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END OF GREEN – CARVER

Ort: Nürnberg - Hirsch

Datum: 17.10.2013

Donnerstag im Hirsch und die Hütte ist erstaunlich gut gefüllt. Kein Wunder, schließlich gestalten END OF GREEN heute ein exklusives weil erstes melancholisch romantisches StellDichEin zum neuen Album. Als Vorband haben sie heimische Verstärkung mitgebracht: CARVER stammen wie END OF GREEN aus der Region Stuttgart und sind keine gänzlich Unbekannten.

Die Band konnte sich bereits 2005, damals noch mit anderem Sänger und anderem Namen, aus insgesamt 500 Bands auf Platz vier des Wacken Battle vorkämpfen. Respekt! Also her mit dem Geballer. Mittlerweile zwei Alben haben sie vorzuweisen, aus denen Sänger und Neuzugang Daniel Neuberger, Gitarrist Arthur Wall, Basser Bert Oeler und Drummer Thomas Neuberger, die besten Stücke für den gut 45-minütigen Gig ausgewählt haben. Während es im 2008 erschienenen Album „Deathcore“ mit – Zitat – brillantem, harten Metal ordentlich auf die Fresse gab, legen CARVER beim neuesten Werk „The Great Riot“ mehr Wert auf anspruchsvolle Texte, eingängige Melodien und sehr viel klaren Gesang, was sicherlich auch dem Frontaustausch geschuldet ist. Doch leider ist das, was nach einem kurzen Soundscheck um kurz nach 20 Uhr da aus den Boxen klingt, weder metallisch brillant noch anspruchsvoll eingängig. Sorry Jungs! Auch wenn Fronter Daniel Neuberger optisch der kleine Bruder von GOTTHARD Sänger-Ersatz „Nic Maeder“ sein könnte, gottgleich trällern geht leider anders. Vielleicht liegt es an der breiigen Abmischung, die seine Stimme hinter der chaotisch wirkenden Zusammenstellung krach machender Instrumente verschwinden lässt, vielleicht hat aber auch der Basser und Background-Sänger Bert einfach die bessere Stimme? Sicher ist, heute klingen CARVER leider nicht wie Profis sondern eher wie eine sich erst seit kurzem zusammen gecastete und deshalb völlig unabgestimmte Garagenkombo. Schade, denn die aktuelle gegen Ende des Sets gespielte Single „Teardrop“ – eine recht eigenwillige Interpretation des MASSIVE-ATTACK-Klassikers – zeigt zum ersten Mal, dass CARVER durchaus meisterlich unterwegs sein können. „Teardrop“ wird so ganz unfreiwillig zum besten CARVER-Song des Abends. Als nach 10 Stücken mit „Riots“ endlich Schluss ist mit Gerumpel und gänzlich verunfallten Songs, horchen die Lauscher erleichtert auf.

21:20 zeigt die Uhr, als END OF GREEN endlich die Bühne betreten. Nürnberg stellt nach dem Festspielsommer 2013 den Tourauftakt auf dem Schmerzzug quer durchs Land. Melancholische, dunstige Herbstabende wie diese bieten dafür genau die richtige düstere Atmosphäre. Seit Mitte August steht die neue Scheibe „The Painstream“ schon in den Plattenläden und hat einen beachtlichen 13. Platz in den deutschen Charts vorzuweisen. Bereits auf dem letzten Summerbreeze und diversen weiteren Festivals waren die neuen Songs bei den Fans mehr als gut angekommen und hatten auch den einen oder anderen Neuankömmling in den endlich grünen Reihen willkommen geheißen. END OF GREEN, das sind die Schwaben Kirk Kerker, Hampez, Lusiffer und Sad Sir – der Typ mit den Megarastas und rot gefärbter Bartpracht – rund um Sänger „Michelle Darkness“. Der Stil der fünf sympathischen Rocker bewegt sich eigenwillig irgendwo zwischen Goth und Alternative und wer genauer hinhört, entdeckt viel Doom und Blues. In dieser kleinen feinen Nische des Rockhimmels haben END OF GREEN es sich gemütlich gemacht. Welcome to the unholy world of „Depressed Subcore“! Diesem Ruf sind heute mitten in der Woche viele Die-Hard Fans gefolgt, darunter klassische Metalheads wie junge Goth-Ladys in Spitze.

Kopfbedeckung über den schwarzen langen Haaren, Kajal-umrahmte Augen, blass geschminkt – Michelle Darkness macht seinem Namen wieder einmal alle Ehre. Einziges Problem: Der charismatische Leadsänger mit dem unverwechselbar kratzigen und tiefen Timbre in der Stimme ist anfangs kaum zu hören. Der Opener des neuen Albums  „Hangman’s Joke“ , der sonst durch harte Riffs und viel Tempo in den auffällig metallischen Klangpassagen besticht, wirkt, als sei dieser noch Teil des Soundchecks und verschwindet dank der Fummeleien des Tontechnikers leider in undefinierbarem Soundgewäsch. Doch END OF GREEN sind echte Profis und starten nach kurzer Abstimmung mit einer sicheren Bank noch einmal durch. „Dead City Lights“ ist einer der ersten Hits dieses langen Abends, den die Menge wie immer absolut textsicher gesanglich zu untermalen weiss. Da hört schließlich niemand mehr so genau hin und nach „Pain Hates Me“ hat die treue Fanbase die Soundprobleme schon längst vergessen. Die bisweilen immer wieder auftretenden technische Probleme werden in Form konspirativer Pausen einfach weggeraucht, die Fans mit kurzweiligen Informationen versorgt (“ Ach ja, Sad Sir ist jetzt auch 40 geworden, der alte Sack!“), bevor der Goth-Rock-Express erneut ins Rollen kommt. Frontsau Michelle weiß seine Fans auch ohne Musik bestens zu unterhalten. Die gute Mischung aus neuen Songs wie „Hurter“, „Final Resistance“ oder „Holidays in Hell“ und den guten alten Ohrwürmern, sei es „Killhoney“ oder „Goodnight Insomnia“, sorgt ohnehin für Bombenstimmung.

Die wissen END OF GREEN sehr zu schätzen und widmen „De(ad)generation“ sogar dem anwesenden Vorsitzenden ihres Fanclubs. Dabei begeistern END OF GREEN immer wieder aufs Neue mit ihrer Spielfreude und  Leidenschaft für das, was sie da oben auf der Bühne tun dürfen. Mit einem passenden „Holidays in Hell“ verabschiedet sich der Goth-Fünfer dann nach 70 Minuten von seinen langhaarigen Verehrern, die lautstark nach weiteren Lebenszeichen aus der Goth-Höhle verlangen. Da lassen sich EOG nicht zweimal bitten und zocken weitere melancholisch, schwermütige wie beissende Leckerbissen, darunter „Drink Myself To Sleep“ oder das wunderbare „Dead End Hero“. Ach ja, und die letzte wichtige Information dieses Abends darf nicht fehlen: Klampfenhalter Kirk Kerker ist doch tatsächlich jetzt unter der Haube – Michelle Darkness war nicht nur live dabei, sondern auch noch Trauzeuge. Applaus! Mit „Death of the Weakender“ enden dann leider zwei höchst unterhaltsame Stunden echtes Konzertfeeling. END OF GREEN spielen sich den Arsch ab und bleiben trotzdem höchst geschmeidig inkl. Fluppe zwischen den klampfenden Fingern. Kein Wunder, dass die fünf Stuttgarter echte Fans sammeln wie andere Bands Möchtegern-Likes auf FB. Die Benchmark dieses heissen Konzertherbstes ist gesetzt: END OF GREEN!

Sound: Die wundersame Verwandlung der Vollkatastrophe in ein Klangwunder!
Publikum: Nein, nein, die Zeit für Kutten mit Lederbändern ist noch nicht wieder reif … 
Vom Konzert gelernt: Echte Musiker können auch 2 Stunden!

Setlist END OF GREEN
Hangman’s Joke 
Dead City Lights 
Pain Hates Me 
Evergreen
Killhoney 
Hurter 
Final Resistance 
Tragedy Insane 
Goodnight Insomnia 
Tie Me A Rope…
De(ad)generation 
Don’t Stop Killing Me
Death in Veins 
Holidays in Hell 

Weakness 
Drink Myself to Sleep 
Die Lover Die 
Dead End Hero 
Emptiness/ Lost Control 
Death of the Weakender 

1 Kommentar

  1. Festivaller sagt:

    was hier bei Carver als „gänzlich verunfallte Songs“ beschumpfen wird liegt wohl am Ohr des Zuhörers der an komplexeren Arrangements und der härteren Gangart keine Freude hat. Das bestätigt sich mit der positiven Meinung zum Teardropcover, welches mit Abstand am einfachsten aufgebaut war und ins Schema des End of Green Publikums passte.

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