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THE EXPLODING BOY – SAIGON BLUE RAIN

Ort: Bielefeld - Movie

Datum: 03.05.2015

Während andere sich auf den sonntäglichen „Tatort“ vorbereiteten, machte ich mich bei strömendem Regen auf den Weg ins Bielefelder Movie, um mir mit THE EXPLODING BOY und SAIGON BLUE RAIN zwei interessante Bands anzuschauen. Um es vorweg zu nehmen: ich wurde in keinster Weise enttäuscht, denn was die beiden Combos dort ablieferten, war so richtig nach meinem Geschmack.

Gegen 20.30 Uhr begann die französische Cold Wave Band SAIGON BLUE RAIN mit „I Wanna Be You“ vom aktuellen Longplayer „What I Don`t See“ ihr Set und zog sofort das Publikum in ihren Bann. Das Duo Ophelia (voc) und Franck (git) wird live von Mathieu und Gilles an Bass und Gitarre unterstützt, so gab es neben einigen Songs vom schon erwähnten Debutalbum auch Tracks von der „Stupid Bitch Reject“ EP aus dem Jahre 2013. Seinerzeit nannten sich SAIGON BLUE RAIN noch STUPID BITCH REJECT und ich denke, sie taten gut daran, ihr Projekt umzutaufen, denn man würde sicher damit etwas anderes assoziieren. Der bekannteste Song aus der Setlist von SBR dürfte das Q LAZZARUS Cover „Goodbye Horses“ vom „Schweigen Der Lämmer“ Soundtrack sein, den auch schon PSYCHE gecovert haben und der mittlerweile zum Standardprogramm fast jeder Düsterdisco gehört. Unter kräftigem Applaus beendeten die vier aus Frankreich mit „Only“ ihren 45 minütigen Auftritt und ich wünsche ihnen, dass sie demnächst auch auf größeren Festivals die Möglichkeit bekommen, ihr Können unter Beweis zu stellen. Das Zeug dazu haben sie und auch der Kontakt zu den Fans ist erstklassig. So konnte man vor ihren Auftritt im Foyer beobachten, wie angeregt sich Franck mit einigen Fans unterhielt, kein Wunder, kannte man sich ja schon von einem Wohnzimmer-Gig ein paar Tage vorher im benachbarten Detmold.

Setlist SAIGON BLUE RAIN (ohne Gewähr)
I Wanna Be You
Bliss
Bean Niochan
What I Don`t See
Queen Ephemeria
Whispering Eyes
L`offrande
Inside My Asylum
Goodbye Horses (Q LAZZARUS Cover)
So Cold
Only

Mit ihrem Indie-Post Punk/ New Wave begeisterten die Schweden THE EXPLODING BOY im letzten Jahr schon auf dem Amphi Festival und um sich dort von der Masse der Bands abzusetzen, kamen sie entgegen des allgemeinen schwarzen Dresscodes auf diesem Dark Wave Festival ganz in Weiss gekleidet auf die Bühne. So viel Humor hätte man den Jungs – die sich nach einem THE CURE-Song benannt haben – gar nicht zugetraut. Während ihrer kleinen Frühjahrstour standen sie jetzt auf der Bühne des ehemaligen Kinos, um sich schon mal warm zu spielen für ihren bevorstehenden Auftritt beim legendären Wave Gotik Treffen in Leipzig. Die 2006 in Stockholm gegründete Formation veröffentlichte im Laufe der Jahre vier hochgelobte Alben und ist bei vielen Festivals ein gern gesehener Gast. Mit „Scared To Death” begannen Johan Sjöblom, (voc, git), Stefan Axell (voc, git), Lars Andersson (git) und Nicklas Isgren (key) ihren Auftritt, wobei gerade Nicklas an seinen Tasten kaum zu sehen war, da er seinen Arbeitsbereich im hinteren Teil der kleinen Bühne hatte und seine Bandmitglieder am vorderen Rand den direkten Blick auf ihn versperrten. Während der Opener noch eine musikalische Mischung aus DEPECHE MODE und THE CURE darstellte, folgten mit „Going To Hell“ und „Human“ Songs mit dem typischen TEB Sound, der aber kurz vor der Hälfte ihres Sets unabsichtlich durch ein Schnarren gestört wurde. Der Stecker von Stefans Gitarrenkabel machte am Verstärker einige Probleme, die aber schnell gelöst werden konnten. So ist das unter Live-Bedingungen, das kann immer mal vorkommen. Unbeeindruckt davon spielten sie sich weiter durch ihr Set, wobei das Hauptaugenmerk auf ihren letzten und bereits 2013 veröffentlichten Album „Four“ lag. „Street Cliché” und “Sweet Little Lies” läuteten das Finale ihres Gigs ein und die Fans ließen die Boys nicht ohne Zugabe von der Bühne. Mit „Desperados” endete nach ca. 75 Minuten ein routinierter Auftritt der Skandinavier.

Setlist THE EXPLODING BOY (ohne Gewähr)
Scared To Death
Going To Hell
Human
Here Come The Rain
Dazed
London
Show You Me
Cracked
Torn
40 Days
Let The Right One In
The Right Spot
Dark City 2
Heart Of Glass
Street Cliché
Sweet Little Lies

Desperados

Und wieder endete ein Konzertabend mit zwei richtig guten Bands, die eindeutig mehr als die knapp 100 Anwesenden verdient gehabt hätten. Evt. lag es auch daran, dass das Konzert an einem Sonntag stattfand, wo die meisten eine weite Anfahrt scheuen, da es am nächsten Tag wieder zur Arbeit geht – das kann ich absolut nachvollziehen. Aber diejenigen, die vor Ort waren, hatten ihren Spaß und es ist schon auffällig, dass bei vielen skandinavischen Bands wie ZEROMANCER, HIM oder auch NEGATIVE die ersten Reihen nur aus weiblichen Fans bestehen. Das war auch hier nicht anders, denn mit Johan Sjöblom hat man ja einen richtig guten Fronter als Blickfang. SAIGON BLUE RAIN haben mir persönlich so gut gefallen, das ich nach ihrem Gig ihr aktuelles Werk „What I Don`t See“ erstanden habe und neben LES RITA MITSOUKO, ADN’ CKRYSTALL, DEXY CORP und KRYSTAL SYSTEM ist es die nächste französische Combo, die den Weg in mein musikalisches Archiv findet.

Dem Veranstalter ist es jetzt zum wiederholten Male gelungen, Künstler in die „Provinz“ zu holen, die sonst nie den Weg nach Bielefeld gefunden hätten, dafür gebührt ihm ein ganz großes Lob. An dieser Stelle muss ich auch jemand anderes hervorheben, der während des Konzertes im Hintergrund arbeitet und einen verdammt guten Job gemacht hat. Die Rede ist vom Tontechniker, denn auch der Sound im Movie war phänomenal.

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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