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EMIL BULLS – END OF APRIL

Ort: Bielefeld - Kamp

Datum: 29.01.2004

Fast hätte mir an diesem Tag das Wetter einen Strich durch meine Konzertplanung gemacht. Eisglätte war angesagt und die Strassenverhältnisse sahen bedenklich aus. Dennoch machte ich mich auf den Weg ins Bielefelder Kamp, wo ich noch vor Wochenfrist die HARDCORE SUPERSTARS herumtollen sah. Dieses mal war es ähnlich voll (ca. 200 Leute), aber ganz andere Leute waren am Start. Genauer gesagt, ein Extrakt der ostwestfälischen Sekundarstufe 2, die mich mental vergreisen ließ. Auf gut deutsch: Kiddie-Alarm! Besonders Puma und Adidas Sportkleidung scheint bei unserem Nachwuchs wieder hoch im Kurs zu stehen, das kurbelt immerhin die einheimische Wirtschaft an.

Bevor die Bären äh Bullen los waren, begab ich mich aber zum Merchandising Stand, wo es eine beispielhafte Umtauschaktion gab. Jeder, der das Booklet der aktuellen „Porcelain“-Scheibe mitbrachte, erhielt eine limitierte DVD der EMIL BULLS, die es nicht im offiziellen Handel gibt. Darauf sind viele Specials, Tourberichte, unveröffentlichte Songs und Live Aufnahmen enthalten, eine sehr löbliche, nachamenswerte Angelegenheit!

Als Vorgruppe hatten sich für drei Gigs die nur scheinbar unbekannten END OF APRIL angesagt, scheinbar, weil es sich hier um ehemalige SPERMBIRDS/ HEADCRASH-Musiker handelt, die beim holländischen Label Seamiew Records gerade ihre CD „If I had a bullet for every one…“ veröffentlicht haben. Leider konnte ich aufgrund der Witterung keine optischen Eindrücke von EOF mitnehmen, Anwesende berichteten aber, dass sich die bereits recht „betagten“ Herren ordentlich aus der Affäre gezogen hatten. Lediglich die beengten Bühnenverhältnisse hatten den energetischen Mix aus Punk, Hardcore und Metal ein wenig behindert. Das Publikum zeigte sich wohl zunächst reserviert, aber als dann auch noch eine Gastsängerin auf die Bretter stieg, wurde dann doch angemessen gefeiert.

Um 22 15 Uhr war es dann soweit: Die EMIL BULLS bezogen Stellung und sooo jung hatte ich sie gar nicht in Erinnerung, jedenfalls war es genau die richtige Band fürs anwesende Auditorium. Die Feier konnte beginnen und sie sollte immerhin 90 Minuten dauern! Besonderer Blickfang neben dem Shouter in Dauerrotation (Christ) ist eindeutig Bassist Citnoh, der stolz seine Dreads präsentiert und zum Headbanging einsetzt. Chrissy, Moik, Fab und DJ Zamzoe, der auch einige prächtige Sangeseinlagen bot, rundeten das Line up ab. Nach dem Einstieg mit „Porcelain“, „Angel“ und „Leaving you“ hatte man sich und die Fans warm gespielt. Die jungen Leute pogten, was das Zeug hielt, sicher besser als sich auf der Strasse herumzutreiben und Drogen zu nehmen… Oder tun sie das etwa trotzdem? Ok, ich schweife ab. Christ nutzte im übrigen 2 Mics, ein normales und ein verzerrtes, während der DJ allerlei Synthies und Scratches dabei steuerte. Für ihre Jugend beherrschen die Süddeutschen das Konzertgeschäft bereits perfekt: Alles ist in Bewegung, man kommuniziert untereinander und mit dem Publikum und zeigt vor allem eine enorme Spielfreude. Da stört auch der mitunter recht komplexe Songaufbau einiger Stücke nicht. Mit „Mirror“ und „Cocoon“ beendet man den regulären Set, nicht ohne den Fans noch eine Flasche Wasser zu gönnen, von oben versteht sich.

Nach kurzer Pause wurde man schon wieder herbeigejubelt und die Minuten der Cover Versionen begannen. A-HA („Take on me“), MEGADETH („Symphony of Destruction“) und sogar DANZIG („Mother“, gut von Zamzoe imitiert) erlebten eine Hommage, wobei wohl nicht alle der Jungspunde die entsprechenden Originale gekannt haben. Nach ein paar Juxen und spontanen Jams beendete „The Coolness of being wretched“ einen sehr unterhaltsamen Abend, der die Kreativität des deutschen Undergrounds deutlich unterstrich. Wenn man denn EB überhaupt noch zum Underground zählen will, man ist schliesslich bei Motor unter Vertrag. Christ lobte das Bielefelder Publikum, welches so enthusiastisch hinter Devotionalien her war, dass mir ein leicht pummeliger Teenie meinen gerade erbeuteten Drumstick wieder aus der Hand riss. Sei’s drum, die Strassen waren nachher angenehm befahrbar und so waren alle glücklich!

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