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ENTOMBED – ABSTRACT RAPTURE – RETRACE MY FRAGMENTS

Ort: Esch-Alzette - Rockhal

Datum: 10.05.2009

Die Elchtöter in Luxemburg, da sag’ ich nicht nein! Leider dachten sich das wohl nicht so viele andere, wie ich es bei dieser Truppe vielleicht erwartet hätte, oder lag es einfach daran, dass der böse Wochenanfang bevorstand? Vielleicht war auch der eine oder andere bei diesen Regenmassen unterwegs auf der Autobahn weggespült worden. Man weiß es nicht. Zumindest letztere Option wäre in meinem Fall nicht mal so unwahrscheinlich gewesen, was da runterkam, war nicht mehr feierlich und aus den sonst üblichen 40 Minuten Anfahrt wurde beinah eine Stunde – bei mehr oder weniger freier Autobahn… Da ein Tempo jenseits von 100km/h schlichtweg unmöglich war, bzw. selbst dieses Tempo teils an eine Wunschvorstellung grenzte. Zur Halle „schwimmen” musste dann aber doch niemand, da der Regenguss gütigerweise kurz vor Esch aufhörte – und pünktlich eingetrudelt sind ja doch noch Einige – dennoch füllte sich der Club der Rockhal zunächst recht zögerlich.

Unterstützt wurden die Schweden von zwei lokalen Bands, die wieder mal klar machten, dass man der Luxemburger Metalszene ruhig des Öfteren mal ein Ohr leihen sollte. Den Anfang machten die Jungs von RETRACE MY FRAGMENTS, die man grob in die Death Metal Schiene packen könnte, wenn man noch eine Spur Hardcore und progressive Elemente hinzufügt. Anderswo hatte ich schon was von Deathcore gelesen, was dem Sound allerdings nicht so gerecht werden mag. Nun, irgendwie war das Publikum noch zu verstreut im Club, aber immerhin ließen sich einige zum Sound der aktuellen EP „Vertizontal” zum Mitwippen und Headbangen bewegen, Spaß gemacht hat der Gig auf alle Fälle.

Warm wurde die Menge dann im Folgenden bei ABSTRACT RAPTURE, ebenfalls eine Truppe aus dem Nachbarland, die, wie ich bei Nachforschungen herausgefunden habe, im Übrigen den FALKENBACH Session Drummer in ihren Reihen haben. Aber das nur am Rande. Hier ging’s eine ganze Ecke grooviger zu Werke, Death/ Thrash, wer da noch nicht am Headbangen war, dem war nicht mehr zu helfen. Songs wie „Carpe Noctem” oder „Earthcrush” sollten jedenfalls genügend Anlass zum Rübeschütteln gegeben haben.

Nach kurzer Umbauphase war es dann Zeit für den Headliner, der vor einem im wahrsten Sinne des Wortes teuflischen Backdrop die Bühne enterte. ENTOMBED präsentierten eine gut durchmischte Setlist, die von „Left Hand Path” repräsentiert durch „Revel In Flesh”/ „Supposed To Rot” bis hin zum neusten Werk „Serpent Saints” mit „When In Sodom” oder „Stranger Aeons” reichte, mit einem leichten Vorteil für die Werke der 90er Ära – ein Fest für alteingesessene Fans also. Die Schweden haben eine Menge Spaß bei ihren Auftritten, das sieht man ihnen immer wieder an. Zwischendurch mal ein kleiner Scherz mit dem Publikum, viel Gegrinse und Sänger L.G. Petrov dreht auch gerne mal sein Getränk einem Fan in der ersten Reihe an und freut, als dieser den Becher ext. Schön war auch zu sehen, dass einige recht junge Headbanger im Publikum waren, die wohl bei Veröffentlichung der ersten ENTOMBED Alben gerade mal im Krabbelalter gewesen sein dürften – wenn überhaupt. Oldschool quer durch alle Altersschichten, feine Sache – textsicher schienen die Jungspunde ebenfalls zu sein, egal ob es sich um Songmaterial aus der „Left Hand Path” Zeit handelte oder um jene jüngeren Datums. Amüsant wurde es, als es jemandem trotz Security gelang, die Bühne zu erklimmen – nebst zwei Anläufen überhaupt erst mal über die Absperrung zu kommen wohlgemerkt. Die Band nahm’s gelassen hin und freute sich über den Zuwachs auf der Bühne, die Jungs in den Anzügen eher weniger und daraufhin wurde der schwankende Zeitgenossen erstmal wieder mit zwei Mann auf den rechten Weg vor die Bühne eskortiert – unter allgemeinem Grinsen: Zeit für eine Headbang-Einlage nebst beinahem Abräumen des Drumkits hatte der Kerl aber noch.

Aber bitte, bitte schenk doch mal wer dem Fronter eine Packung Taschentücher. Auf die Bühne rotzen gehört in Metalgefilden ja beinah schon zum guten Ton – das hat ein gewisser Alexi „Lama” Laiho ja schon zur Perfektion getrieben – da sagt auch keiner wirklich was, aber ins Longsleeve spucken, bzw. das auch noch als Taschentuch missbrauchen muss doch echt nicht sein. Aber das nur am Rande, Metalkonzerte sind ja kein Kindergarten. Ungeachtet dessen war der Gig ansonsten wirklich ordentlich. So schnell wollte man die Schweden dann nach Verklingen des letzten Songs natürlich auch nicht gehen lassen und mit „Supposed To Rot” gab es einen zünftigen Rausschmeißer. Trotz weiteren lautstarken Zugaberufen war dann aber wirklich Schluss. Na ja fast: die Herren liefen noch eine ganze Weile im Graben auf und ab um Hände zu schütteln, ein kurzes Schwätzchen zu halten und Schultern zu klopfen. Den Drummer hat’s zuvor gar von der Bühne gezogen, weil ein Fan in der ersten Reihe ein wenig überschwänglich Hände schüttelte. Schöner Ausklang des Wochenendes und somit vielleicht auch ein nicht ganz so übler Start in die neue Woche.

Copyright Fotos: Cornelia Wickel

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