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FESTIVAL DER SPIELLEUTE 2008

Ort: Solingen - Schloss Burg

Datum: 27.06.2008

Am 27. Juni war es wieder so weit. Im bergischen Solingen wurde auf Schloss Burg zum wiederholten Male das von den Fans geliebte Musikfestival durchgeführt. Sechs Stunden lang ertönten ab 18 Uhr bei herrlichem Sonnenschein die rockigen, folkigen und sakralen Rhythmen der Gruppen POTENTIA ANIMI, RABENSCHREY und SALTATIO MORTIS. Das Musikfestival bildet den traditionellen Auftakt zu dem bereits zum vierten Mal durchgeführten historischen Mittelaltermarkt an den beiden darauf folgenden Tagen. Vor der Kulisse des im dreizehnten Jahrhundert erbauten Palais von Schloss Burg war ein ausgelassenes Feiern der etwa 1000 Zuschauer auf dem mit mobilen Tavernen und Ständen geschmückten Vorhof des Schlosses zu erleben.

Der Abend begann kurz nach offiziellem Beginn mit einer Abendandacht. Gehalten wurde sie von den vier Geistlichen der aus Berlin stammenden Bruderschaft POTENTIA ANIMI. Die Nachtfraß, Liebe, Schlaf und Schnabausus Rex genannten Brüder waren einst des Rock ’n’ Rolls Lifestyle satt, gingen in ein abgeschiedenes Kloster, um in Ruhe wieder zu neuer schöpferischer Potenz und frischer Lebensfreude zu gelangen. Alsdann legten sie ihre Mönchsgewänder nicht mehr ab und beglücken seitdem die musikalische Fangemeinde mit ihren sakralen Gesängen in rockig-melancholischem Stil. Nicht zu vergleichen mit anderen gregorianischen Gruppen bringen sie dank der betörend klingenden, immer wieder in musikalischen Bildern festgehaltenen Texten jede Menge Humor und zotigen Sarkasmus auf die Bühne. Zugegeben, wenn nicht jeder Zuhörer alle Texte versteht, weil sie auf lateinisch vorgetragen werden oder zumindest so klingen, sind die meisten Rhythmen und Melodien alles andere als lateinisch. Die Konzertbesucher hatten ihren Spaß daran und freuten sich tanzenderweise umso mehr, wenn sie die Texte beispielsweise von „Gaudete“ verstanden. Mitgesungen wurden die Texte allemal, selbst der von „Domina“. Dafür musste nicht einmal die Zeit weit fortgeschritten sein. Die Brüder brachten mit ihren frechen und frivolen Texten und der anheizenden Musik die Besucher in die richtige Stimmung für die nachfolgenden Gruppen.

War die erste Band noch „religiös“ geprägt, so waren nach einer kurzen Pause die nicht minder stimmungsvollen und rockigen Klänge der Neuen Heiden zu hören. RABENSCHREY schloss sich mit ihren Liedern, natürlich durfte „Hey wir sind Heiden“ nicht fehlen, der Fröhlichkeit der Zuschauer an. Die sehr produktive Mittelalter-Band, die im April mit Auf den Fersen ihre zweite CD nach dem Best Of- Im neuen Gewand vom Februar diesen Jahres auf den Markt gebracht hat, ist seit dem ersten Mittelaltermarkt in diesen historischen Gemäuern quasi die Stammband. Das Konzert war sozusagen ein Heimspiel für sie. Die bereits im Jahre 2000 von Donar von Rabenschrey gegründete Band mit dem ganz eigenen Stil von heidnischem Mittelalter-Folk brachte die Gemüter der Fans noch weiter in Wallung. Neben dem Einüben eines Gesangs, bei dem auch noch mindestens „10 Prozent aus den letzten Reihen“ mitgezogen wurden, trugen ihre Hits „Weg nach Walhall“, „Röselein“ und „Templerschaf“ lautstark dazu bei. Teilweise wurden die Klänge von Pyrotechnik am Bühnenrand begleitet. Leider nicht in dem ursprünglich geplanten Umfang, dennoch war es schön anzusehen.

Nach dem etwas längeren Bühnenumbau griffen dann gegen halb zehn die Dudelsack-Totentänzer SALTATIO MORTIS die Hitze der Konzertbesucher auf, um sie in ein wahres Schweißbad zu treiben. Die Dunkelheit war nicht mehr fern und die Lichtershow kam zu vollem Glanze. Alea als Frontmann und seine Bandkollegen rissen die Zuschauer durch ihre fetzigen Klänge mit. Wie von der Mannheimer Band gewohnt boten sie eine phantastische Bühnenshow, die nicht nur auf Lichteffekte reduziert war. Getreu dem Motto „Wer tanzt, stirbt nicht!“ drehten sich die Mannen und sprangen wie die Derwische über die Bühne. Diese Stimmung musste einfach auf die Zuschauer überspringen. Zwar spielt SALTATIO MORTIS meist im Gefolge von mittelalterlichen Veranstaltungen, aber ihre Musik ist keine urwüchsige Musik aus diesem oder im Stile dieses Zeitalters. SaMo, wie sie von ihren Fans genannt wird, hat einen eigenen Stil entwickelt. Es ist ein bleischwerer, routinierter und von überzeugender Kraft geprägter Stil, der neben klassischen Rockinstrumenten auf mittelalterlichen Instrumenten dargeboten wird. Schnelle Rhythmen wie bei „Uns Gehört Die Welt“ oder „Sieben Raben“ aus ihrer aktuellen CD „Aus der Asche“ heizten nicht nur den Musikern sondern auch den Besuchern ein. Unterstrichen wird der eigene musikalische Stil durch den ebenfalls eigenen Stil ihrer Bühnenkleidung. Mehr in die Lande der Fantasy versetzt denn in denen des Mittelalters fühlt sich der Zuschauer beim Betrachten der Show.

Alles in allem bot das Konzert einen gelungenen und sehr stimmungsvollen Abend, bevor es mit einer Feuershow in den nächsten Tag über ging. Die Musikfans kamen genauso auf ihre Kosten wie die Mittelalterfans. Die drei Gruppen boten durch ihre sehr unterschiedlichen Musikrichtungen von allem und für jeden etwas. Dem Veranstalter ist zu wünschen, auch im nächsten Jahr wieder solch ein Händchen bei der Auswahl und beim Wetter zu haben.

Copyright Fotos: Detlef Knut

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