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ENSLAVED – NE OBLIVISCARIS – OCEANS OF SLUMBER

Ort: Hannover - Musikzentrum

Datum: 09.11.2016

Während die Welt in den sozialen Medien noch über den Ausgang der Präsidentschafts-Wahlen in den USA diskutiert, führt mich mein Weg an dem verregneten Herbstabend nach Hannover, um das 25-jährige Jubiläum einer Band zu feiern, die fast die gleiche Zeit mein Leben mit ihrer Musik begleitet. So traten ENSLAVED mit der damaligen aufkeimenden norwegischen Black Metal-Szene auf den Plan, gingen aber schnell ihren eigenen Weg und gelten zu den Pionieren des (progressive) Viking Metal! Für die Jubiläums-Tour haben sich die Nordmänner die australischen Durchstarter NE OBLIVISCARIS und die sehr interessanten OCEANS OF SLUMBER aus den USA an Bord geholt

Der erste Slot gehörte dabei den Amerikanern, die Anfang ihre Label-Full Length „Winter“ über Century Media veröffentlicht haben und sich prompt einen gute Fanbase erarbeiten konnten. So waren schon früh am Abend so einige Interessierte vor der Bühne zu finden, was bei Support-Bands ja leider nicht immer der Fall ist. Und diese Neugier wurde belohnt, denn OCEANS OF SLUMBER boten ihre vielseitigen und komplexen Songs genauso tight auf den Punkt wie auf Platte. So kombinierten die Texaner gelungen ruhige, nachdenkliche Passagen mit vertrackten Rifffolgen und knallharten Brutaloausbrüchen. Dabei finden sich im Sound der Amis sowohl düster-getragene Melodien, wie auch progressive Black/ Death-Attacken, die den Hörer massiv in Trance versetzen. Im Fokus stand dabei natürlich die charismatische Sängerin Cammie Gilbert, die einerseits etwas unnahbar wirkte, andererseits mit ihrer fesselnden, kraftvollen Stimme und dezenter, aber einnehmenden Mimik die Anwesenden schnell in ihren Bann zog. Dazu sorgte das Axt-Trio mit druckvollen Riffings, komplexen Frickel-Soli und verspielten Bass-Lines für die musikalische Vollbedienung. Leider hatten OCEANS OF SLUMBER keines ihrer starken Cover ihrer EP „Blue“ (u.a. EMPEROR und CANDLEMASS) im Set, aber die eigenen Songs boten Grund genug, dass sich sicher so einige diese Band in Zukunft verstärkt zu Gemüte führen werden!

Sowohl durch ihre Tour mit CRADLE OF FILTH vor gut einem Jahr als auch durch ihr bereits 2014 erschienendes Album „Citadel“ konnten sich die Australier NE OBLIVISCARIS einen mehr als guten Ruf in der Progressive Death-Sparte erarbeiten. So ist die Kombination aus komplexen Rifffolgen, brutalen Death/ Black-Passagen und melodischen, durch den Einsatz einer Violine und klaren Gesang toll in Szene gesetzten Facetten live und auf Platte extrem packend und mitreißend. Da stört es auch nicht wirklich, dass Songs wie “ Of Petrichor Weaves Black Noise“, „Painters of the Tempest Pt.II: Triptych Lux“ oder „And Plague Flowers the Kaleidoscope“ nicht nur lange Titel, sondern auch eine entsprechende Spielzeit vorweisen. Die Kommunikation mit den Fans übernahm auch dieses Mal wieder Sänger/ Violinist Tim Charles, der introvertiert wirkende Marc „Xenoyr“ Campbell konzentrierte sich lieber komplett auf seine variablen Black/ Death-Vocals und sein Posing, bei dem er den Leuten in der ersten Reihe das ein oder andere Mal unabsichtlich fast den Mikro-Ständer überzog. Die packenden Songs sorgten dann auch schnell dafür, dass die ersten Mähnen flogen und nach den nur 4 Songs (in einem fast 40min. umfassenden Set) sogar eine Zugabe-Rufe ertönten. So sollten sich die Australier die Gunst der Stunde nutzen und schnell ein neues Album an den Start bringen, denn diese Jungs sind auch in unseren Landen gerne gesehen und gehört!

Satte 25 Jahre ist es her, dass sich die norwegische Black Metal-Szene erhob und damit auch Grutle Kjellson (Bass, Vocals) und Ivar Bjornson (Gitarre) ENSLAVED zum Leben erweckten. Seit 2003 spielt die Band nun als Quintett in diesem Line Up (u.a. mit Ice Dale an der Lead Gitarre) und hat neben ihren noch Black Metal-lastigen Frühwerken „Frost“ (1994) und „Vikingligr Veldi“ (1994) u.a. mit „Ruun“ (2006), „Riitiir“ (2012) und zuletzt „In Times“ (2015) so einige Meilensteine des Progressive/ Viking Metal erschaffen. Und gerade die Kombination aus Black Metal-Raserei, Progressive-Parts und hymnischen Viking-Passagen mit cleanen Vocals machen ENSLAVED so unverkennbar. Ein kleines Best Of ihres Schaffens boten die Nordmänner auch dieses Mal und bewiesen wieder ein mal, dass sie auch live zu den Besten gehören!

Ob nun Hits wie „The Watcher“ und „Roots of the Mountain“, derbe Klassiker wie „Fenris“ und natürlich „Allfadr Odinn“ oder das sonst seltener gezockte „The Crossing“, die Norweger rocken einfach! Dabei sorgt Mitgründer Ivar eher für die soliden Riffgrundlagen, sein „Partner in Crime“ Grutle für die Bassläufe und fiesen Vocals und Gitarrist Ice Dale für die packenden Leads, sowie ordentlich Rock N’Roll-Action. Dazu überzeugt Keyboarder Herbrand Larsen auch live durch seinen packenden, cleanen Gesang. Aber auch Humor haben die eh sympathischen und achso-bösen Norweger. So bedankte sich Grutle bei den Hannoveranern für die SCORPIONS, stellte seine Kollegen u.a. als „norwegischen Boris Becker“ (Ice Dale) und „echten K.-H. Rummenigge“ vor und forderte dann von den Fans noch ein Geburtstagsständchen in der Landessprache, was allerdings in dem englischen „Happy Birthday“ endete.

So rockten sich ENSLAVED durch ein spannendes Set, welches sich durch genau das auszeichnete, was die Band ausmacht. Da zockt man kein Album in Gänze oder machte irgendeine besondere Aktion, sondern bietet das, was die Fans an diesen Vikings so schätzen. Nämlich eine Auswahl ihrer besten Songs und eine packende Live-Show. Dazu versprach Ivar im Interview, dass man nach der Tour schon bald an neuen Songs arbeiten werde. Was will man mehr?

Setlist ENSLAVED
Roots of the Mountain
Ruun
The Watcher
Building with Fire
Ethica Odini
Fenris
The Crossing
Ground

Drum Solo
One Thousand Years of Rain
Allfadr Odinn

Copyright Fotos: Michael Werneke

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