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EXTRABREIT – BETTY BLITZKRIEG

Ort: Hamburg - Knust

Datum: 03.10.2009

Extrabreit mit extra viel Bier

Der junge Mann neben mir schwenkte die Knolle und klärte mich auf “Das Konsssert innessiert misch nisch. Aber dass Bier is echt geil billisch hier, trotz Eintritt!” Na dann, Prost. Aber durch die musikalische Gestaltung des Abends musste er dann trotzdem durch. Pünktlich um 21 Uhr betrat der Pre-Act BETTY BLITZKRIEG die kleine Bühne des Knust. Betty sieht eigentlich aus wie der nette junge Mann von der Tankstelle. Nur sein konsequentes Styling schrie mit jedem hauteng anliegenden Fetzen Stoff “Ich bin ein echter 80er!” Und so ist auch seine Musik. Und das gar nicht mal schlecht. Auch wenn Betty dem Publikum nach dem zweiten Song beichtete, dass er mit seiner Musik just 55.000 Euro Minus gemacht habe, der Künstler wurde vom 40+ Publikum feierfreudig mit erhobenen Armen und schaukelnden Oberkörpern belohnt. Na, da geht doch was. Überhaupt, die Hütte war gut besucht. Ein Meer von jung gebliebenen Jungs und Deerns im Brösel und Rocker-Look füllte den Saal eng gedrückt. Gut gelaunt wippten da Langhaar-Dauerwelle und Glitzer-Top, auch wenn es noch so heftig ums Midlife-Hüftgold zwickte und spannte. Man wollte seinen Spaß und die Band der verflossenen Jugend feiern.

Und nach einem zackig-routinierten technischen Bühnenwechsel waren sie dann auch schon da, die alten Jungs der immer noch wogenden Deutschen Welle: EXTRABREIT. Klar, sie sind alt geworden, logo, wir haben nicht mehr 1980. Aber EXTRABREIT rockt. Das liegt nicht allein an dem sexy Timbre von Kai Havaii, das mit den Jahren sogar noch rockiger geworden ist. EXTRABREIT sind alle miteinander schlichtweg gute Musiker. Von der ersten Single 1980 bis zum aktuellen Album, die Jungs können es einfach. Und ihre Fans lieben sie dafür. Als Havaii die Sonnenbrille zückte und den „Andreas Bader“ gab, gerieten nicht nur die jung gealterten Damen in Ekstase. Heißer Groove, satter Sound und ein bestens aufgelegter Sänger brachten das Volk zum kochen. Ein bunter Strauss guter alter Klassiker prasselte auf das Knust-Publikum nieder. Fein untergehoben: die neuen Lieder aus dem aktuellen Album. Darunter ganz großes Liedtext-Erzähl-Kino: der Titelsong „Besatzungskind“. Ein gereifter Liedtext zum hinhören der, EXTRABREIT untypisch, nicht so richtig mitsing-kompatibel rüber kommt. Was dann aber durch die vielen Deutsche Welle-Perlen wie „Polizei“ und die traumhaft schönen „Roten Rosen“ mehr als aufgefangen wurde.

Da war es vorauszusehen, dass bei „Hurra, Hurra die Schule brennt“ das Publikum vor Begeisterung den Ballermann raushängen lies. So ging es dann auch dem jungen Mann mit der inzwischen 12. Knolle zwischen den Griffeln. Der hüpfte, tobte und schrie vor Freude. Ja, da musste man dann durch. So wie die Schreiberin dieser Zeilen, die sich in einem der wenigen Sperrmüll-Sessel des Knust außer einem stimmungsvollen Abend bei richtig guter handgemachter Mucke mit vielen Ohrwürmern auch einen Satz Flöhe gefangen hat.

Copyright Fotos: Sandra Dürkop

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