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ELTON JOHN – BRIGHT LIGHT BRIGHT LIGHT

Ort: Halle (Westf.) - Gerry Weber Stadion

Datum: 06.07.2014

Auf dieses Konzerterlebnis hatte ich mich ganz besonders gefreut, denn am heutigen Abend sollte sich für mich ein Kreis schließen. Sir ELTON JOHN live quasi vor meiner Haustür. Das hatte ich vor 31 Jahren schon einmal erlebt, als mich mein Vater mit 14 auf mein erstes Konzert (in die Grugahalle Essen) mitnahm und damit den Grundstein für meine Musikleidenschaft legte. Ich habe diesen Abend als wahre Ohren- und Augenexplosion in Erinnerung: ELTON JOHN auf einer sich drehenden runde Bühne an einem weißen Flügel mit einer Lasershow, die 1983 so noch niemand im Ruhrgebiet gesehen hatte. Dies wollte ich eigentlich schon vor einem Jahr geschrieben haben, doch seinerzeit kam Sir John sein Blinddarm in die Quere, doch heute Abend sollte es endlich zum Nachholtermin im Gerry Weber Stadion kommen.

Doch zunächst präsentierte ab 18.20 Uhr der Engländer Rod Thomas sein Musikprojekt BRIGHT LIGHT BRIGHT LIGHT. Mit zwei Mitmusikern präsentierte er Titel seines aktuellen Albums „Life is easy“, auf dem er für einen Song ELTON JOHN persönlich als Duett-Partner gewinnen konnte (der aber leider nicht live performt wurde). Der Name des Albums ist Programm: Fluffiger Pop auf einem Synthieteppich, viele 80er Reminiszenzen, ein wenig wie HURTS mit etwas weniger Pathos, so klangen Titel wie „Happiness“, „The open heart“ oder „There are no miracles“. Leider stand der Großteil des Publikums derweil noch bei Bier und Bratwurst vorm Stadion, so dass BRIGHT LIGHT BRIGHT LIGHT tapfer vor halbleeren Rängen spielten und nur höflichen Applaus erhielten, was Rod Thomas nicht davon abhielt, noch ein persönliches Erinnerungsfoto vom Publikum zu schießen. In einem anderen Kontext und vor einer anderen Zielgruppe dürften jedoch deutlich positivere Reaktionen zu erwarten sein.

In den nächsten Minuten fanden nun alle 7.600 Zuschauer ihren Platz im weiten Rund, so dass pünktlich um 19 Uhr Eltons Liveband die Show mit „Funeral for a friend“, einem Hammer-Intro mit leichter Prog-Note eröffnen konnten. Als Sir Elton in blauer Glitzerjacke die Bühne betrat und mit „Love lies bleeding“ am Piano loslegte, begrüßten ihn die Ostwestfalen (und viele Auswärtige) mit stehenden Ovationen. Es folgten weitere Titel aus dem Erfolgsalbum „Goodbye yellow brick road“, mit dem ihm 1973 der Durchbruch gelang. So spielte er nach „Bennie and the jets“ auch schon sehr früh „Candle in the wind“, das 23 Jahre nach seiner ersten Singleveröffentlichung noch einmal 1997 nach dem Tod von Lady Di seinen Weg in die Chartspitzen fand. Nach „Grey seal“ (vom gleichen Album) ging es mit „Levon“ und „Tiny dancer“ noch weiter in die Diskographie zurück. Zwar hielt sich der 67-jährige mit Ansagen zurück, zog die Zuhörer aber von der ersten Minute mit seinem perfektem Gesang und fantastischem Pianospiel in seinen Bann, vortrefflich unterstützt von seiner 5-köpfigen Band. Nun folgte auch der Titelsong „Goodbye yellow brick road“, vielen im Publikum bekannt und entsprechend abgefeiert. Auch bei „Rocket Man“ flogen Eltons Finger wieder über die Tasten, wofür er sich im Anschluss am rechten und linken Bühnenrand von den Fans feiern ließ. Einen meiner Favoriten „I guess that’s why they call it the blues“ spielte er zwar für meinen Geschmack ein wenig zu schnell und routiniert runter, dafür entschädigten aber die wunderbaren Balladen (okay, nennt es auch Schnulzen) „The one“ und „Sorry seems to be the hardest word“. Standing ovations waren Sir Elton ab diesem Zeitpunkt nach jedem Song garantiert, der nun wieder Fahrt aufnahm und nach „All the girls love Alice“ seine Mitstreiter vorstellte (darunter Davey Johnstone an der Gitarre, der schon über 2.000 Konzerte mit Elton gespielt hat, aber auch schon für JOHN LENNON, LENNY KRAVITZ und ALICE COOPER in die Saiten gehauen hat, Matt Bissonette am Bass, der auch schon mit SHEENA EASTON, a-ha und BRIAN WILSON aktiv war, sowie Eltons langjähriger Weggefährte NIGEL OLSSON an den Drums). Anschließend versicherte der Brite den Fußballfans, dass nach dem frühen Ausscheiden der Engländer diese nun den Deutschen die Daumen drücken würden. „Don’t let the sun go down on me“ widmete er der alten, kranken Mutter eines Deutschen Freundes und während die Moodlights im Hintergrund das Stadion in eine warmes Orange tauchten, hielt es viele Fans nicht mehr auf ihren Stühlen. Einige liefen nach vorne, andere tanzten in den Gängen, als ELTON JOHN mit „The bitch is back“ und „I’m still standing“ die Tasten glühen ließ. Schlag auf Schlag ging es in dem Tempo mit „Your sister can’t twist“ weiter, ehe Elton Hercules nach 2 Stunden das reguläre Set mit „Saturday night’s alright for fighting“ beendete. Unter tosendem Applaus verließ er nur kurz die Bühne, um kurz drauf am Bühnenrand Autogrammwünsche zu erfüllen. Als Zugaben gab es dann noch einmal einen Balladen- und einen Rock-Klassiker: „Your song“ und „Crocodile Rock“ (mit einem riesigen „Lalalalala“-Publikums-Chor) setzten einen perfekten Schlussstrich unter einen fulminanten Konzertabend. 31 Jahre nach meiner ersten Livebegegnung waren die Bühnenshow, das Outfit und die Brille von Sir Elton zwar deutlich weniger spektakulär, seine stimmlichen Qualitäten und seine Fingerfertigkeiten am Klavier aber immer noch über jeden Zweifel erhaben.

Und derweil tausende zufriedene Fans zu ihren Autos liefen, schwebte der Herr per Helikopter in seinen verdienten Feierabend davon. Spätestens im Rentenalter weiß man das eigene Bettchen halt zu schätzen.

Setlist ELTON JOHN
Funeral for a friend / Love lies bleeding
Bennie and the jets
Candle in the wind
Grey seal
Levon
Tiny Dancer
Philadelphia Freedom
Goodbye yellow brick road
Rocket Man
Hey Ahab
I guess that’s why they call it the blues
The one
Sorry seems to be the hardest word
Someone saved my life tonight
Sad songs
All the girls love Alice
Don’t let the sun go down on me
The bitch is back
I’m still standing
Your sister can’t twist
Saturday night’s alright for fighting

Your song
Crocodile Rock

Copyright Fotos: Karsten Thurau

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