aufnahm, verlegte sich die 1985 gegründete Band ab 1991 und „Damals hinterm Mond“ auf deutsche Texte, was auch durchaus den Verkaufszahlen gut tat, denn die Lyrics  haben im EoC-Kosmos einfach einen besonderen Stellenwert, den auch die muttersprachlichen Fans zu schätzen wissen. Seit Ende April sind Regener (Gesang, Trompete & Gitarre), Jakob Ilja (Gitarre), David Young (Bass) und Richard Pappik (Schlagzeug) nun wieder auf Tour und haben bei dieser Gelegenheit auch Ostwestfalen bereist. In Bielefeld haben sie schließlich Halt gemacht und im gut gefüllten großen Saal des Lokschuppens an die 2000 Menschen glücklich gemacht.

Mitgebracht hatte der Vierer nicht nur männliche Unterstützung an der Quetschkommode und am Saxofon (gelegentlich gegen eine Klarinette vertauscht), sondern auch einen fabelhaften Support-Act, der von SVEN REGENER in der gebotenen Überschwänglichkeit angekündigt wurde. Die Rede ist von ISOLATION BERLIN, die seit 2012 in Sachen Indie-Rock aktiv sind und inzwischen drei Langspieler und drei EPs herausgebracht haben. Die Hauptstädter konnten ihre beiden letzten Alben „Und aus den Wolken tropft die Zeit“ aus 2016 und „Vergifte dich“ aus dem letzten Jahr bereits in den Charts platzieren und erfreuen sich zurecht wachsender Beliebtheit. Weshalb das so ist, wussten Tobias Bamborschke (Gesang & Gitarre), Max Bauer (Gitarre), David Specht (Bass) und Simeon Cöster (Drums) überzeugend zu demonstrieren. Da ich leider nicht pünktlich um 19.30 Uhr vor Ort sein konnte, fehlen mir zwar die ersten vier Songs, doch das, was ich gehört habe, hatte jede Menge Wumms, ging ins Bein und machte schlicht Lust auf mehr. Dem Vierer war die unbändige Spielfreude deutlich anzumerken und Berührungsängste mit dem ja stets etwas zurückhaltenden Bielefelder Publikum hatten die Jungs auch nicht. So geizte das Auditorium für seine Verhältnisse auch nicht mit Lobesbekundungen für die erste halbe Stunde Musik und war auf diese Weise auf jeden Fall auch ausreichend für ELEMENT OF CRIME in Fahrt gebracht worden.

Setlist ISOLATION BERLIN

  • Produkt
  • Serotonin
  • Antimaterie
  • Alles Grau
  • Ich wünschte ich könnte
  •  Kicks
  • Wahn

Lange warten musste man im alten Industriegemäuer auch gar nicht, denn um 20.15 Uhr kamen bereits die Hauptprotagonisten des Abends auf die Bühne. Eine kurze Begrüßung durch Sven, dann ging es mit dem eindringlichen „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ vom aktuellen Silberling gleich in medias res. Das Hauptaugenmerk lag eindeutig auf den Liedern der aktuellen Veröffentlichung, denn außer „Nimm Dir, was du willst“ wurden alle Songs von „Schafe, Monster und Mäuse“ gespielt. Das war mitunter sehr melancholisch wie bei „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“, das mit einer ganz besonderen Atmosphäre einherging, aber auch durchaus tanzbar (vgl. „Ein Brot und eine Tüte“). Gemeinsam war allen Stücken, dass insbesondere Svens Trompete für einen ganz speziellen Sound sorgte, der von den übrigen Instrumenten kongenial perfektioniert wurde. Zwischendurch plauderte der Bandleader auch mal ein wenig aus dem Nähkästchen, etwa, dass sie mal eine Mail von einer Schweizerin bekommen hätten, die ihnen mitteilen wollte, dass sie tatsächlich „Deborah Müller“ hieße. Natürlich stand das gleichnamige Lied vom 2009er Gold-Album „Immer da wo du bist bin ich nie“ mit hinreißenden Mariachi-Trompetenklängen auch auf der Setlist. Eine „Karin, Karin“ gibt es bei den Berliner auch noch und hier hatten die Herren auch gleich noch eine Überraschung in petto, denn Alexandra Regener, Svens Tochter, war bei der detailverliebten Nummer wie bei den Studioaufnahmen auch live mit von der Partie. Personen Part III: „Robert Zimmermann“ aus dem Soundtrack zum Leander-Haußmann-Film „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, dem ELEMENT OF CRIME insgesamt sieben Tracks beigesteuert hatten. Hier griff der Fronter mit dem rauen Gesang mal wieder in die Saiten, bevor im Anschluss „Die Party am Schlesischen Tor“ mitsamt seinem Blechinstrument gefeiert wurde. Natürlich durften aber auch die ganz großen Hits nicht fehlen, wie sagte Herr Regner so überzeugend: „Romantik und Easy Listening schön und gut, aber wo bleibt denn da der Rock?“. Die Antwort gab er natürlich umgehend selbst, indem er das wunderbare „Immer da wo du bist bin ich nie“ anstimmte. Die Combo ließ es ordentlich krachen und wurde mit lautstarken Akklamationen belohnt. Eine außerordentliche Stimmung herrschte bei „Am Ende denk ich immer nur an dich“, das mit einer Sternenhimmelanmutung optisch untermalt wurde und einfach zu den besten und gleichzeitig gefühlvollsten EoC-Songs zählt.

Wenig später war es bereits Zeit für den ersten Zugabenblock, der dank „Weißes Papier“ mit einem alten Schmankerl von der gleichnamigen 1993er LP ebenso seelenvoll eröffnet wurde. Nicht wenige Anwesende werden bereits damals Fans dieser aufstrebenden Band gewesen sein, davon zeugte nicht nur das im Vergleich mit anderen Gigs höhere Durchschnittsalter der Konzertbesucher, sondern auch der Applaus, der dem Vortrag zuteilwurde. „Delmenhorst“, die drittgrößte (und gemäß SVEN REGENER vermutlich auch drittschönste) Stadt der Metropolregion Oldenburg-Bremen, wurde 2005 auf „Mittelpunkt der Welt“ verewigt und sorgte mit seiner coolen Selbstverständlichkeit einmal mehr für gute Laune. Ein kleiner Break, dann erstrahlte die Stage in blauem Licht, während das rhythmusbetonte „Schwere See“ erneut zu einem Ausflug ins Jahr 1993 einlud. Noch zwei Jahre älter ist „Geh doch hin“, das ein wenig was von einem finnischen Tango hatte, bevor ein erneuter Abgang mit dem geheimnisvollen „Warte auf mich“ vom stilgebenden „Romantik“ aus 2001 beendet wurde. Hier hatte auch Svens Trompete noch einmal einen großen Auftritt, ehe für das schwungvolle „Draußen hinterm Fenster“ abermals das große Besteck rausgeholt wurde und „Lieblingsfarben und Tiere“ seinem Namen alle Ehre machte. Die sechs Musiker nahmen quasi in einer Reihe auf der Bühne Aufstellung und wurden jeweils von einem eigenen unterschiedlich farbigen Strahler beleuchtet.

Damit endete die Show dann nach gut zwei Stunden und entließ das glückselige Publikum in die noch laue Maiennacht. ELEMENT OF CRIME haben einmal mehr bewiesen, dass „Altherren-Rock“ kein Schimpfwort sein muss, sondern auch ein Synonym für abwechslungsreiche Rockmusik mit Tiefgang sein kann. Wollen wir hoffen, dass die Jungs, die langsam dem Rentenalter entgegenarbeiten, noch lange Spaß an der Musik haben und uns mit selbiger live und als Konserve beglücken!

Setlist ELEMENT OF CRIME

  • Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang
  • Schafe, Monster und Mäuse
  • Ein Brot und eine Tüte
  • Deborah Müller
  • Liebe ist kälter als der Tod
  • Nur so
  • Wer ich wirklich bin
  • Immer noch Liebe in mir
  • Gewitter
  • Stein, Schere, Papier
  • Bevor ich dich traf
  • Im Prinzenbad allein
  • Immer da wo du bist bin ich nie
  • Robert Zimmermann
  • Die Party am Schlesischen Tor
  • Karin, Karin
  • Am Ende denk ich immer nur an dich
  • Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin
  • Weißes Papier
  • Delmenhorst
  • Schwere See
  • Geh doch hin
  • Warte auf mich
  • Draußen hinterm Fenster
  • Lieblingsfarben und Tiere

Copyright Fotos: Sascha Uding

 

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