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ENSIFERUM – METSATÖLL – TRACEDAWN

Ort: Hamburg - Markthalle

Datum: 01.10.2009

ENSIFERUM luden mal wieder zum Stelldichein. Dank neuem Album, das umworben werden will, haben die Finnen mal wieder die Pferde gesattelt, um zum großeuropäischen Schlachtzug zu laden, doch brauchten sie in den letzten Jahren ja eigentlich keine besonderen Anlässe zum Touren. Dank Paganfest waren sie ja quasi in Europa und Nordamerika auf Dauerkonzertreise und auch auf Festivals sind die Herren ja immer willkommene Gäste. Doch mit „From Afar“ draußen bot sich natürlich wieder die perfekte Gelegenheit, mit im Gepäck hatten sie außerdem die Quasilandesnachbarn METSATÖLL und die Landsleute TRACEDAWN. Das dürfte also ein interessanter Tourauftakt werden.

TRACEDAWN verzauberten letztes Jahr bereits mit ihrem Debütalbum nicht nur die Finnophilen, sondern auch die Melodieliebenden der Metalszene und knapp ein Jahr später haben sie nun schon ihr zweites Album am Start. Doch von Routine war hier noch keine Spur, im Gegenteil, die Jungspunde – von den Bandmitglieder ist erst die Hälfte jenseits der 20 – haben noch mächtig Feuer im Blut und gingen entsprechend energetisch zur Sache, allen voran natürlich Sänger Antti, der in seiner Agilität sehr an Landsmann und Gummiball vom Dienst Jules Näveri (PROFANE OMEN) erinnert. Auch wenn der Auftritt erst der zweite hierzulande nach dem Rock Hard diesen Jahres ist, konnten die Finnen schon den einen oder anderen hart eingeschworenen Fan in Hamburg verzeichnen, die lautstark immer wieder ihre Zuneigung kundtaten und sowohl im Moshpit als auch beim Headbangen mächtig Gas gaben. Höhepunkt der Show war das SCOOTER-Cover „Fire“, mutig mutig und ein wahres Humorbekenntnis, sich an so einen Technosong heranzuwagen!

Setlist TRACEDAWN
Make Amends
Justice For None
In Your Name
Brain Attack
Scum
Fire (Scooter Cover)
Without Walls

Mit ihren fellartigen Kostümen und den langen blonden Haaren gehen die Herren von METSATÖLL schon fast als Skandinavier durch, doch auch in Estland hat der Pagan Tradition, ist ja auch schließlich nur ein Steinwurf bis Finnland. Mit ihrem etwas schwerfälligen, durch eingängige Drums und mehrstimmigen Gesang zum Teil. an Kriegsgesänge erinnernden Folk/ Pagan hatten sie es zwar zunächst unbedingt leicht mit der Meute, doch nachdem die Fans mit dem eigenwilligen Sound und den estnischen Texten warm geworden waren, war es Sänger/ Gitarist Markus Teeäär ein Leichtes, die Anwesenden zum Mitmachen zu animieren. Gitarrist Lauri Öunapuu tauschte sein Instrument zudem des Öfteren gegen eine Flöte oder Torupill (estnischer Dudelsack), um so für die nötige Authentizität beim Folkanteil zu sorgen, Bassist Raivo Piirsalu holte beim Schlusssong sogar die Trommel hervor. Insgesamt sicher etwas gewöhnungsbedürftig, aber durchaus ein interessanter Auftritt!

Passend zum neuen Album haben ENSIFERUM ihr Bühnendekor umgestaltet, statt den alten Wikingerstellwänden gibt es nun Podeste rund ums Schlagzeug mit davorhängenden Bannern in Steinmaueroptik, die Finnenröcke wurden gegen karierte bzw. braune Röcke mit Bandlogo drauf getauscht – da wirkten die Röcke mit der finnischen Flagge doch uniformer – und auch die Setlist wurde endlich mal kräftig umgestellt, das natürlich zu Gunsten des neuen Werks „From Afar“, von dem bis auf „Stone Cold Metal“ (das jedoch wahlweise als Zugabe bei anderen Gigs zur Verfügung steht) wirklich jeder Track gespielt wurde. Frontalangriff pur also, doch darin waren die Finnen eh immer Spitzenklasse. Ab der ersten Sekunde war die Markthalle eine riesige, feierwütige Menge, Bewegungsfreiheit 10cm, gefühlte Luftfeuchtigkeit 65%. Obwohl so manch einer der neuen Songs auf dem Album nicht wirklich überzeugen kann, bestachen „Elusive Reaches“ und „Smoking Ruins“ live erstaunlicherweise durch die mehrstimmigen Mitgröhlrefrains, auch „Heathen Throne“ kam sehr gigantisch daher, nur „The Longest Journey“ war buchstäblich genau diese und wurde zur fast zehnminütigen Geduldsprobe… äh Verschnaufpause. Doch wie zu erwarten bescherten vor allem die alten Hits wie „Treacherous Gods“, „Tale of Revenge“ und „One More Magic Potion“ den größten Applaus und die höchste Mitsingquote, und als selbst zum Schluss des regulären Sets „Iron“ immer noch nicht gespielt wurde, stimmte die partyfreudige Menge wie so oft die Hauptmelodie („döpdödödö“) selbst an. Da konnten die Herren natürlich nicht Nein sagen und mussten sich dem Willen der Fans beugen. Ach wenn ich nur zu gerne „Stone Cold Metal“ live gehört hätte, macht das Mitgröhlen scheinbar nicht nur mir bei „Iron“ doch einfach am meisten Spaß.

Nach einigen enttäuschenden Festivalauftritten zeigte sich am heutigen Abend einmal wieder, dass die Stärke der Finnen doch in ihren Clubgigs liegt, bei denen die Fans auch ohne große Entertainerqualitäten, die Frontmann Petri einfach nicht sein Eigen nennen kann, im Nullkommanix und für locker eineinhalb Stunden durchgehend in Höchststimmung geraten!

Setlist ENSIFERUM
By the Didivng Stream
From Afar
Twilight Tavern
Little Dreamer
Elusive Reaches
Wanderer
Heathen Throne
Guardians of Fate
Tale of Revenge
Smoking Ruins
Slayer of Light
One More Magic Potion
The Longest Journey

Treacherous Gods
Lai Lai Hei
Iron

Copyright Fotos: Juliane John

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