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FETTES BROT – SUPERPUNK

Ort: Bremen - Pier 2

Datum: 08.05.2008

Zugegeben etwas unwillig mich bei strahlendem Sonnenschein in eine miefige Konzerthalle zu begeben, machte ich mich an diesem Donnerstag auf den Weg nach Bremen, um zum lange ausverkauften Konzert der BROTE zu kommen. Bei dem grandiosen Wetter hätte mir ein Open Air ungleich besser gefallen als das PIER 2. Nur des Wetter wegen aber auf eine so grandiose Live-Band zu verzichten, kam aber selbstverständlich auch nicht in Frage. Mein letztes FETTES BROT Konzert lag schon Ewigkeiten zurück und fand noch im PC 69 (R.I.P.) in Bielefeld und ohne Liveband statt, hatte aber schon damals einen Riesenspaß gemacht.

Zunächst aber war es mir tatsächlich gelungen bei dem Hinweis „Fahren sie geradeaus“ auf meiner Wegbeschreibung irgendwie verkehrt abzubiegen und etwas ziellos durch Bremer Vororte zu gondeln, so dass wir ganz großartig den Beginn von SUPERPUNK verpassten. Natürlich stand ich pünktlich zum vierten Song (die ersten drei durfte fotografiert werden) vorne an der Absperrung.

Das Pier2 war zu diesem Zeitpunkt bereits brechend voll und die Stimmung trotz des heißen Wetter und einer konstant steigender Temperatur doch eher etwas zurückhaltend und nordisch unterkühlt. Man konnte auch davon ausgehen, dass nicht wirklich viele an diesem Abend wegen SUPERPUNK gekommen waren, sondern diese nur als notwendiges Übel beim Warten auf FETTES BROT akzeptierten. Ein leider sehr undankbarer Job und Schicksal etlicher Vorbands. Allerdings konnten SUPERPUNK mit fortschreitender Dauer ihres Gigs mit ihrer Mischung aus unterhaltsamen Texten und mitreißender Musik irgendwo in der Schnittmenge aus Pop, Punk, Rock und teilweise treibenden Disco-Beats immer größeren Applaus einheimsen und das Publikum immer mehr zum Mittanzen zu bewegen. Nach einer sehr fairen Spielzeit von 45 Minuten und 11 Songs („Matula hau mich raus“, „Ja, ich bereue alles“), leider auf ein Drittel der Bühne (der Rest war durch einen Vorhang abgetrennt) beschränkt, konnten SUPERPUNK am Ende doch sicherlich den ein oder anderen neuen Fan gewonnen haben.

Nach einer halbstündigen Umbaupause war es dann endlich soweit. Mit einem passenderem Motto als dem Eröffnungssong „Lieber verbrennen als erfrieren“ konnte man die nun folgende ca. 2stündige Show praktisch nicht eröffnen. Ab der ersten Minute zeigten die BROTE, dass sie sich an diesem Abend in Bestform präsentieren würden. Auf großer Bühne mit Lichteffekten und großer Hintergrundleinwand und zudem einer Begleitband mit allem drum und dran inkl. Bläsern war klar, dass keine Wünsche offen bleiben würden. Oder etwa doch? Die Entertainer-Qualitäten von FETTES BROT sind legendär und so kalauerten sich Doc Renz, König Boris und Björn Beton von Song zu Song und boten neben großartiger Live-Musik auch ganz nebenbei beste Unterhaltung und große Übergänge. Bereits recht früh haute man die aktuelle Single „Bettina, zieh Dir bitte etwas an“ ins tanzfreudige Publikum raus. Das ganze Pier 2 sprang und sang und mit Band und Bläsern machte der Song noch einmal mehr Spaß als auf Platte. Zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung bereits auf dem Siedepunkt und im Anschluss stimmte der Saal lauthals irgendwelche Fußballgesänge an, die selbst die BROTE nach mehr als 15jährigen Bestehen staunen und fragen ließen, wer denn hier das Konzert geben solle. Es folgte das der blonden Psychotherapeutin Claudia gewidmete Lied „Ich hasse das“ inklusive einer in „Phantasiesprache“ geführten Unterhaltung, die fast schon Slapstick-Qualitäten besaß.

Sehr geil war auch das Arrangement vieler Songs mit großer Band und manche Songs wie z.B. „Die meisten meiner Feinde“ wurden dank der Bläser sogar zu richtig guten tanzbaren Stücken mit starkem Ska-Einschlag (nicht, dass diese Lieder nicht schon an sich gut gewesen wären). Während bei diesen Songs bestens mitgetanzt werden konnte, gab es andere, zu denen das Publikum weniger tanzte, dafür umso mehr und textsicher mitsang. „The Grosser“, eine übersetzte Version des Klassiker „The Joker“ der STEVE MILLER BAND vom 2001er Album „Demotape“ war ein solcher Track. Und natürlich gab es den Großteil der Setlist, bei dem Gesang und Tanz perfekt kombiniert werden konnte. Bei „Emanuela“ sprang dann das komplette Pier 2 erneut und sang lauthals jede einzelne Zeile mit. Um die Euphorie etwas zu dämpfen und für eine kleine Pause zu sorgen, kam König Boris nun zum Bühnenrand, sagte „Ich werde euch jetzt leider die Laune verderben müssen“ und nun folgten mit gesanglicher Unterstützung des Gitarristen Pascal bei den Songs „Ich lass Dich nicht gehen“ und „An Tagen wie diesen“ erstere Töne, die jedoch genauso frenetisch bejubelt wurden. Den ersten Teil des Sets beendete FETTES BROT mit „Hörst Du mich“ und ließ dabei das Publikum den kompletten Song lang mitklatschen. Aber nur 1 Std. Konzert der FETTEN BROTE? Da musste doch noch viel mehr gehen. Das konnte es einfach nicht gewesen sein und so rief das Publikum die Band lauthals auf die Bühne zurück und es wurden erste „Nordisch by nature“ Gesänge laut.

Zunächst kamen nur die drei Brote auf die Bühne zurück und starteten „Erdbeben“ ohne Band und nur mit DJ. Diese gesellte sich dann während des Songs hinzu und stieg mit ein. Dann wollte die Truppe noch mal richtig auf dicke Hose machen und bot „eine Menge geiler Spezialeffekte“ bei „Da draußen“, die sich darauf beschränkten, dass immer einer auf einer Kiste stand und die beiden anderen ihn mit Scheinwerfern beleuchteten, während er von hinten von einer Nebelmaschine eingehüllt wurde. Hört sich doof an, sah aber dann doch richtig evil aus und hatte hohen Unterhaltungswert. Nach diesem sehr einstudierten Teil besann sich die Band kurzerhand auf ihr Improvisationstalent und sagte den nächsten Song an. Nun folgten eine (wenn auch einseitige) Unterhaltung mit einem Crowd-Surfer und genialen Sprüche wie „Tragt den Mann nicht zur Bühne, tragt ihn jetzt das ganze Lied durch den Saal“ worauf ein anderer einstieg und sagte „Ach Du scheiße, der hat ein Fanta 4 Shirt an, tragt ihn zum Merch, der braucht ein neues T-Shirt“. Nach diesem Ausspruch folgte dann genialerweise „Falsche Entscheidung“. Wieder verließ FETTES BROT die Bühne und nun wurden die „Nordisch by nature“ Gesänge noch einmal lauter. Doch auch als die Band erneut zurückkehrte, ließ man das Publikum zappeln, bot aber mit dem folgenden Dreierpack „Jein“, „Hamburg Calling“ und dem Partyhit „Schwule Mädchen“ adäquaten Ersatz. Doch das Publikum schien einfach nicht totzukriegen und so spielte man noch einmal die Single-Version von „Bettina, zieh Dir bitte etwas an“, die (zumindest mir persönlich) bei weitem nicht so gut gefiel wie mit kompletter Band. Als Abschluss folgte der Bugs Bunny und Duffy Duck Klassiker „Dankeschön und Auf Wiedersehen“ und nach knapp 2 Stunden ging so ein grandioses Konzert zuende. Ohne „Nordisch by nature“ aber mit einer großen Menge Spaß.

Setlist FETTES BROT:
Lieber verbrennen als erfrieren
Der beste Rapper Deutschlands ist offensichtlich ich
Schieb es auf die Brote
1 € Blues
Bettina, zieh Dir bitte etwas an
Ich hasse das
Die meisten meiner Feinde
The Grosser
Emanuela
Das allerletzte Mal
Trotzdem
Ich lass Dich nicht los
An Tagen wie dieser
Automatikpistole
Hörts Du mich

Erdbeben
Rock Mics
Da draußen
Falsche Entscheidung

Jein
Hamburg Calling
Schwule Mädchen
Bettina, zieh Dir bitte etwas an (Single Version)
Dankeschön und Aufwiedersehen

Copyright Fotos: Karsten Rzehak

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