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END OF GREEN – LAMINIUS X

Ort: Osnabrück - Bastard Club

Datum: 31.10.2008

Sieh an, manchmal hat man auch Glück! Mit der Zeit im Nacken hetzte ich zu Osnabrücks Bastard Club, um mir das Gastspiel der Stuttgarter Formation END OF GREEN anzuschauen und erfuhr vor Ort, dass die Herren noch irgendwo auf deutschen Autobahnen im Stau fest saßen. Also alles im Lot. Zeit für einen kleinen Rundumblick im wirklich gut gefüllten Bastard Club, während die Vorband LAMINIUS X schon auf der Bühne stand.

Letzt genannter musikalischer Support konnte bei seinem Heimspiel so gesehen natürlich vom späten Erscheinen des Hauptacts profitierten. Für mich übrigens das erste Mal, LAMINIUS X live zu sehen, obwohl sie den Raum Osnabrück in diesem Jahr doch ziemlich abgegrast haben mit ihrer Debüt-CD „One Man Show“, welche im März veröffentlicht wurde. Was den Stil der Band betrifft, so würde ich es einfach erst einmal grob als „Rock“ einordnen wollen – wenig aussagekräftig, ich weiß, da aber innerhalb der Songs stilistisch viel variiert wird, bringt es das vermutlich doch noch am Besten auf einen Nenner. Und diese Palette an Soundstrukturen war es dann auch, die mich als Hörer ein wenig irritiert hat. Mag paradox klingen – ist Vielfalt doch häufig ein Bonus – aber es war für mein Empfinden ein wenig gewöhnungsbedürftig, wenn die Lyrics in einem Song fast schon gerappt werden, dann im nächsten Titel kurze Passagen an den Singstil von SYSTEM OF A DOWN erinnern und noch einen Track später wieder ganz grundlegende Rockmuster aufgegriffen werden. Zu nennen ist dann – neben der mehrsprachigen Darbietung der Texte – auch die inhaltliche Ausrichtung der Songs, denn LAMINIUS X haben eine deutliche sozialkritische Note. Beim Publikum kam der Auftritt in weiten Teilen wirklich gut an, ich selbst müsste mir die Jungs erneut ansehen und -hören, um das Ganze noch mal auf mich wirken zu lassen.

END OF GREEN selbst erschienen dann irgendwann doch noch auf der Bühne und berichteten von ihrer Odyssee bei der Anreise. Man wollte die Fans wohl nicht länger warten lassen, so dass der Aufbau etc. recht zügig verlief und im Endeffekt sogar vor dem Backdrop des Openers gespielt wurde. Eröffnet wurde das Set mit „Evergreen“, und schnell gelang es den Herren um Fronter Michelle Darkness mit seiner grandiosen Stimme das Publikum mitzureißen. Man hatte ja auch schließlich lange genug warten müssen. Die Stimmung war durchweg positiv, so dass etwa „Demons“, „Highway 69“ und „Everywhere“ schon nach den ersten Klängen frenetisch umjubelt wurden und zu überraschend viel Bewegung im Publikum führten. Auch Neulingswerke vom aktuellen Album „The Sick’s Sense“, darunter „Dead City Lights“ und allen voran „Killhoney“, aktivierten die ganze Bandbreite möglicher Reaktionen, von pogen über – ungelogen – schunkeln bis hin zu lauthals mitsingen. Fehlen durften natürlich auch nicht Klassiker wie „Sick One“, „She’s wild“ und „Drink myself to sleep“. So ein lauschiger Clubgig hat doch wirklich was! Hier konnten END OF GREEN nun noch einmal deutlich zeigen, wie sie mit der düsteren Melancholie ihrer Songs zu ergreifen wissen – was ihnen bspw. diesen Sommer im hellen Sonnenschein auf der Parkbühne des WGT nicht so recht gelingen wollte. Ich für meinen Teil war also durchaus versöhnt.

Für viele irritierte Blicke sorgte dann noch ein etwas neben sich zu stehen scheinender Typ, der irgendwann urplötzlich und erstaunlich behände einen der Boxentürme neben der Bühne erklomm. Die Aktion ließ sich nicht so recht einordnen, und als der Kerl dann auch noch anfing, sich auszuziehen, schwante mir Schreckliches. Visionen von Dingen und Körperregionen, die man auf diese Art und Weise nicht wirklich vorgeführt bekommen möchte, durchzogen meine Gedanken. Im Endeffekt entpuppte sich besagter Typ als recht harmlos, denn er urinierte weder auf das sich unter ihm befindliche Publikum, noch produzierte er offene Knochenbrüche bei etwaigen Stagedive-Versuchen. Die Unterbuxe ließ er auch an und kletterte nach einiger Zeit einfach wieder runter vom Boxenturm. Fast schon ein wenig enttäuschend. Die Aktion blieb vom Gros der Bandmitglieder END OF GREENs jedenfalls unbemerkt bzw. wurde absichtlich ignoriert; lediglich Bassist Hampez schaute immer wieder befremdet in Richtung des Spektakels. Kurz nach 23h entschieden sich END OF GREEN recht schnell für eine Zugabe und legten noch einmal drei Songs nach. Mit „Death in Veins“ entließ man das Publikum dann schließlich in den kalten Abend.

END OF GREEN lassen derzeit übrigens folgendes auf ihrer Homepage verlauten: „Tausend Dank für das vergangene Wochenende in Osnabrück und Hückelhoven. Zu Osnabrück wollen wir noch erwähnen, dass wir normalerweise nicht auf den letzten Drücker zum Konzert erscheinen und euch im Normalfall auch nicht nötigen, uns beim Equipmentschleppen zu helfen. Vier Stunden Autobahnvollsperrung haben den Zeitplan allerdings etwas gekippt. Also. Danke fürs Durchhalten, Schleppen und Da-sein.“

Das ist doch nett!

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