Konzert Filter

EVERLAST – DRAWING CIRCLES

Ort: Bielefeld – Stereo

Datum: 30.11.2012

Nach dem großen Erfolg seiner Akustik-Touren im Frühjahr und Sommer ist Erik Schrody aka EVERLAST erneut nur mit zwei akustischen Gitarren bewaffnet unterwegs. Ok, eigentlich mit drei Sechssaitern, den ganz allein steht der Mann, der in den Neunzigern große Erfolge mit der Rap-Formation HOUSE OF PAIN feierte, nicht auf der Bühne. Als Unterstützung war auch im gut besuchten Bielefelder Stereo ein Rastamann aus Memphis/ Tennessee mit von der Partie, dessen Name Kollege Schrody zwar mehrfach kund tat, jedes Mal aber so undeutlich aussprach, dass zumindest ich ihn nie verstehen konnte. Im Laufe des Abends wurde das Genuschel nicht unbedingt besser, was unter Umständen mit den vielen Getränken zu tun gehabt haben könnte, die zwischen den beiden Musikern auf einem Tisch drapiert waren.

Da bot sich beim Support DRAWING CIRCLES noch ein ganz anderes Bild. Die beiden Jungspunde, die seit gut einem Jahr zusammen Musik machen und stolz verkündeten, ihre erste EP veröffentlicht zu haben, begnügten sich jeweils mit einer kleinen Flasche Wasser und präsentierten pünktlich um 20 Uhr ihren Mix aus rauem Gesang, für den Vincent Alex zuständig war, und akustischer Gitarrenmucke, die Sebastian Lesch zu verantworten hatte. In diesem Sinne legten sie mit „This Ain’t Hollywood“ überzeugend los und ernteten auch für den Titeltrack „Tales of An Arsonist“ ihres Debüts freundlichen Applaus. „Goodnight Darling“ wurde als eines der wenigen fröhlichen DRAWING-CIRCLES-Songs mit einem leichten Hang zur Melancholie angekündigt und entpuppte sich als einigermaßen schwermütig – man möchte sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn die beiden Jungs aus Köln und Mechernich in der Eifel so richtig düstere Gedanken haben. Auch „Reckless“ blieb vergleichsweise ruhigen Klängen treu, nahm im Laufe des Vortrages jedoch an Dramatik zu und wurde vom gefühlvollen „I Used To Have A Friend“ abgelöst. Derweil begann „Crimes“ verhalten, um dann Fahrt aufzunehmen und ein gesangliches Zwiegespräch zwischen Vincent und Sebastian zu entfachen. Letztgenannter war auch beim abschließenden „Cheers Darling“ noch einmal etwas stärker am Mikro gefragt, während er sich ansonsten in der Hauptsache um seine Wanderklampfe kümmerte und den Gesangsjob weitgehend seinem Kumpel überließ. Alles in allem ein überzeugenden Auftakt des Abends, der 20 Minuten später seine Fortsetzung erfahren sollte.

Setlist DRAWING CIRCLES
This Ain’t Hollywood
Tales of An Arsonist
Goodnight Darling
Reckless
I Used To Have A Friend
Crimes
Cheers Darling

Viel musste auf der Bühne ja auch nicht in Position gebracht werden. Das Cover der aktuellen Platte „Songs of The Ungrateful Living“ prangte bereits auf einem großen Backdrop im Hintergrund, fehlten nur noch die Instrumente, zwei Plastikstühle und die besagten Getränke, bevor die Show mit „Today (Watch Me Shine)“ von der gleichnamigen EP aus 1999 seinen Anfang nahm. Sehr emotional schloss sich „Long At All“ vom jüngsten, bei uns im Februar erschienenen Silberling an, ehe es mit „Gone For Good“ und „Little Miss America“ von der gleichen VÖ schwungvoll weiterging. „Ends“ vom 1998er „Whitey Ford Sings The Blues“ groovte wie der Teufel und auch „The Crown“ brachte den Kopf zum Nicken und die Füße zum Wippen, bevor beim kraftvollen „Long Time“ vereinzelt mitgesungen wurde. Währenddessen erklärte der Mann mit der irisch-deutschen Herkunft (O-Ton: „Alles was Namen hat, die mit „SCH“ beginnen, kommt ursprünglich aus Deutschland“), was es mit seinen vielen Gläsern und Flaschen auf sich hatte. Sie enthielten wohl Whisky, Cola und Wasser (das Mischungsverhältnis lassen wir mal dahin gestellt), Bier gab’s auch noch, allerdings in erster Linie für den Kollegen am zweiten Sechssaiter und im Laufe des Abends musste nachgeschenkt werden, singen macht halt durstig. Und gesungen wurde noch ne Menge! Als nächstes stand „White Trash Beautiful“ auf der Setlist und natürlich wurde der Titelsong des acht Jahre alten Erfolgsalbums mit Begeisterung aufgenommen und markierte zweifelsohne einen Höhepunkt des Gigs. Ein emotionales Highlight war „Anyone“ – ein Lied, das EVERLAST in der Nacht, in der sein Vater gestorben ist, geschrieben hat und bei dem sogar zwei Feuerzeuge in die Höhe gereckt wurden. Wie üblich blieben die Ostwestfalen insgesamt vergleichsweise zurückhaltend; dass die Antworten auf Eriks Fragen eher stockend ausfielen, lag allerdings wohl tatsächlich daran, dass er nicht immer wirklich zu verstehen war, weshalb er vermutlich auch wissen wollte, wer jedem seiner Worte folgen konnte. Vieles waren es nicht, die an dieser Stelle aufzeigten… Aber das machte nicht wirklich was, denn das fette Fingerpicking bei „Lonely Road“ war ebenso wenig misszuverstehen wie der JOHNNY-CASH-Klassiker „Folsom Prison Blues“, der in den ersten Reihen heftig beklatscht wurde. Viel Beifall erhielt auch das eindringliche „What It’s Like“, bevor es nach allerlei Gezupfe mit „Stone In My Hand“ vom „Love, War And The Ghost of Whitey Ford“-Longplayer aus 2008 zum Ende des regulären Sets die volle Breitseite gab.

Inzwischen war es 22.00 Uhr und EVERLAST verschwand ziemlich sang- und klanglos mit seinem Mitstreiter im Off, um sich zunächst ein wenig bitten zu lassen, ehe er mit „Sixty-Five Roses“ die erste Zugabe allein performte. In der Zwischenzeit hatte der Rastamann seine Sonnenbrille abgenommen und die Haare zum Zopf gebunden, so dass es gemeinsam mit dem nachdenklichen „Broken“ weitergehen konnte. Knackig schloss sich „Black Coffee“, das genau wie „Black Jesus“ der 2000er „Eat At Whiteys“-Langrille entnommen war. Dass beim gut mitgesungenen „Black Jesus“ ein Spruch von Whitey Ford kommen musste, der in die Richtung ging, er habe seinem farbigen Gitarrero im Rahmen der Tour erst erklär, dass die Leute nicht ihn meinen, wenn sie „Black Jesus“ sängen und dass es sich nur um ein Lied handele, war fast vorauszusehen. Ebenso wie die Tatsache, dass „Put Your Lights On“ den Abend wenig später beendete. Nach dieser EVELAST-Hymne, die gemeinsam mit CARLOS SANTANA entstanden ist, konnte fast schon nichts mehr kommen, allerdings hätten sich Erik Schrody und sein Mann an der zweiten Langaxt für die Verabschiedung von ihrem Publikum ein wenig mehr Zeit nehmen können. So fand das Konzert um 22.40 Uhr ein etwas abruptes Ende, was dem Genuss und der Qualität der vorangegangen 110 Minuten jedoch keinen Abbruch tat. Wenn ich ehrlich bin, darf EVERLAST beim nächsten Besuch in Deutschland aber auch gern wieder in voller Bandstärke anrücken. Die akustisch vorgetragenen Songs waren durch die Bank alle absolut hörenswert und gelungen, doch in der Studio-Variante haben sie einfach noch mehr Wumms.

Setlist EVERLAST
Today (Watch Me Shine)
Long At All
Gone For God
Little Miss America
Ends
The Crown
Long Time
White Trash Beautiful
Children’s Story
Anyone
Lonely Road
Folsom Prison Blues (JOHNNY-CASH-Cover)
What It’s Like
Stone In My Hand

Sixty-Five Roses
Broken
Black Coffee
Black Jesus
Put Your Lights On

Copyright Fotos: Jörg Rambow

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu DRAWING CIRCLE auf terrorverlag.com

Mehr zu EVERLAST auf terrorverlag.com