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EPICA – KELLS – REVAMP

Ort: Bremen – Tivoli

Datum: 10.10.2010

Geballte Frauenpower, darunter hätte das Motto des heutigen Abends wohl am ehesten stehen können. Im sonst eher männerdominierten Metalbereich sind Frauen im Publikum immer noch weitaus häufiger vertreten als auf der Bühne, doch für diese Tour hatten sich gleich drei Bands mit Damen am Mikrophon zusammengetan, beste Voraussetzungen also, um seiner Leidenschaft an weiblichen Stimmen zu frönen, dazu noch an so einer Schnapszahl von Datum.

Bereits eine Viertelstunde vor dem offiziellen Beginn mussten REVAMP auf die Bühne, doch die neue Band um Allroundtalent Floor Jansen gab ab der ersten Sekunde Vollgas. Der Frontfrau war ihre Spielfreude deutlich anzusehen, die Pause seit dem Ende von AFTER FOREVER scheint ihr einen ungemeinen Energieschub verpasst zu haben, denn mit viel Elan und einer unglaublichen Ausstrahlung bot sie Stücke wie „Sweet Curse“ oder „Head Up High“ stimmlich perfekt dar und degradierte ihre Band dabei noch zu reinen Statisten (auch rein optisch überragte die 1.83m große Hünin ihre Mannen). Besonders überraschend war jedoch, dass sie bei „Disdain“ sogar die Growls, die auf dem Album von Speed (SOILWORK) übernommen werden, selbst „sang“, doch wer sowohl klassisch als Rockstimme drauf hat, der kann auch grunzen! Ein super Auftritt, der nicht weniger als beide Daumen nach oben verdient!

KELLS hatten sich bisher völlig meiner Kenntnis entzogen, was auch nicht ganz verwunderlich ist, da die Franzosen mit ihrer Nu Metal Schlagseite außerhalb der üblichen „Female Fronted Symphonic Metal“-Kategorie fallen. Frontfrau Virg scheint mit ihrer sympathischen, aber gleichzeitig hyperaktiven Art geradezu eine Mischung aus WITHIN TEMPTATION Frontfrau Sharon den Adel und KORN-Sänger Jonathan Davis, so viel hab ich eine Sängerin selten durch die Gegend hüpfen sehen. Doch selbst wenn sie mal ganz theatralisch auf dem Boden kniend ihre Stück zum Besten gab oder die Menge zum xten Mal zum Klatschen und Hüpfen aufforderte, verlor sie dabei nie ihre Natürlichkeit, auch wenn die Menge sich nicht so recht zum Mitmachen animieren ließ, geschweige denn zu einem Moshpit wie von Basser Lo gefordert. Trotzdem eine solide Sache.

Seit sich NIGHTWISH mit immer softer werdender Musik und dem Debakel namens Sängerin quasi selbst aus dem Rennen genommen haben, sind EPICA für mich persönlich zu den Besten, wenn nicht sogar der besten Band der Symphonischen Szene aufgestiegen, die vor allem mit genug Wumms dem Weichspülimage entfliehen kann. Entsprechend ging es nach dem Intro „Samadhi“ auch mit „Resign To Surrender“ los, das nicht etwa mit Simones lieblichem Gesang sondern mit Mark Jansens Gegrunze beginnt, generell stand Simone auch merklich weniger im Vordergrund als noch bei vergangenen Shows, da doch des Öfteren Mark, Isaac und sogar Drummer Arjen Growls beisteuerten und auch die Chöre vom Band für zusätzliche Abwechslung sorgten. Wenngleich das aktuelle Album „Design Your Universe“ mittlerweile fast auf den Tag genau vor einem Jahr veröffentlich wurde, lag der Fokus der Songauswahl natürlich auf eben diesem Werk, sowohl die Singleauskopplung „Unleashed“ als auch die gefühlvolle Ballade „Tides of Time“ fehlten hier nicht, selbst vor dem dreizehnminütigem Monsterstück „Kingdom of Heaven“ machten die Niederländer nicht halt. Dazu gesellte sich eine gut gemischte Auswahl älterer Stücke, u. a. „The Obsessive Devotion“, „Quietus“, „Cry For The Moon“. Obwohl es der letzte Tag der Tour war und man eigentlich ein paar Späße oder vielleicht sogar Gastauftritte der anderen Bands (es wäre ja nicht das erste Mal gewesen, dass Simone und Floor gemeinsam auf der Bühne gestanden wären) hätte erwarten können, gab es außer den üblichen drei Songs Zugabe keine Besonderheiten, schade eigentlich, auch wenn dies einem einwandfreien Gig natürlich keinen Abbruch tat!

Copyright Fotos: Juliane John

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