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EVERLAST – BETH HART

Ort: Köln - Live Music Hall

Datum: 13.12.2008

Gerade im Advent erfreuen sich Städtereisen großer Beliebtheit. Wenn sich allerdings Terrorverleger ein Wochenende lang in eine andere Stadt begeben, steht nur selten Shopping und Sightseeing auf dem Programm. Stattdessen darf man davon ausgehen, dass sich hochkarätige Musiker angekündigt haben, was auch für uns der Grund war, Richtung Rhein aufzubrechen. In der Live Music Hall sollten am Samstag zunächst EVERLAST und am Sonntag dann THOMAS D die Konzertstätte rocken, doch als Allererstes war BETH HART an der Reihe, die offensichtlich ihren holländischen Fanclub dabei hatte.

Bei unseren niederländischen Nachbarn scheint die amerikanische Singer/ Songwriterin eine große Nummer zu sein, immerhin gibt es ihre Homepage sogar in einer „dutch version“. Tatsächlich hat der blonde Wirbelwind einen gelungenen Einstand in den Abend abgeliefert. Zunächst agierte sie bei dem Song „Mama“ vom 1999er Album „Screaming For My Supper“ noch allein am E-Piano, doch schon zu „Good As I Gets“ aus der aktuellen VÖ „37 Days“ übernahm Mr. Jon Nichols die akustischen sechs Saiten und griff gelegentlich auch zum Mikro. Für den Moment bekam der Sound etwas mehr Drive, wohingegen das wunderbare „Hiding Under Water“ wieder entschleunigt wurde und Beth kratzige Soulstimme bestens zur Geltung kam, was entsprechend auch mit viel Applaus belohnt wurde. „Monkey Back“ aus 2003 ist eigentlich ein Track, der mitsamt der kompletten Band hart und schnell gespielt wird, aber da die 36-jährige nach eigenem Bekunden älter wird, gab’s im LMC eine langsame Akustikversion, die durchaus ihren Charme hatte. Dafür legte „Bottle of Jesus“ wieder einen Zahn zu und klang bisweilen mit dem dazugehörigen Klaviergeklimper nach Wilder-Westen-Saloon-Mucke. Währenddessen schien Miss Hart deutlich angetan vom Zuspruch der knapp 700 Zuschauer und legte mit „Easy“ passenderweise auch gleich ein sehr emotionales Stück nach, bevor sie mit „Stinky Feet“ ihre gelegentliche Wut über den mitgereisten Ehemann zum Ausdruck brachte, der sich wohl nicht immer seine stinkenden Füße wäscht… Blieb nur noch das getragenen „L.A. Song“, in dem sehr viele persönliche Erfahrungen verarbeitet sind, bis nach 45 Minuten der erste, sehr gelungene Teil des Abends endete.

Setlist BETH HART
Mama
Good As It Gets
Hiding Under Water
Monkey Back
One Eyed Chicken
Bottle of Jesus
Easy
Stinky Feet
L.A. Song

Bereits um 20.45 Uhr ging’s mit dem Hauptact weiter, der, nachdem er zu einem Fanfaren-Intro “eingezogen“ war, zweifelsohne nicht zu übersehen war. Mr. Erik Schrody aka EVERLAST aka Whitey Ford hat doch ein kleines bisschen zugelegt, was aber glücklicherweise seiner markigen Stimme nicht geschadet hat. Gleich der Opener „Kill The Emperor“ vom diesjährigen „Love, War And The Ghost of Whitey Ford“ wurde von der anwesenden Meute gut abgefeiert, was sich im Laufe des Gigs nur noch steigern sollte. EVERLAST hatte aber auch einfach ein Füllhorn an alten und neuen Hits am Start, die umgehend in Ohr und Bein gingen und mitgesungen werden wollten. Etwa „Love For Real“ vom 2000er „Eat At Whitey’s” (und auf dessen Cover EVERLAST noch rank und schlank war), das zwar eher ruhiger Natur war, jedoch von der Band so druckvoll rübergebracht wurde, dass es nur so eine Freude war. Im Anschluss legte Mr. Schrody eine kleine Kunstpause ein, stimmte an seiner Gitarre herum, bevor es mit der JOHNNY CASH-Nummer „Folsom Prison Blues“ weiterging und es im Saal kein Halten mehr gab. Sehr geil in diesem Zusammenhang der Einsatz von elektronischen Synthies-Sounds und Klavierakkorden! Für das sehr stimmungsvolle „Broken“ griff Whitey zur Akustikgitarre, bevor mit dem vertrackten „Letters From The Garden of Stone“ ein wenig orientalischer Style ins Geschehen kam. Möglicherweise ein Ausfluss von Eriks Konvertierung zum Islam, dem er seit 1997 angehört, auf jeden Fall ein hörenswertes Detail! Gutgelaunt schloss sich „Lonely Road“ an, um für „Anyone“ Platz zu machen, das wieder in den Slow-Motion-Modus wechselte. Mit „Ends“ von „Whitey Ford Sings The Blues“ aus 1998 ging’s mehr Richtung Hip Hop – dem Genre aus dem EVERLAST ursprünglich kam und mit HOUSE OF PAIN einige Erfolge feiern konnte. „Ends“ wurde jedenfalls ebenso begeistert aufgenommen wie „Black Coffee“ oder die Gänsehaut-Nummer „White Trash Beautiful“ vom gleichnamigen Longplayer aus 2004, bevor sich zu „Stone In My Hand“ die Live Music Hall in einen Hexenkessel verwandelte. Mit diesem Track verabschiedete sich EVERLAST nach einer knappen Stunde von seinen Fans, kehrte aber natürlich umgehend wieder zurück auf die Stage und legte noch mal ordentlich nach. Für mich absolut herausragend die SANTANA-Kollaboration „Put Your Lights On“, die Whitey meinetwegen auch eine halbe Stunde hätte spielen können. Natürlich hatte aber auch das extrem groovige „Black Jesus“ mit seinen coolen Rhythmus-Parts jede Menge zu bieten, aber als das Auditorium den Refrain zu „Put Your Lights On“ sang, hatte das noch einmal eine ganz besondere Klasse.

Wer dachte, das wäre es um Punkt 22 Uhr gewesen, da ja auch der anschließende Disco-Betrieb wartete, durfte sich noch über den größten EVERLAST-Erfolg „What it’s Like“ aus 1999 freuen, der etwas verspielter als auf der Platte vorgetragen und gleich einmal zur Bandvorstellung genutzt wurde. Jedes Mitglied erhielt sodann auch noch Gelegenheit ein krachendes Solo zu spielen, bevor es abermals von der Stage ging. Die Zugabe-Rufe wollten jedoch überhaupt kein Ende nehmen und da EVERLAST auch noch genug Smasher im Repertoire hat, gewährte er gern noch einen Nachschlag. Das Ganze gipfelte in einem furiosen Finale mit dem HOUSE OF PAIN-Hit „Jump Around“, zu dem noch mal alle Kräfte mobilisiert und der Titel kollektiv umgesetzt wurde. Ein energiegeladener Schlusspunkt hinter 105 Minuten allerbeste musikalische Unterhaltung mit einer klasse Lightshow, weshalb es nicht überraschte, dass man allenthalben nur zufriedene, wenngleich auch etwas erschöpfte Gesichter (überwiegend jenseits der 30) sah.

Setlist EVERLAST
Kill The Emperor
Blinded By The Sun
Love For Real
Folsom Prison Blues
Broken
Letters From The Garden of Stone
Lonely Road
Anyone
Ends
Black Coffee
White Trash Beautiful
Stone In My Hand

Friend
Black Jesus
Put Your Light On

What It’s Like
This Kind of Lonely
Babylon Feeling
Jump Around

Copyright Fotos: Jan-Hendrik Kruse

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