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EMIL BULLS – ITCHY POOPZKID – GREEN LIZARD

Ort: Bielefeld - Kamp

Datum: 16.09.2005

20 Monate nach ihrem letzten OWL-Ausflug war es wieder Zeit für einen „Bullen-Auftrieb“ im Bielefelder Kamp, zum Glück war es dieses mal nicht ansatzweise so kalt. Die EMIL BULLS promoten ihre neue Scheibe „The Southern Comfort“ on Tour und waren im Bielefelder Kamp natürlich gern gesehene Gäste, wenngleich sich die Zuschauerzahl im Vergleich zum letzten Besuch doch etwas in Grenzen hielt. Dies wurde schon gegen 21 Uhr ersichtlich, als die erste der beiden Supportbands pünktlich auf die Minute mit ihrem Set begann. Nur wenige der meist recht jugendlichen Fans rafften sich in Richtung Bühne auf, viele blieben einfach sitzen oder im hinteren Teil in Unterhaltungen verstrickt.

Dabei waren mit den Niederländern GREEN LIZARD durchaus keine Unbekannten am Werke. Das Quartett aus Tilburg existiert bereits seit 1994, auch wenn das recht jugendliche Aussehen der Protagonisten zu einem anderen Schluss führen könnte. Ausgenommen der „zopfige“ Drummer, der glatt als Papa der Horde durchgeht und den Punkrocksound mit viel Drive unterlegt. Man agiert nur bei zwei Dates als Opening Act der „Emils“ und spendierte auf der Homepage mal so eben 5 Gästelistenplätze für Fans. Jedenfalls kam man direkt von einem Popkomm-Auftritt mit u.a. ihren Landsmännern FACE TOMORROW und wollte sich dem deutschen Publikum einfach mal präsentieren, den wenigen Interessierten zum Trotz. Nach dem Ausstieg eines der drei Gründungsmitglieder (übrigens 3 Brüder) arbeitet man aktuell an einer neuen Scheibe, ist aber noch auf Labelsuche, die Debüt EP wurde damals sogar von der „Legende“ Jack Endino aufgenommen! So spielte man sich dann durch launige 30 Minuten, meist flott und unkompliziert, gegen Ende aber auch mal aggressiver, als der Sänger die Axt zur Seite legte und RATM-like durch die Gegend brüllte. Die deutsch/ englischen Ansagen wirkten ebenso wie die Spielkunst grundsolide und sympathisch, so dass man die Combo in naher Zukunft im Auge behalten sollte.

Danach waren gegen 22 Uhr die ITCHY POOPZKIDs an der Reihe, die schon mal einen virtuellen Preis für die bescheuertste Bandbezeichnung des Abends in Empfang nehmen durften. Eine gewisse „braune“ Vorliebe offenbarte auch ihr Gründungsname… NUTELLA! Im Jahre 2000 in Eislingen an der Fils als Coverband für METALLICA und GREEN DAY-Tracks gestartet, hat man mittlerweile das ideale 3 Mann Line Up gefunden und schon einige Größen der Szene supportet (DONOTS, 4LYN etc). Nach einer EP und einer Livescheibe wird Anfang Oktober das reguläre Debüt „Heart to believe“ erscheinen, welches immerhin im Distributionskanal der SonyBMG vertrieben wird. Heuer durfte man den Silberling noch nicht erwerben, aber immerhin Gutscheine darauf, die auch dankbar angenommen wurden. Natürlich stammten viele Stücke von eben dieser Scheibe wie beispielsweise „Lyrically happy“, ebenfalls Punk Rock pur mit ein paar kleineren Rock `n` Roll-Ausflügen. Mit ihrem Aussehen erinnerten Sibbi, Dani und Tobi ein wenig an DIE ÄRZTE in jungen Jahren und besaßen auch deren damaligen Bewegungsdrang. Musikalisch aber eher der typische West Coast Sound im Stile von PENNYWISE oder NOFX. Mittlerweile war zwar noch kein Massenandrang vor der Bühne, aber es sah immerhin schon mal in sich geschlossener aus, was die blutjungen Musiker mit Wohlwollen quittierten. Schlichen sich bei der energievollen 3er-Performance schon mal ein paar Patzer in den Sound ein, wurde das mit witzig-selbstsicheren Ansagen wieder wettgemacht, nach 30 Minuten war aber auch hier Schicht und das Feld für die süddeutschen Nu Rock-Pioniere bereitet.

Bevor die EMIL BULLS dann aber bereits insgesamt zum dritten Mal die Bretter, die die Welt bedeuten, im Kamp betreten sollten, galt es in der Umbaupause zunächst noch die CD von SIDO zu ertragen. Zu einem charmant ausgewählten MANOWAR-Intro („The crown and the ring“) gesellten sich anschließend die fünf Herren auf die Bühne, inzwischen mit neuem Drummer und ohne DJ Zamzoe an den (nicht mehr präsenten) Turntables, um von Beginn an ordentlich Druck zu machen. Live kommt ihr Sound auch einiges ungeschliffener aus den Boxen als von CD, was nicht zuletzt auch an dem Bewegungsdrang der Musiker liegen dürfte, bei denen vor allem Basser Citnoh immer hervorsticht, wenn er wie ein Derwisch über die Bühne tobt. Selbiger tat sich auch bei den Backing Vocals hervor, wenn es darum ging, einen Kontrast zu von Frontmann Christoph vorgetragenen melodiösen Passagen zu erzeugen. Dessen Mikroständer war mit dem Teufel aus dem Kasperletheater dekoriert und für ein wenig Schabernack zwischen den Songs waren sich die Jungs auch nicht zu schade. Ihre mal straighte, mal groovige, aber meist eingängige Rock-Mucke nutzte das Publikum sogar zu etwas Stagediving, die Stimmung war also ganz gut, jedoch lange nicht auf dem Siedepunkt. Berücksichtigt wurden auch erstaunlich viele Songs von der „Angel delivery service“-Scheibe, bei denen Sänger Christoph hin und wieder noch zusätzlich zur Gitarre griff, während für meinen Geschmack der Nachfolger „Porcelain“ leider etwas vernachlässigt wurde.

An das reguläre einstündige Set schloss sich dann zunächst eine 3-teilige Akustik-Session an, bestehend aus den neuen Stücken „At Fleischberg’s“ (welches dann im Refrain spontan auch schon mal in „At the Kamp in Bielefeld“ umgetextet wurde) und „Friday Night“ sowie dem gelungenen KYUSS-Cover „Green Machine“. Da der Hunger des Publikums aber noch nicht gestillt war, folgte ein zweiter Zugabenblock gleich auf dem Fuße, welcher mit dem bekannten A-HA Cover „Take on me“ und noch drei weiteren Stücken die Spielzeit auf über 90 Minuten erhöhte. Dies war umso mehr erfreulich, als sich die Reihen inzwischen doch bereits leicht gelichtet hatten. Ob es vielleicht auch daran lag, dass man zum Ende hin nicht mehr sooo die Knaller in der Hinterhand hatte? Bei „Leaving You With This“ schaute jedenfalls noch mal kurz Sibbi von den POOPZKIDs on stage vorbei, bevor schließlich dann eine kleine Jam-Session und „Underground“ den Schlusspunkt unter einen recht kurzweiligen Abend setzten.

Setlist EMIL BULLS
Style School
Revenge
Ignorance Is Bliss
These Are The Days
Porcelain
Killer’s Kiss
Newborn
Smells Like Rock ‚N‘ Roll
Magnificent Lies
My favourite toy
Mirror (Me)
Cocoon

At Fleischberg’s
Green Machine
Friday Night

Take On Me
Quiet Night
Leaving You With This
Underground

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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