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ERASURE – ONETWO

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 01.10.2007

Tief, tief in meiner Musikkiste auf fürchterlich schrebbelnden Cassetten befinden sich noch zwei Alben von ERASURE, die sich Anfang der 80er in meinem Walkman auf Dauerrotation befanden. So oder ähnlich könnten sicher auch andere Zuhörer berichten, die an diesem Abend beim Tourauftakt der aktuellen ERASURE-Tour im Ringlokschuppen dabei sein wollten. Ein tendenzieller Männerüberschuss war zu erwarten, was meine Flirtchancen natürlich nicht zwingend erhöhte. Los ging es im noch recht locker gefüllten großen Saal jedoch zunächst mit ONETWO, die vor einem großen, blauen Tuch agieren mussten, das geheimnisschwanger den Großteil der Bühne verdeckte.

„Ihr kennt uns bestimmt nicht, wir sind ONETWO“, begrüßte Claudia Brücken die Zuschauer. aber da hatte sie sich getäuscht. Vielen im Publikum war sie als Sängerin der 80er Formation PROPAGANDA bekannt, auch Kollege Paul Humphreys als eine Hälfte von OMD ist tief in dieser Dekade verwurzelt und hatte sich an diesem Abend noch Verstärkung an den Tasten mitgebracht. So nahmen die Herren Frau Brücken in die Mitte und begannen mit „The theory of everything – Part 2“ Stücke ihres Albums „Instead“ vorzustellen. Nach „Signals“ folgte mit „Sequentials“ gleich eins meiner persönlichen Highlights des Albums, das den Zuschauerreaktionen nach zu urteilen nicht nur mir bekannt war. Mit „Messages“ steuerte Paul dann einen Titel aus dem OMD-Kosmos bei, von Claudia gesanglich unterstützt. Mit „Club Country“ folgte ein Hit der ASSOCIATES, deren Sänger Billy Mackenzie sich 1997 mit 39 Jahren das Leben genommen hat. Mit „Cloud Nine“ und „Home tonight“ kamen zwei weitere Titel vom ONETWO-Album zum Zuge, für erstgenannten hat Claudia kredible Unterstützung beim Songwriting bekommen: Mr. M. Gore persönlich. Und wo wir schon einen OMD-Titel vernommen hatten, durfte natürlich auch ein Propaganda-Song nicht fehlen und so machte „Duel“ die Setlist nahezu perfekt. „Have a cigar“ ein knallig-treibendes Stück wurde noch von einem Herren lautstark gewünscht und ich hätte mich dem sofort angeschlossen, doch die Spielzeit war straff kalkuliert und so verabschiedete sich das Trio sichtlich zufrieden und auch das Publikum war nun auf passende Betriebstemperatur für den Hauptact des Abends gekommen.

Setlist ONETWO
The theory of everything Part 2
Signals
Sequential
Messages (OMD-Cover)
Club Country (ASSOCIATES-Cover)
Cloud Nine
Home (tonight)
Duel (Propaganda-Cover)

Der Saal war inzwischen mit über 1000 Leuten ordentlich gefüllt, als sich kurz nach 21 Uhr etwas hinter der Bühne tat. Da selbst die Tür zum Backstage-Bereich mit einer bunten Lichterkette dekoriert war, war klar, dass einen nun nicht nur ein Feuerwerk fürs Ohr, sondern auch fürs Auge erwarten würde und als nach den ersten Takten von „Sunday Girl“ das herabfallende Tuch den Blick auf die Bühne freigab, wurde man wahrlich nicht enttäuscht. Ein Traum in blauem Glitzer auf zwei Ebenen, in der Mitte verbunden durch eine große Treppe. Hinter der oberen Ebene 6 Monitore für weitere visuelle Effekte, sowie 5 überdimensionierte Diamanten, die die Funktion einer Diskokugel übernahmen, um die Knallfarben des Abends auch ins Publikum zu transportieren. Vince Clark nahm gewohnt stoisch im linken Bühnenteil Aufstellung, während Andy Bell unterstützt von 3 Damen die Bühne in Beschlag nahm. Natürlich wurde auch bei den Akteuren nicht an optischen Spielereien gespart. Alle erschienen im Camouflage-Einheitslook, durch zahlreiche Strass-Steine in seiner Ursprungsfunktion ad absurdum geführt. Doch zurück zur Musik: Mit „Blue Savannah“ folgte gleich ein alter Hit, passend in blauem Licht. Unter großem Gejohle entledigte sich Andy alsbald seiner Jacke, um sich fortan bestens durchtrainiert putzigen Tanzbewegungen hinzugeben. Ebenso drollig sind seine deutschen Ansagen und Überleitungen, sowie die theatralischen Gesten beim folgenden „Drama“. „I could fall in love with you“ aus dem aktuellen Output „Light at the end of the world“ singt er ganz in rotes Licht getaucht auf der Treppe sitzend, um für die folgenden Titel nacheinander mal hier, mal dort auf der Bühne zu posieren oder die Treppe divenhaft auf- oder abzusteigen. Zu „Chains of love“ drehten dann auch die Ladies richtig auf (neben Valentine (?) und Rachel auch Christa Jackson, eine in den USA bekannte Musical-Akteurin) und die Partystimmung hielt noch die weiteren Titel an, bis ein bisschen (O-Ton) „Hippie-Musik“ aus der Konserve eine kleine Pause überbrückte.

Zum zweiten Teil erschienen nun die Herren in weißen Anzügen mit zahlreichen neonfarbenen Farbspritzern, das Damentrio dazu in Pink, Orange und Gelb inklusive passender Perücken, dass es einem fast den Blick brach. Die Farben gaben denn auch den Ton an: Es folgte eine ausgelassene 80er – Party, mit „Ship of Fools“, „Chorus“, „A little respect“ und „Oh l’amour“ reihte sich ein TopTen-Hit an den nächsten, für „Sometimes“ griff Vince mal zur Gitarre und konnte anschließend ein Küsschen von Andy abstauben. Der wackelte dann zu „Oh l’amour“ lasziv mit dem Pöter, ehe das aktuelle „Glass Angel“ das reguläre Set gegen 22.30 Uhr beendete. Als Zugabe gab es noch „Stop!“, zu dem die Damen ohne Perücken aber mit entsprechen bunten Puscheln im Haar zurück auf die Bühne kamen. So fand ein wahrlich bunter Abend ein Ende, der für die meisten ein lustiger Ausflug in die eigene Vergangenheit gewesen sein dürfte und so manchen Ostwestfalen ausgelassener als üblich gezeigt hatte.

Setlist ERASURE
Sunday Girl
Blue Savannah
Drama
I Could Fall In Love With You
Fly Away
Breathe
Storm In a Teacup
Chains of Love
Breath of Life
Love to Hate You
Sucker for Love
— Instrumental (Kostümwechsel) —
Victim
When a Lover Leaves You
Ship Of Fools
Chorus
Sometimes
A Little Respect
Oh L’Amour
Glass Angel

STOP!

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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