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ENSIFERUM – SUIDAKRA – NAILDOWN – TYR

Ort: Essen - Turock

Datum: 02.04.2007

Die Finnen sind los!!! ENSIFERUM, einer der aufsteigenden Vertreter des Wikinger- und Folkmetal, sowie NAILDOWN, Neuling aus dem Bereich Melodeath und ebenfalls aus dem hohen Norden, haben sich zusammen getan, um Europa auf ihrer Tour Towards Victory zu erobern. Als Co-Headliner hat man sich die deutschen SUIDAKRA dazugeholt, die aber aufgrund terminlicher Verpflichtungen nur die letzten 2 Wochen der Tour sowie das heutige Konzert in Essen (zwecks heimatlicher Nähe) bestreiten können. Desweiteren gibt es zahlreiche Gäste, in der Schweiz z.B. ELUVEITIE, in Essen und Flensburg die Färinger TYR. Gut, etwas chaotisch und irgendwie auch kaum angekündigt, aber eine positive Überraschung war es allemal. Leider hatte das Turock sich aber entschieden, die angekündigte Startzeit von 19.30 Uhr nicht einzuhalten, weshalb TYR dann schon um 19 Uhr auf den Brettern standen und sicher der ein oder andere dieses besondere Schmankerl verpasste.

Wo andere in diesem Genre mit schierer Brachialität auffahren, könnte man TYR am ehesten mit dem Sprichwort „In der Ruhe liegt die Kraft“ beschreiben. Statt Gitarrengedonner und Gebrüll standen wunderschöne folkloristische Melodien auf dem Programm, die durch Heri Joensens klaren Gesang untermalt wurden. Wie schon auf der Tour mit AMON AMARTH legten die Herren mit „The Edge“ los, gefolgt von dem auf färöisch gesungenem „Regin Smiður“, das auf alten landeseigenen Volksmelodien basiert. Das irische Nationallied „The Wild Rover“, das allen Neulingen am ehesten noch bekannt dürfte, wurde heute nicht gespielt, dafür aber mal wieder das nachdenkliche „Wings of Time“ und mein Favorit „Ramund Hin Unge“. Auch optisch versuchte man den Fans einiges zu bieten, so traten Gitarrist Terji und Sänger/ Gitarrist Heri „oben ohne“ auf. Ansonsten verzichtete man bis auf ein paar gen Hallendecke gereckte Fäuste bei „Hail to the Hammer“ auf großes Bühnenschauspiel, nur Bassist Gunnar, eine wahre Frohnatur vor dem Herrn, schien seine überschüssige Energie loswerden zu wollen und bewegte sich konstant von A nach B auf der doch recht kleinen Bühne. Jedoch war nach nur 5 Songs leider schon Schluss. Alles Rufen nach Zugaben war vergeben (man bemerke, nach der 1. Band, das hab ich so auch noch nie erlebt), da hätte man der Band sicher einen späteren Platz geben sollen.

Nach einer kurzen Umbauphase und Minisoundcheck in Rekordzeit legten gefühlte 15 min später NAILDOWN los. Nachdem die Jungs beim Tomahawk Festival (wir berichteten) ihren ersten Auftritt außerhalb Finnlands vor einem etwas ungnädigen Publikum absolvierten, lief es heute, nur 2 Tage später, um einiges besser. Unbeirrt rocken die Jungs, was das Zeug hält, auch wenn trotz mittlerweile fehlender Haarpracht (vor einem Jahr waren die Jungs noch allesamt langhaarig) die Show etwas spärlich ausfällt. Sänger Daniel Freyberg schmeißt sich aber gekonnt in Pose und erinnert irgendwie sehr an Alexi Laiho: Ähnliche Posen, ähnliche Gitarre, ähnliches Gebrüll. Super! Die Jungs gaben so sehr Gas, dass ich selbst beim Fotografieren kaum den Kopf still halten kann und das geht heute auch zum Glück nicht nur mir so. So gute Fanreaktionen färben auch auf die Band ab und so sieht man Drummer Janne mit einem Dauergrinsen auf den Lippen, ganz im Gegensatz zu Keyboarder Jarmo, der ein Gesicht macht, als würde er am liebsten überall, nur nicht auf dieser Bühne sein. Auch wenn ich mir mehr Songs vom ersten Album gewünscht hätte, kann man den Gig im Großen und Ganzen als durchaus erfolgreich bezeichnen.

SUIDAKRA kosteten ihre Position als Co-Headliner voll aus. Mit eigenen Stellwänden und einem Backdrop wurde die Bühne dekoriert und auch das Gedränge vor der selbigen wurde nun größer. Man merkte, dass die Band quasi einen Heimgig spielte. Leider vergaß man, auch die Lichtshow entsprechend zu gestalten. Wollte man die Fotografen ärgern? Oder vielleicht nicht gesehen werden? Man weiß es nicht. Tatsache ist aber, dass die Band herzlich empfangen wurde von den Fans, was Frontmann Arkadius auch prompt mit einem „Es ist toll, mal wieder im Pott zu spielen“ kommentierte. Leider vermisste ich den folkloristischen Touch der Band, der vor allem auf dem letzten Album „Caledonia“ so schön durchkam, stattdessen wirkte der Sound sehr t(h)rashig, da haben die Soundtechniker wohl etwas gepennt! Alles in allem aber doch ein guter Gig, zwar mit wenig Höhepunkten, dafür aber mit konstant guter Stimmung.

Als 4. und letzte Band standen nun endlich ENSIFERUM an. „Ad Victoriam“, das Intro des neuen Albums „Victory Songs“ stimmte die Menge auf 90 Minuten feinste Folkhymnen ein. Sänger Petri Lindroos kam wieder einmal mit seinem Kuh-Hut auf die Bühne, der zwar irgendwie so gar nicht zur Thematik der Musik passt, dafür aber einige Grinser auf so manches Gesicht zauberte. Auch die Band war in bester Laune und so sah man Gitarrist Markus des Öfteren mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen, das nur darauf deuten ließ, dass hier jemand absolut glücklich zu sein schien, auf der Bühne zu stehen. Selbst Petri, der sonst gern den Mr. Obercool raushängen lässt, war die Spielfreude gerade anzusehen und so war die Stimmung sowohl auf als auch vor der Bühne ausgezeichnet, was den Gig zu einem der besten machte, den ich von dieser Band je gesehen habe. „Treacherous Gods“, „Tale of Revenge“ oder „Lai Lai Hei“, bei dem sogar der ein oder andere selbst die finnische Strophe textsicher mitsang, unter den Fans war kein Halten mehr. Gut, alles andere hätte mich auch sehr gewundert, denn wenn es eine Band versteht, live die Post abgehen zu lassen, dann sind es ENSIFERUM (FINNTROLL mögen vielleicht die einzige Konkurrenz in diesem Genre sein). Die Melodien regen zum Tanzen an, die Riffs verleiten zum Bangen und bei den Refrains wird kräftig mitgesungen. Zwischendurch stellte Petri noch Ersatzkeyboarderin Emmi (sonst: EX SECRATUS) vor, die für die verhinderte Meiju einspringt. Rein äußerlich wäre dies den meisten wohl gar nicht weiter aufgefallen, da die beiden Frauen große Ähnlichkeit aufweisen, sowohl vom Aussehen als auch von der Bühnenkleidung her. Einzig in Sachen Headbangen hätte Meiju ihr vielleicht vorher noch eine Lektion erteilen sollen, denn was das Bandküken – sie ist gerade mal 19 Jahre jung – da machte, sieht eher nach Entspannungsübungen aus. Vom neuen Album „Victory Songs“ präsentierte man gleich 5 Songs, darunter auch den zehnminütigen Titelsong und das Trinklied „One More Magic Potion“, die einen guten Einblick auf das neue Werk geben, das ab dem 27.April hierzulande endlich in den Läden stehen wird. Ansonsten gibt’s nichts zu meckern. Wer bei so einem Konzert keinen Spaß hat, dem ist auch nicht mehr zu helfen!

Setlist TYR
The Edge
Regin Smiður
Hail to the Hammer
Wings of Time
Ramund Hin Unge

Setlist NAILDOWN
Shining Throne
Lame
P.I.B.
Broken Down
Dreamcrusher
Save Your Breath
Judgement Ride

Setlist ENSIFERUM
Ad Victoriam (Intro)
Blood Is the Price of Glory
Treacherous Gods
Tale of Revenge
One More Magic Potion
Windrider
Lai Lai Hei
Ahti
Dragonheads
Token of Time
The New Dawn
Victory Songs

Zugabe:
Hero in a Dream
Guardians of Fate
Iron
Battle Song

Copyright Fotos: Juliane John

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