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FETTES BROT – SUPERPUNK

Ort: Bielefeld - Ringlokschuppen

Datum: 07.05.2008

Endlich ist es so weit: Die Sonne wärmt seit einigen Tagen das vom langen Winter depressive Gemüt und FETTES BROT kommen nach Ostwestfalen! Wie es schien, zwei Umstände, die an diesem lauschigen Mittwoch Abend bestens harmonierten. „Ausverkauft!“ hieß es bereits seit Wochen und tatsächlich war es im Ringlokschuppen brechend voll, als ich dort um 20.45 Uhr mit einiger Verspätung ankam.

So war mir die erste Viertel Stunde SUPERPUNK entgangen, die wie ein Wirbelwind auf der Stage agierten. Die Hamburg-München-Connection bot einen treibenden Mix aus Northern Soul, Punk und Garagenrock und sorgte neben den sommerlichen Temperaturen dafür, dass die Anwesenden schon mal ordentlich ins Schwitzen kamen. Neben Songs ihres Anfang des Jahres erschienenen vierten Studioalbums „Why Not?“ gab es auch einige ältere Stücke wie „Ich weigere mich aufzugeben“ („Einmal Superpunk, bitte“ aus 2004), „Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen“, „Neue Zähne für mich und meinen Bruder“ („Wasser marsch!“ aus 2001) und „Matula, hau mich raus“ („A bisserl was geht immer“ aus 1999) auf die Ohren. Allen gemeinsam war ein flotter Beat und leicht schräge Texte, eine Kombination, die in Bielefeld ausnehmend gut ankam und von zahlreichen SUPERPUNK-Rufen begleitet wurde. Offensichtlich war der Fünfer kein Unbekannter mehr in Puddingtown, wer zusätzlich nach der etwa 45minütigen Show auf den Geschmack gekommen ist, kann die Herrschaften, die seit 1996 gemeinsam agieren, auch am 11.10.2008 noch mal im Bielefelder Kamp genauer unter die Lupe nehmen.

Nun hieß es erst einmal, die Flüssigkeitsverluste auszugleichen, um für den Hauptact präpariert zu sein, der sich um 21.40 Uhr anschloss, indem der schwarze Vorhang fiel und die Band Aufstellung nahm, bevor dann auch Doktor Renz, König Boris und Björn Beton ihre Plätze in Front einnahmen und mit „Lieber verbrennen als erfrieren“ den Slogan des Abends ausgaben. Die 2.500 Fans ließen sich auch gar nicht lang bitten und feierten ihre Hamburger Hip-Hopper frenetisch ab. Offensichtlich waren sie mit dem Material der im März erschienenen Platte „Strom und Drang“ bereits bestens vertraut, denn schon zu „Schieb es auf die Brote“ verwandelte sich der altehrwürdige Industriebau in einen wahren Hexenkessel. Mit einem „Bettina, zieh dir bitte etwas an“-Remix unterzogen die BROTe nach eigenem Bekunden das Auditorium mit dem ersten Superhit einem Härtetest, der problemlos bestanden wurde. Ostwestfalen war definitiv in Feierlaune und zeigte keine Scheu. Stattdessen wurde zu einer imposanten Lightshow, die mit bunten Bildchen auf der riesigen Leinwand im Hintergrund der Bühne komplettiert wurde, kollektiv gehüpft und gesungen und die erste Singleauskopplung der aktuellen Langrille mit tosendem Applaus bedacht. Wie bereits bei der 2006er „Am Wasser gebaut“-Tour waren FETTES BROT mit großem Orchester angereist, besonders die Bläsersektion gab dem Sound einen besonderen Kick, etwa bei „Die meisten meiner Feinde“, bevor es mit „The Grosser“ vom 2001er „Demotape“ den nächsten Smasher gab, dem „Emanuela“ (mit Mundharmonika-Einlage) auf dem Fuße folgte. Auch „An Tagen wie diesen“ erfreute sich großer Beliebtheit und wurde entsprechend lauthals mitgesungen, während Bielefeld sich vorbehaltlos König Boris anschloss und zu „Automatikpistole“ Tausende gereckte Fäuste zu sehen waren. Mit dem Orgellastigen „Hörst du mich“ und ausgiebigem Klatschen endete nach 70 Minuten, die tanzend und singend wie im Fluge vergangen waren, der erste Part der Show, doch hatte der agile Dreier zu Beginn ja zwei Stunden Party versprochen, also durfte das Publikum auf eine ausgedehnte Verlängerung hoffen.

Die wurde auch umgehend mit schon fast schmerzhaften Bässen eingeläutet, die ein „Erdbeben“ ankündigten. Erneut sollte der Ringlokschuppen in seinen Grundfesten erschüttert werden, hier wurden weder Mensch noch Material geschont und nachdem sich FETTES BROT vermittels eines Bühnencases und zwei Strahlern ihre eigene kleine Stage gebaut hatten, verwandelten sie mit „Da draußen“ die Konzertstätte abermals in einen wogenden Hexenkessel. Für die sonst so zurückhaltenden Ostwestfalen gab es kein Halten mehr und dem gemeinschaftlichen Ausrasten stand nichts mehr im Weg. Als „Falsche Entscheidung“ hätte den Konzertbesuch wohl keiner der Anwesenden bezeichnet, auch wenn inzwischen nicht nur bei den BROTEn sondern auch im Publikum die Klamotten schweißgetränkt waren. Müdigkeit war auf jeden Fall vor der Bühne noch nicht erkennbar und so wurden beim erneuten Abgang der Musiker „Nordisch“-Gesänge skandiert, die mit harten Hip-Hop-Beats und Bläsern beantwortet wurden. „Jein“ war im Anmarsch und nun kochte die Stimmung endgültig auf dem Siedepunkt. Die grandiose Live-Version des 1996er Burners von der „Außen Top Hits, innen Geschmack“ zählte zweifellos zu den Höhepunkten der Show und wurde mit ohrenbetäubendem Klatschen quittiert. Es folgte die FETTES BROT-Adaption des THE CLASH-Klassikers „London Calling“, der – wie könnte es anders sein – auf den Namen „Hamburg Calling“ hörte. Zu dieser „Buddelschiff“-Nummer (O-Ton BROTe) wurde im Hintergrund eine große Piratenflagge geschwenkt, bevor „Schwule Mädchen“ das Zepter übernahmen und es erneut zu einem Massen-Ausflippen kam. Abermals wurde die Bühne geräumt, doch ein letztes Wiedersehen sollte es noch geben. Allerdings verbunden mit der Aufforderung, sich hinzusetzen, der das Fanvolk natürlich bereitwillig nachkam. Auch FETTES BROT nahmen am Bühnenrand Platz, wenn auch nur für einen kurzen Moment, denn auch die Single-Version von „Bettina“ animiert zu ausgelassener Bewegung. Entsprechend durfte sich auch die Zuhörerschaft wieder erheben und ein letztes Mal zu dem Song, der nur mit einem DJ und ohne die Begleitband vorgetragen wurde, abzugehen. Der anschließenden Ermunterung, seinen rechten Nebenmann/ -frau zu küssen, folgten die Damen und Herren Fans allerdings nur zögerlich, dabei wollten FETTES BROT doch die sexuelle Befreiung nach Bielefeld bringen. Stattdessen verabschiedeten sie sich mit „Dankeschön und Aufwiedersehen“ a cappella und ließen um 23.30 Uhr ein erschöpftes, aber sehr zufriedenes Publikum zurück.

Hier und da wurde „Nordisch by Nature“ vermisst, das sicherlich ebenso wie die vorgetragenen Songs abgefeiert worden wäre, aber auch so war es ein rundum gelungener Konzertabend mit FETTES BROT, die erneut sehr eindrucksvoll ihre fantastischen Live-Qualitäten unter Beweis gestellt haben.

Setlist FETTES BROT
Lieber verbrennen als erfrieren
Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich ich
Schieb es auf die Brote
1€Blues
Bettina, zieh dir bitte etwas an Remix
Ich hasse das
Die meisten meiner Feinde
The Grosser
Emanuela
Das allererste Mal
Trotzdem
Ich lass dich nicht los
An Tagen wie diesen
Automatikpistole
Hörst du mich

Erdbeben
Rock Mics
Da draußen
Falsche Entscheidung

Jein
Hamburg Calling
Schwule Mädchen

Bettina, zieh dir bitte etwas an (Single Version)
Dankeschön und Aufwiedersehen

Copyright Fotos: Jörg Rambow

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